Der Trend geht nicht nur bei den Anwendungen immer mehr in Richtung Online, auch das Speichern von Daten übernehmen immer öfter externe Dienstleister. Für den Anwender hat diese Strategie gleich mehrere Vorteile: Er kommt von jedem Rechner aus an seine Daten, kann sie gegebenenfalls problemlos mit anderen teilen, und hat darüber hinaus in aller Regel eine wesentlich höhere Ausfallsicherheit als auf dem eigenen System.
Neben dedizierten Storage-Anbietern bieten auch einige Freemailer Datenspeicher an. Im Test stehen GMX [1] und Google Mail [2] sowie die Storage Provider Mydrive [3] und Microsoft Skydrive [4] – letzterer steht derzeit noch in der Beta-Phase. Die Testumgebung verfügt über einen Internetanschluss mit einer bidirektionalen Kapazität von 1 MByte/s. Der ebenfalls zum Test vorgesehene Service von Wuala [5] befindet sich noch in der Alpha-Phase und wurde deshalb nicht berücksichtigt. (siehe Kasten "Wuala – die Zukunft?").
Wuala – die Zukunft?
Wuala setzt beim Online-Storage auf Peer-to-peer-Technik und speichert die verschlüsselten Daten häppchenweise auf den Rechnern aller angeschlossenen Benutzer. Die Kapazität von einem GByte Speicherplatz erweitert jeder Anwender nach Gusto, indem er selbst mehr Platz auf seiner Festplatte für andere Sharer zur Verfügung stellt.
Die Vorteile dieser Technik liegen auf der Hand: Die redundante Datenhaltung erhöht zum einen die Ausfallsicherheit und beschleunigt darüber hinaus die Datentransfers. Da jeder Teilnehmer nur einen kleinen Teil der Daten in verschlüsselter Form auf seinem Rechner hat, verringert sich die Gefahr, dass die Inhalte in falsche Hände geraten. Derzeit befindet sich das Projekt noch in der Testphase, Interessenten können sich bislang nur für eine Einladung anmelden.
Google Mail
Google baut das Speicherkontingent für seinen kostenfreien Mailer kontinuierlich aus. Derzeit bietet er etwa 7 GByte Volumen. Findige Programmierer sehen darin mehr als nur eine Speichermöglichkeit für E-Mails und entwickelten Applikationen, um den Speicher als Online-Storage zu nutzen. So integriert etwa GMailFS [6] den Onlinespeicher mittels FUSE und eines Python-Skripts in das lokale Verzeichnis. Eine detaillierte Anleitung, wie Sie es verwenden, finden Sie unter [7].
Das Firefox-Plugin GSpace [8], das wir in diesem Test verwendeten, verfügt über eine Oberfläche, die der eines FTP-Clients ähnelt (Abbildung 1). Es bietet auch dessen Funktionen, wie etwa multiples Hoch- und Herunterladen von Dateien oder das Erstellen von Verzeichnissen. Google Mail behandelt eine hochgeladene Datei als E-Mail-Attachment. Um zu verhindern, dass Sie dieses postwendend mit Ihrem E-Mail-Client wieder herunterladen, empfiehlt es sich, ein eigenes Konto zum Speichern anzulegen.
Unter den Verzeichnisfenstern findet sich links die Transfer-Queue und rechts ein Informationsfenster, das Bilder als Thumbnails anzeigt und weiterführende Informationen zur markierten Datei liefert. Die mit GSpace angelegten virtuellen Verzeichnisse dienen ausschließlich zur internen Zuordnung und tauchen nicht im Mail-Konto selbst auf. Das Programm erlaubt auch den rekursiven Transfer ganzer Verzeichnisbäume und hält dabei die Ordnerstruktur bei. Die Oberfläche bietet neben der Standard-Ansicht File Transfer Mode unter anderem den Player Mode- und Photo Mode. Diese aktivieren in der linken Fensterhälfte entweder die Bildansicht oder einen Audioplayer.
Google beschränkt die maximale Größe einzelner Dateien auf 20 MByte, womit sich das System nur zum Sichern kleinerer Dateien eignet. Dass der Anbieter die Geschwindigkeit von Downloads auf 750 KByte/s und Uploads auf 300 KByte/s beschränkt, fällt bei den meisten Anwendern kaum ins Gewicht, da nur wenige ADSL-Anschlüsse über eine höhere Transferrate verfügen.
Einem Bericht des Wall Street Journals [9] zufolge startet Google in absehbarer Zeit einen eigenen Storage-Service namens GDrive. Stefan Keuchel, Pressesprecher von Google Deutschland, wollte auf Nachfrage die Spekulationen weder dementieren noch bestätigen – Informationspolitik der Firma sei es, Produkte erst dann anzukündigen, wenn sie auch verfügbar sind.
Google: Plus/Minus
+ Schneller Up/Download
+ Keine Volumenbegrenzung
– Keine Freigabe/Benutzerverwaltung
– Maximale Dateigröße: 20 MByte
GMX
GMX, das Urgestein unter den Mail-Providern, bietet längst mehr als nur ein E-Mail-Konto. Zur Angebotspalette zählt unter anderem das so genannte Mediacenter, welches das Hochladen und Verwalten von Dateien ermöglicht. Die kostenfreie Variante verfügt über 1 GByte Speicherkapazität, das Download-Volumen limitiert der Anbieter auf 2 GByte im Monat.
Als einziger Teilnehmer im Testfeld bietet GMX dafür einen WebDAV-Zugriff an. Dieser ermöglicht zum einen das Öffnen des Online-Speichers in Dateimanagern wie Konqueror (Abbildung 2) und zum anderen das Einhängen in das lokale Dateisystem via Davfs2. Eine ausführliche Beschreibung dazu finden Sie unter [9]. Der Upload-Manager von GMX, der den Speicher in den lokalen Verzeichnisbaum integriert, steht derzeit nur für Windows zur Verfügung.
Neben WebDAV bietet GMX eine webbasierte Verwaltungsoberfläche (Abbildung 3) für das Mediacenter, die ähnlich wie ein Dateibrowser aufgebaut ist. Zu bekannten Dateitypen zeigt sie die entsprechenden Symbole an, zu den Bilder Thumbnails.
Markieren Sie Sie mehrere Dateien zum Download, so komprimiert der Dienst diese zunächst in einem ZIP-Paket und bietet sie danach am Stück zum Download an. Umständlich gestaltet GMX hingegen das Hochladen: Dazu muss man jede Datei einzeln anwählen .
Zwar bietet das Mediacenter eine Freigabe von Verzeichnissen für bestimmte Personen, diese müssen allerdings ebenfalls ein Konto bei GMX besitzen. Sehr positiv fallen die hohen Up- und Downloadraten auf, die sich bei jeweils etwa einem MByte/s am Limit der Testumgebung bewegten.
GMX: Plus/Minus
+ Sehr schneller Up/Download
+ Keine Dateigrößenbeschränkung
+ Unterstützt WebDAV
– Volumenbeschränkung
– Wenig Speicherplatz



