Mit Office 2007 beschreitet Microsoft einen neuen Weg seiner Formatstrategie und setzt nun auf ein halboffenes XML-Format. Die ständige Integration neuer proprietärer Formate mit jeder neuen Office-Version sorgte in den letzten Jahren immer wieder für verärgerte Anwender. Besonders Microsofts wichtigste Kunden, die Unternehmen und Behörden, haben enorme Probleme mit der wachsenden Anzahl verschiedener Formate. Bei Aufbewahrungsfristen von bis zu 30 Jahren benötigen diese für einen einzigen Dokumententyp, zum Beispiel ein Word-Dokument, einen regelrechten Zoo verschiedener Versionen im Dokumentenmanagementsystem – von den passenden Anwendungen ganz zu schweigen.

Auch für den Heimanwender bringt der Schritt hin zu offenen Dateistandards auf Basis von XML einen kleinen Fortschritt. Zur Not untersuchen Sie mit einem beliebigen XML-Editor die Dateiinhalte und extrahieren bei Bedarf Teile, falls das ursprünglich zum Erstellen genutzte Textprogramm nicht mehr bereit steht.

Microsoft macht seinem Ruf alle Ehre und hat natürlich eine eigene Ansicht vom Begriff "offener Standard". Die ISO hat das Office-2007-Format Office OpenXML (OOXML) zwar als Standard ISO/IEC 29500 verabschiedet, im Wesentlichen gingen jedoch die Interessen von Microsoft, Apple, Novell und anderer Hersteller ein. Empfehlungen des W3C oder die Spezifikationen anderer nach ISO standardisierter Formaten ignoriert der Konzern einfach [1]. Zahlreiche Entwickler aus dem Open-Source-Bereich kritisieren daher den OOXML-Standard und setzen auf das Open Document Format ODF.

Da OOXML allerdings bei der großen Anzahl von Office-2007-Installationen weiterhin einen Quasi-Standard darstellt, brauchen alle, die auf freie Formate und Programme setzen, ein Konvertierungstool, um die Office-2007-Dokumente nach ODF zu übersetzen. Novell als Mitglied im Standardisierungsgremium von OOXML stellt einen solchen Konverter unter einer BSD-ähnlichen Lizenz kostenfrei bereit [2]. Um ihn in OpenOffice zu integrieren, brauchen Sie den ODF-Converter-Integrator von Andrew Ziem [3].

Installation

Beim Test des ODF-Converter-Integrator kam als Basis Ubuntu zum Einsatz. Für Ubuntu 7.10 liegt der ODF-Converter-Integrator als Chocolate-Edition aktuell in der Version 0.1.5 vor. Nach dem Download des Debian-Pakets von der Heft-DVD oder der Website gelingt die Installation des Tools mit einem einzigen Doppelklick. Bei einem aktuellen Ubuntu 8.04 benötigen Sie unter Umständen einen Link auf eine bestimmte Library:

$ sudo ln -s /usr/lib/libtiff.so.4.2.1 /usr/lib/libtiff.so.3

Das Programmpaket enthält zusätzlich Novells ODF-Converter. Das Setup integriert diesen automatisch in die Konvertierungsoptionen von OpenOffice. Öffnen Sie eine DOCX-Datei mit OpenOffice, ruft die Software im Hintergrund den Konverter auf und setzt die Datei ins Open Document Format um. Für umfangreiche Dokumente nimmt das Konvertieren jedoch einige Zeit in Anspruch nehmen, hier ist daher Geduld gefragt.

Office 2007 enthält einige freie Schriftarten, die unter anderem im Power Point Viewer 2007 stecken. Installieren Sie diese Schriftarten unter Linux, sorgt das für bessere Konvertierungsergebnisse. Für die Installation der Schriftarten benötigen Sie das Installationspaket des Power Point Viewer 2007 von Microsoft [4]. Die Schriftarten extrahieren Sie anschließend mit Cabextract aus dem aus dem Installationspaket. Ubuntu hält das Programm im Repository vor. Mit folgendem Aufruf von Cabextract kopieren Sie das Datenpaket des Power Point Viewers aus dem Installer:

$ cabextract -F ppviewer.cab PowerPointViewer.exe

Legen Sie anschließend ein Verzeichnis für die Schriftarten an. Für eine benutzerspezifische Installation erstellen Sie einen Untererordner im Benutzerverzeichnis für Fonts (~/.fonts). Um die Schriftarten systemweit bereit zu stellen, legen Sie dagegen ein neues Verzeichnis unter /usr/share/fonts auf Ihrem Rechner an und kopieren die Schriftarten anschließend hinein (Listing 1).

Abschließend aktualisieren Sie den Font-Cache mit dem Aufruf von sudo fc-cache -fv in einem Terminal. Danach liefert vor allem der Office-2007-Standard-Font Calibri bessere Ergebnisse beim Konvertieren.

Listing 1
$ sudo mkdir /usr/share/fonts/Office2007Fonts
$ sudo cabextract -F '*.TT?' -d /usr/share/fonts/Office2007Fonts ppviewer.cab

Referenzdokumente

Für einen Test der Installation verweist das Wiki von Andrew Ziem auf verschiedene Referenzdokumente [4], darunter ein Archiv mit einer Reihe von einfachen Dokumenten in verschiedenen Formaten, die aus Office 2007 stammen. Sämtliche Dateien, auch das umfangreicher formatierte Referenzdokument von OpenOffice.org Ninja (Abbildung 1), ließen sich im Test fehlerfrei öffnen.

Abbildung 1: Im Test öffnete OpenOffice das Referenzdokument von OpenOffice.org Ninja fehlerfrei.

Praxistest

Bei einigen anderen mit Office 2007 SP1 erstellten Testdokumenten [5] erschienen meist lediglich Fehlermeldungen, oder die Software zeigte einfach ein leeres Dokument. Auch mit größeren Dokumenten, die noch aus der ursprünglichen Word-2007-Version stammen, kam der Konverter nicht immer zurecht. So erschien beim Konvertieren des 81-seitigen Microsoft Office 2007 Security Guide [6] nach einigen Minuten der Hinweis, dass der Converter das Dokument nicht öffnen könne.

Abbildung 2: Bei Dokumenten aus Office 2007 SP1 zeigten sich die Probleme, die der ODF-Converter zur Zeit noch hat: Es erscheint lediglich eine weiße Seite.

Ähnlich verhielt es sich beim Umwandeln verschiedener Excel-2007-Dokumente und Powerpoint-Präsentationen. Auch hier glänzte der Konverter im Gegensatz zu den Referenzdokumenten nicht gerade. Gelang das Konvertieren, fielen die Ergebnisse recht unterschiedlich aus. Teilweise gingen die Formate vollständig verloren. Gerade bei Tabellen oder frei orientierten Grafiken offenbarten sich noch offensichtliche Probleme. Andererseits klappte das Umsetzen der umfangreichen Excel-Tabelle aus dem Microsoft Office 2007 Security Guide problemlos.

Hinter den Kulissen

Da der ODF-Converter-Integrator das Konvertieren mit Hilfe des Kommandozeilentools von Novell erledigt, hilft es unter Umständen weiter, das Tool direkt im Terminal aufzurufen. Um ein DOCX-Dokument von OOXML nach ODF umzusetzen, genügt der Befehl:

OdfConverter /I OpenXMLDocument.docx /O ODFDocument.odt

Konvertieren Sie auf diese Weise die Dokumente, bei denen Fehlermeldungen erschienen, so kommt die Ursache schnell ans Licht. Der Konverter stürzt bei einigen Dokumenten einfach ab und verweist auf Fehler in den zugrunde liegenden Bibliotheken. Warum das Konvertieren einfacher Dokumente manchmal ein leeres Dokument liefert, ließ sich auf diese Weise jedoch nicht herausfinden. Interessanterweise ergab der Aufruf des Kommandozeilentools bei einem Dokument mit einer Tabelle ein besseres Ergebnis als der Aufruf aus dem OpenOffice heraus.

Fazit

Der ODF-Converter-Integrator gehört zu den vielversprechenden Projekten in der Welt der freien Software, da Sie mit ihm Office-2007-Dokumente komfortabel in OpenOffice öffnen und bearbeiten. Der Praxistest zeigt jedoch, dass das zugrundeliegende Tool von Novell zum Konvertieren der Dateien noch Fehler aufweist. Bei einem 6000-seitigen Standard, den es zu implementieren galt, verwundert dies jedoch wenig.

Viele Funktionen, wie das Umsetzen der Makros oder die zahlreichen Einstellungen zur Interoperabilität, haben noch nicht den Weg in das Tool gefunden. Im Praxistest funktionierte die Integration in OpenOffice reibungslos, die Ergebnisse konnten jedoch nur bei wenigen Dokumenten überzeugen.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

Kommentare