Aufmacher

Have a lot of Phun

Spaß mit der 2D-Engine

01.07.2008
Wie der Motor eines Autos bleiben Software-Engines für den Betrachter in der Regel unsichtbar. Phun zeigt, dass auch Motoren wunderbar zum Spielzeug taugen.

Die Frage, was Sie mit einer interaktiven 2D-Physik-Engine anfangen sollen, erledigt sich nach ein paar Minuten mit Phun ganz von selbst. Dann nämlich packt Sie der Spieltrieb und die Lust am Experiment wischt die Frage nach der Sinnhaftigkeit Ihres Tuns beiseite. Was wäre wohl, wenn den wackligen Turm ein riesiger Stiefel treten würde, fragen Sie sich und setzen das Szenario fix in die Tat um (Abbildung 1).

Das Konzept von Phun ist nicht ganz neu: Kommerzielle Software wie "The Incredible Machine" setzte bereits erfolgreich auf den Spieltrieb als Verkaufskonzept. Im Jahr 2000 verwandelte die Brückenbau-Simulation "Bridge Builder" Heerscharen von Bürohengsten in Freizeit-Statiker. Phun entspringt der Doktorarbeit von Emil Ernerfeldt, der an der Universität von Umeå (Schweden) Computerwissenschaften studiert.

Abbildung 1: Drohgebärde: Ein riesiger Fuß bedroht den schwankenden Turm. Wird er ihn zu Fall bringen? Das entscheiden in Phun physikalische Gesetze.

Phun befindet sich noch in der Entwicklung und kann nicht mit einer aufwändigen Grafik protzen, steht dafür aber in der neuesten Version zum kostenlosen Download auf der Webseite des Projekts [1] bereit.

Installation

Phun arbeitet plattformübergreifend und bringt die abhängigen Bibliotheken bereits mit. Nutzer von OpenSuse 10.3 und Ubuntu 7.10 brauchen lediglich ein aktuelles System mit installierten 3D-Treibern.

Die Software selbst erhalten Sie in Form eines Archivs, das Sie zunächst über den Befehl tar -xvjf Phun_beta_3_5_linux32.tar.bz2 entpacken. Damit haben Sie bereits den wesentlichen Teil der Installation bewältigt. Nun wechseln Sie in das neue Unterverzeichnis und erwecken das Tool über den Befehl ./phun zum Leben.

Im Test zeigte die Software in Version 3 anfangs Probleme mit Shadern: Sie verabschiedete sich beim Start mit einem Segmentation fault. Unter Ubuntu 7.10 genügte es, in der Datei autoexec.cfg das Kommentarzeichen vor der Zeile Resources.shaders = false; zu entfernen. Danach tat Phun ohne zu Murren seinen Dienst. In der neuen Version 3.5 traten die Shader-Probleme nicht mehr auf.

Das im Test eingesetzte OpenSuse 10.3 arbeitete lediglich mit einer Farbtiefe von 16 Bit statt der üblichen 32 Bit. Der Befehl cat /etc/X11/xorg.conf | grep DefaultDepth verrät die momentan eingestellte Farbtiefe Ihres Systems. Steht im Ergebnis eine 16, tragen Sie den Wert mit folgenden Befehlen in eine Datei namens config.cfg ein:

$ cd /verzeichnis/von/phun
$ echo "System.depth = 16" > config.cfg

Weitere Tipps finden Sie in der Datei README.txt. Ansonsten bietet die Phun-Webseite ein hilfreiches Forum [2] sowie neuerdings ein Wiki an. Nebenbei: Phun befindet sich in ständiger Entwicklung. Die hier getesteten Versionen 3.0 und 3.5 könnten beim Erscheinen dieser Ausgabe bereits wieder veraltet sein; allerdings funktionierten die Grundfunktionen bis zum Redaktionsschluss wie beschrieben.

Spielwiese

Nach dem Start der Software sehen Sie die in Abbildung 2 gezeigte Arbeitsfläche – vielleicht wäre der Begriff Spielplatz angebrachter. Zunächst wirkt das Ganze recht unspektakulär. Drücken Sie aber auf den Knopf mit dem grünen Dreieck, purzeln die Buchstaben zur Erde (Abbildung 3), denn die Schwerkraft setzt ein. Mehr geschieht zunächst nicht, aber Sie erhalten einen ersten Eindruck, wie Phun arbeitet.

Es gibt zwei Modi: Den Konstruktionsmodus und den Physikmodus. Im ersten bauen Sie die Umgebung auf und statten die Dinge auf der Arbeitsfläche mit bestimmten Eigenschaften aus. Um in den zweiten Zustand zu gelangen, klicken Sie auf das grüne Dreieck. Die Schwerkraft setzt ein und die Dinge bewegen sich in etwa so, wie sie es unter natürlichen Bedingungen tun würden. Drücken Sie den Knopf erneut, landen Sie wieder im Konstruktionsmodus.

Abbildung 2: Direkt nach dem Start wirkt Phun recht unspektakulär.
Abbildung 3: Drücken Sie auf das kleine grüne Dreieck, setzt die Schwerkraft ein, und die Buchstaben fallen in sich zusammen.

Die Menüs verschwinden beim Benutzen von Phun nicht von selbst. Sie können aber jedes einzelne schließen. Phun spricht zunächst nur Englisch. Über File | Change Language | Deutsch betreiben Sie die Engine in deutscher Sprache. In den Vollbildmodus gelangen Sie über Datei | Vollbild. Der Regler Zoom im Hauptmenü holt die Teilchenwelt an das Auge des Betrachters heran und entfernt sie wieder.

Die einzelnen Konstruktionen heißen in Phun Szenen. Um eine Konstruktion für die Nachwelt zu bewahren, klicken Sie auf Datei | Szene speichern. Über Szene laden erreichen Sie eine Reihe von Demos, die Phun in Aktion zeigen – Sie kennen das Prinzip, wenn Sie einmal den Film Matrix gesehen haben. Laden Sie etwa carcrash und drücken den grünen Abspielbutton, so bewegen sich verschiedene Figuren, fahren krauchend und eiernd aufeinander zu und verursachen schließlich ein Verkehrschaos (Abbildung 4). Echtes Jenga-Feeling bringt stacking mit: Ein hoher Turm aus Bauklötzen schwankt in der künstlichen Atmosphäre.

Abbildung 4: Bringen Sie die Ketten und Gewichte geschickt an den einzelnen Figuren an, bewegen diese sich von ganz allein. Hier kollidieren mehrere Vehikel.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • Phuntastisch
    Phun beweist, dass Physik auch sehr viel Spaß machen kann: Die Physiksimulation überzeugt zwar nicht gerade mit bestechender Grafik, dafür aber umso mehr mit dem Phun-Faktor.
  • K wie KDE und Komfort
    Um KDE 4 zu steuern, stellt der neue Desktop wie bei KDE 3 die Kontrollleiste und das K-Menü bereit. Unterschiede zum Vorgänger in der Bedienung und Konfiguration gibt es dennoch, da KDE 4 mit Plasmoiden arbeitet.
  • freiesMagazin 04/08 erschienen
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 08/2015: Cloud-Speicher

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Grammatikprüfung in LibreOffice nachrüsten
Grammatikprüfung in LibreOffice nachrüsten
Tim Schürmann, 24.04.2015 19:36, 0 Kommentare

LibreOffice kommt zwar mit einer deutschen Rechtschreibprüfung und einem guten Thesaurus, eine Grammatikprüfung fehlt jedoch. In ältere 32-Bit-Versionen ...

Aktuelle Fragen

Empfehlung gesucht Welche Dist als Wirt für VM ?
Roland Fischer, 31.07.2015 20:53, 0 Antworten
Wer kann mir Empfehlungen geben welche Distribution gut geeignet ist als Wirt für eine VM für Win...
Plugins bei OPERA - Linux Mint 17.1
Christoph-J. Walter, 23.07.2015 08:32, 2 Antworten
Beim Versuch Video-Sequenzen an zu schauen kommt die Meldung -Plug-ins und Shockwave abgestürzt-....
Wird Windows 10 update/upgrade mein Grub zerstören ?
daniel s, 22.07.2015 08:31, 5 Antworten
oder rührt Windows den Bootloader nicht an? das ist auch alles was Google mir nicht beantw...
Z FUER Y UND ANDERE EINGABEFEHLER AUF DER TASTATUR
heide marie voigt, 10.07.2015 13:53, 2 Antworten
BISHER konnte ich fehlerfrei schreiben ... nun ist einiges drucheinander geraten ... ich war bei...
PCLinuxOS lässt sich nicht installieren
Arth Lübkemann, 09.07.2015 18:53, 6 Antworten
Hallo Leute, ich versuche seit geraumer Zeit das aktuelle PCLinuxOS KDE per USB Stick zu insta...