Erster Start

Nach dem Bootvorgang richten Sie noch ein Benutzerkonto ein und bestätigen die Lizenzbedingungen. Noch einmal dürfen Sie an den Einstellungen zur Uhrzeit und Zeitzone schrauben und sich gegebenenfalls mit einem Fedora-eigenen NTP-Server verbinden. Optional senden Sie noch Ihr Hardware-Profil über den Profiler Smolt an das Fedora-Projekt, das es anonym speichert und dazu nutzt, die Hardware-Unterstützung der Distribution zu verbessern.

Als Ergebnis der Standardinstallation begrüßt Sie anschließend ein aufgeräumter Gnome-Desktop (Abbildung 3). Die anfängliche Softwareausstattung bietet für die alltäglichen Aufgabenbereiche Internet, Büro, Bildbearbeitung/Fotoverwaltung und Multimediales inklusive ein paar kleinerer Spiele ausreichend Anwendungen.

Abbildung 3: Auf den ersten Blick bleibt Fedora bei einem aufgeräumten Gnome-Standarddesktop.

Die Entwickler bereiteten den Home-Ordner zwar mit diversen Unterordnern für Dokumente, Bilder, Videos etc. vor, versäumten aber deren Integration in die Softwarelandschaft: Lediglich Firefox speichert Downloads in den dafür vorgesehenen Ordner (Abbildung 4).

Abbildung 4: Die Detailliebe täuscht: Die Software greift nur im seltensten Fall voreingestellt auf einen der angelegten Unterordner zu.

Negativ fällt immer noch die schlampige Lokalisierung der gesamten Distribution auf. Von einem so großen Projekt wie Fedora, als Grundlage für Red Hats kommerzielle Produkte, erwartet der Anwender eine durchgehend qualitativ gute Übersetzung der Softwarekomponenten in seine Muttersprache. Beim KDE-Desktop fehlt trotz richtiger Sprachauswahl im Installer gleich jegliche Lokalisierung. Sie müssen diese über die Paketverwaltung nachinstallieren.

Innere Werte

Beim ersten Überfliegen der einzelnen Softwarekomponenten fällt auf: Fedora setzt, wie auch früher, auf äußerst aktuelle Programmversionen. Diesmal befinden sich einige besonderes wichtige und heikle Programme gar noch im Beta-Status. So liefert das Projekt als Standardbrowser die unfertige Beta5 des Firefox 3 aus. Zwar arbeitete die Software klaglos und absturzfrei, doch bleiben im Bereich Internetsicherheit bei einer Beta-Version immer Bauchschmerzen zurück. Außerdem arbeiten beileibe noch nicht alle Extensions mit dem neuen Firefox 3 zusammen. Wer eine solche Erweiterung nun vermisst, der muss händisch auf den Vorgänger downgraden.

Weil fast alle Browser-Plugins proprietärer Natur sind, liefert Fedora an dieser Stelle Open-Source-Ersatz: Noch in der Werwolf-Version Fedora 8 gerade frisch eingeführt, weicht IcedTea nun dem OpenJDK. Auf lange Sicht sollen beide Projekte ohnehin miteinander verschmelzen. Außerdem nahm Sun Microsystems einige Restriktionen von seinem Java, was den Ausbau von OpenJDK erlaubte.

Auch den Flash Player von Adobe sucht der Anwender vergebens. An seine Stelle tritt das Programm swfdec. Die von Windows bekannten und auch unter Linux verfügbaren Alltagstools Real Player und Acrobat Reader gelten in der Fedora-Welt als "rote Tücher". Allerdings installieren Anwender, die Fedoras Quelloffenheit nicht ganz so eng sehen, diese Programme problemlos nach.

Noch aktueller wollten die Entwickler anscheinend bei der verwendeten X-Umgebung dastehen: Der X-Server 1.4.99 (Vorabversion des 1.5) aus X.org 7.4 ist so neu, dass es noch keine aktuellen Treiber seitens der beiden großen Grafikkartenhersteller Nvidia und ATI gibt. Alle bisherigen Treiberversionen versagen den Dienst. Die verwendeten Open-Source-Treiber (wie etwa der radeon-Treiber) machten aber keinen Ärger und versahen Ihren Dienst zumindest auf der im Test benutzten ATI-Karte zufriedenstellend. Sehr sinnvoll erscheint der Griff zu dem noch als Vorabversion geltenden X-Server 1.5, unter dem Gesichtspunkt der fehlenden Treiber allerdings nicht.

Dem Networkmanager, der standardmäßig die Verwaltung des Netzwerkanbindung übernimmt, spendierten die Entwickler zwei neue Programmreiter. Der eine richtet eine PPP-Verbindung für GSM und UMTS ein. Der andere bietet eine Eingabemaske für die DSL-Daten, falls Ihr Rechner nicht den Umweg über einen Router nutzt, sondern direkt mit der DSL-Hardware zusammenarbeitet (Abbildung 5).

Abbildung 5: Den Networkmanager bereicherten die Entwickler um die Programmteile zum Einrichten einer Verbindung über GSM, UMTS oder DSL.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • Akademisch
    Red Hats Basis, das Fedora-Projekt, veröffentlicht die zehnte Version des auf Aktualität und neueste Technologien zielenden Betriebssystems. Wir haben für Sie getestet, ob sich ein Umstieg lohnt.
  • Fedora Core 6 im Test
    Vor kurzem erblickte Fedora Core 6 (Codename: "Zod") das Licht der Welt. LinuxUser hat die aktuelle Version der von Red Hat geförderten Community-Distribution unter die Lupe genommen.
  • Im Zeichen des Löwen
    Nach gut sechs Monaten Entwicklungszeit lässt nun auch das Fedora-Projekt wieder neueste Linux-Technologien in seine Distribution einfließen. Wir haben uns angeschaut, wie nützlich die Features für den Anwender wirklich sind.
  • Der Werwolf im Mondschein
    Mit dem, für große Linuxdistributoren zwanghaft gewordenen Halbjahres-Release-Karussell, gibt es nun auch bei Red Hat den neuesten Open-Source-Sprössling zu bewundern: Fedora Core 8, Codename Werewolf. Wir zeigen Ihnen, ob der Wolf Zähne hat und ob ein Upgrade auf Fedora 8 lohnt.
  • Tipps und Tricks zu Fedora Core 6
    Gewußt wie: Beuen Sie Fedora Core 6 mit Paketen aus den besten Quellen weiter aus und nutzen Sie den 3D-Desktop auch unter KDE oder XFCE.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 01/2015: E-Books im Griff

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Ubuntu 14.10 und VirtualBox
Ubuntu 14.10 und VirtualBox
Tim Schürmann, 08.11.2014 18:45, 0 Kommentare

Wer Ubuntu 14.10 in einer virtuellen Maschine unter VirtualBox startet, der landet unter Umständen in einem Fenster mit Grafikmüll. Zu einem korrekt ...

Aktuelle Fragen

PCLinuxOS Version 2014.08 "FullMonty" Umstellung auf deutsch
Karl-Heinz Welz, 19.12.2014 09:55, 3 Antworten
Hallo, liebe Community, ich bin 63 Jahre alt und möchte jetzt nach Jahrzehnten Windows zu Linux...
ICEauthority
Thomas Mann, 17.12.2014 14:49, 2 Antworten
Fehlermeldung beim Start von Linux Mint: Could not update ICEauthority file / home/user/.ICEauth...
Linux einrichten
Sigrid Bölke, 10.12.2014 10:46, 5 Antworten
Hallo, liebe Community, bin hier ganz neu,also entschuldigt,wenn ich hier falsch bin. Mein Prob...
Externe USB-Festplatte mit Ext4 formatiert, USB-Stick wird nicht mehr eingebunden
Wimpy *, 02.12.2014 16:31, 0 Antworten
Hallo, ich habe die externe USB-FP, die nur für Daten-Backup benutzt wird, mit dem YaST-Partition...
Steuern mit Linux
Siegfried Markner, 01.12.2014 11:56, 2 Antworten
Welches Linux eignet sich am besten für Steuerungen.