Bleeding Edge
Fedora 9 "Sulphur" im Test
Erster Start
Nach dem Bootvorgang richten Sie noch ein Benutzerkonto ein und bestätigen die Lizenzbedingungen. Noch einmal dürfen Sie an den Einstellungen zur Uhrzeit und Zeitzone schrauben und sich gegebenenfalls mit einem Fedora-eigenen NTP-Server verbinden. Optional senden Sie noch Ihr Hardware-Profil über den Profiler Smolt an das Fedora-Projekt, das es anonym speichert und dazu nutzt, die Hardware-Unterstützung der Distribution zu verbessern.
Als Ergebnis der Standardinstallation begrüßt Sie anschließend ein aufgeräumter Gnome-Desktop (Abbildung 3). Die anfängliche Softwareausstattung bietet für die alltäglichen Aufgabenbereiche Internet, Büro, Bildbearbeitung/Fotoverwaltung und Multimediales inklusive ein paar kleinerer Spiele ausreichend Anwendungen.
Die Entwickler bereiteten den Home-Ordner zwar mit diversen Unterordnern für Dokumente, Bilder, Videos etc. vor, versäumten aber deren Integration in die Softwarelandschaft: Lediglich Firefox speichert Downloads in den dafür vorgesehenen Ordner (Abbildung 4).
Negativ fällt immer noch die schlampige Lokalisierung der gesamten Distribution auf. Von einem so großen Projekt wie Fedora, als Grundlage für Red Hats kommerzielle Produkte, erwartet der Anwender eine durchgehend qualitativ gute Übersetzung der Softwarekomponenten in seine Muttersprache. Beim KDE-Desktop fehlt trotz richtiger Sprachauswahl im Installer gleich jegliche Lokalisierung. Sie müssen diese über die Paketverwaltung nachinstallieren.
Innere Werte
Beim ersten Überfliegen der einzelnen Softwarekomponenten fällt auf: Fedora setzt, wie auch früher, auf äußerst aktuelle Programmversionen. Diesmal befinden sich einige besonderes wichtige und heikle Programme gar noch im Beta-Status. So liefert das Projekt als Standardbrowser die unfertige Beta5 des Firefox 3 aus. Zwar arbeitete die Software klaglos und absturzfrei, doch bleiben im Bereich Internetsicherheit bei einer Beta-Version immer Bauchschmerzen zurück. Außerdem arbeiten beileibe noch nicht alle Extensions mit dem neuen Firefox 3 zusammen. Wer eine solche Erweiterung nun vermisst, der muss händisch auf den Vorgänger downgraden.
Weil fast alle Browser-Plugins proprietärer Natur sind, liefert Fedora an dieser Stelle Open-Source-Ersatz: Noch in der Werwolf-Version Fedora 8 gerade frisch eingeführt, weicht IcedTea nun dem OpenJDK. Auf lange Sicht sollen beide Projekte ohnehin miteinander verschmelzen. Außerdem nahm Sun Microsystems einige Restriktionen von seinem Java, was den Ausbau von OpenJDK erlaubte.
Auch den Flash Player von Adobe sucht der Anwender vergebens. An seine Stelle tritt das Programm swfdec. Die von Windows bekannten und auch unter Linux verfügbaren Alltagstools Real Player und Acrobat Reader gelten in der Fedora-Welt als "rote Tücher". Allerdings installieren Anwender, die Fedoras Quelloffenheit nicht ganz so eng sehen, diese Programme problemlos nach.
Noch aktueller wollten die Entwickler anscheinend bei der verwendeten X-Umgebung dastehen: Der X-Server 1.4.99 (Vorabversion des 1.5) aus X.org 7.4 ist so neu, dass es noch keine aktuellen Treiber seitens der beiden großen Grafikkartenhersteller Nvidia und ATI gibt. Alle bisherigen Treiberversionen versagen den Dienst. Die verwendeten Open-Source-Treiber (wie etwa der radeon-Treiber) machten aber keinen Ärger und versahen Ihren Dienst zumindest auf der im Test benutzten ATI-Karte zufriedenstellend. Sehr sinnvoll erscheint der Griff zu dem noch als Vorabversion geltenden X-Server 1.5, unter dem Gesichtspunkt der fehlenden Treiber allerdings nicht.
Dem Networkmanager, der standardmäßig die Verwaltung des Netzwerkanbindung übernimmt, spendierten die Entwickler zwei neue Programmreiter. Der eine richtet eine PPP-Verbindung für GSM und UMTS ein. Der andere bietet eine Eingabemaske für die DSL-Daten, falls Ihr Rechner nicht den Umweg über einen Router nutzt, sondern direkt mit der DSL-Hardware zusammenarbeitet (Abbildung 5).



