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Bleeding Edge

Fedora 9 "Sulphur" im Test

01.07.2008 Auch beim jüngsten Spross seiner Distribution setzt das Fedora-Team wieder auf topaktuelle Software. Gelingt die Gratwanderung zwischen Aktualität und Stabilität?

Nach einem halben Jahr Entwicklungszeit und laut Roadmap fast pünktlich liefert das durch Red Hat unterstützte freie Fedora-Projekt [1] die Version 9 seiner Distribution aus. Das Projekt selbst bezeichnet seinen Spross nicht als Linux-Distribution, sondern als ein "auf Linux basierendes Betriebssystem, das die neueste freie und Open-Source-Software enthält". Fedora-üblich setzt die Community rund um das Projekt eher auf eine hohe Aktualität der mitgelieferten Software und verzichtet gänzlich auf proprietäre und kommerzielle Bestandteile.

Dabei erhalten die Schöpfungen ähnlich markige Codenamen, wie die Ubuntu-Anwender das schon kennen. So erwartet Sie nach den mystischen Ausflügen zu Mondschein ("Moonshine") und Werwolf ("Werewolf") nun die Schwefel-Version ("Sulphur"). Zum Aktualisieren oder einfach nur Beschnuppern finden Sie die aktuelle DVD-Ausgabe in der i386-Variante mit über 3 GByte Software auf unserer Heft-DVD. Möchten Sie eine andere Version nutzen oder wollen Fedora 9 auf einem alternativen Weg installieren, bietet Ihnen der Kasten "Fedora-Medien" die nötigen Informationen.

Fedora-Medien

Das Fedora-Projekt bietet neben der auf unserer Heft-DVD befindlichen, ca. 3,3 GByte großen DVD-Version auch eine Ausgabe auf sechs CDs sowie einen 114 MByte großen Net-Installer an. Letzterer bootet nur ein minimales Grundsystem und baut dieses durch eine Installation aus den Onlinequellen der Fedora-Community aus.

Diese drei Installationswege unterstützen die Architekturen i386 (32 Bit), x86_64 (64 Bit) und ppc (PowerPC). Nur für i386 und x86_64 bietet Fedora auch installierbare Live-Medien an. Hier unterscheidet das Projekt nach der favorisierten Benutzeroberfläche: Hinter der CD Fedora Desktop Live verbirgt sich der standardisierte Gnome-Desktop. Fedora KDE Live setzt auf das aktuelle KDE-Release 4.0.3. Die 64-bittigen Pendants passen nicht mehr auf eine CD, Sie müssen sie daher als DVD-Image herunterladen. Über ein Script installieren Sie diese Live-Versionen auch auf einen bootbaren USB-Stick.

Eine Übersicht mit Links auf Spiegelserver und in das Bittorrent-Netzwerk liefert die Downloadseite [2] des Projekts.

Schnelle Schlange

Die Anaconda gilt in der freien Wildbahn nicht eben als schnellstes Reptil ihrer Gattung. Der gleichnamige Installer jedoch richtet Fedora 9 flott und benutzerfreundlich auf der Platte ein. Der Bootscreen bietet für sparsame Menschen auch einen textbasierten Installationroutine an. Alle anderen quittieren einfach durch einen Druck auf [Eingabe] und starten so den grafischen Installer Anaconda, Der schon die Vorgänger-Versionen sicher auf die heimische Festplatte bannte.

Es folgt der übliche Fragenkatalog zu Lokalisierung und Tastaturlayout, gefolgt von der Eingabe der Netzwerkdaten. In den meisten Fällen handelt es sich hier um die im DSL-Router eingerichteten Daten. Warum der folgende Dialog zum Einrichten der Zeitzone nicht standesgemäß der Lokalisierung folgt, bleibt ungewiss. Nach der Eingabe des Root-Passworts folgt das Tool zum Einrichten der Festplatte.

Anwender mit zwei Festplatten im Rechner oder gar leeren Datenträgern setzen als einzige Aktion lediglich ein Häkchen vor den Eintrag der Platte, die der Installer verwenden soll. Befindet sich bereits ein System (zum Beispiel eine oder mehrere Linux- und Windows-Partitionen) auf dem Computer, wählen Sie Bestehende Paritionen in der Größe ändern und Standard-Layout im freien Bereich erstellen.. Der etwas sperrig geratenen Menüpunkt meint mit "Paritionen" freilich Partitionen, lässt aber dafür keine Fragen offen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der Hang zu Menü-Einträgen in ganzen Sätzen ersetzt im Partitionierungstool ergänzende Hilfetexte.

Sofern Sie sich das zutrauen, optimieren sie nach Auswahl des Menüpunkts Maßgeschneidertes Layout erstellen. die Verteilung des Systems auf verschiedene Partitionen. Als erste augenscheinliche Neuerung fällt hier die Möglichkeit auf, dass Dateisystem zu verschlüsseln. Standardisiert richtet Fedora eine Swap-, eine Boot und eine Root-Partition ein, wobei es letztere mit Ext3 formatiert. ReiserFS bietet das System nicht an. Experimentierfreudige Anwender dürfen sich auf das noch in der Entwicklung befindliche Dateisystem Ext4 freuen: Die Programmierer schalteten es im Kernel bereits frei. Wie Sie Ext4 nutzen, klärt ein leider nur englischsprachiger Eintrag im Fedora-Wiki [3].

Neben der Sicherheit, ein verschlüsseltes Dateisystem aufzubauen, bietet Anaconda nach dem Partitionieren auch noch die Sicherheit eines Bootmanager-Passworts. Soll Grub nicht in den MBR der ersten Platte geschrieben werden, so ändern Sie dies nun und gehen weiter zur Softwareauswahl.

Breite Auswahl

Der Installer Anaconda bietet Ihnen vorkonfigurierte Softwarepakete in den Themengruppen Büro und Produktivität, Softwareentwicklung und Webserver an. Wollen Sie die Auswahl bereits jetzt ändern, aktivieren Sie den Punkt Jetzt anpassen, bevor Sie mit der Installation fortfahren. Überspringen Sie diesen Punkt, dann erhalten Sie den Fedora-Standarddesktop Gnome mit den wichtigsten Applikationen zum Arbeitsstart zu Hause oder im Büro.

Die Software-Auswahl lässt sich bei Bedarf bis ins kleinste Detail steuern. Links sehen Sie das Themengebiet, rechts die zugehörigen Paketgruppen. Wollen Sie einzelne Pakete entfernen oder nachinstallieren, klicken Sie auf den Schalter Optionale Pakete. Möchten Sie beispielsweise den KDE-Desktop (Abbildung 2) verwenden, mögen aber die PIM-Suite Kontact nicht, dann wählen Sie unter Desktopumgebungen den KDE-Desktop aus und öffnen im Bereich Anwendungen mit dem Schalter Optionale Pakete die Paketgruppe Grafische Internetprogramme. Dort aktivieren Sie einfach Ihre Alternativlösung (etwa Evolution) und wählen das Paket kdepim-3.5.9 ab.

Abbildung 2: Der KDE-Desktop setzt bis auf einige noch nicht portierte Bestandteile auf KDE 4.0.3.

Zur Auswahl steht neben den beiden großen Desktopumgebungen KDE und Gnome auch das schlankere und schnellere XFCE, das sich als Alternative immer größerer Beliebtheit erfreut. Einen Überblick über die wichtigsten Systemeigenschaften und Softwareversionen bietet die Tabelle "Fedora 9 im Überblick".

Fedora 9 im Überblick

Systemsoftware

Kernel 2.6.25
Glibc 2.8
GCC 4.3
X.org 7.4/1.5
Gnome 2.22.1
KDE 4.0.3

Wichtige Anwendungen

Büro OpenOffice 2.4
Browser Firefox 3.0Beta
Java OpenJDK 1.6.0
Flash Swfdec
Codecs Codeina (Fluendo)
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Infos zum Autor

Mirko Albrecht

Mirko Albrecht schreibt seit Ende 2004 regelmäßig Beiträge für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Wenn er nicht gerade eine neue Distribution ausprobiert, spielt er gern Schach oder fotografiert die Welt.
Seine Rechner werden meist von Xubuntu oder Opensuse bevölkert.


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LinuxUser 03/2012

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