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20 aktuelle WLAN-Adapter im Test

01.07.2008
Hersteller aktueller WLAN-Produkte versprechen traumhafte Übertragungsraten von bis zu 300 MBit/s. In der Realität fällt die Geschwindigkeiten deutlich geringer aus.

LinuxUser hat 20 aktuelle WLAN-Adapter auf ihre Linux-Tauglichkeit hin getestet. Im Vergleich zum letzten großen WLAN-Test [1] fällt auf, dass seither viele Treiber seither den Weg in den Kernel gefunden haben. Aktuelle Distributionen unterstützen vor allem Geräte mit Ralink-Chipsatz sehr gut. Von den getesteten Adaptern (siehe Tabelle "Das Testfeld") arbeiten fast alle direkt mit Linux zusammen. Nur drei Geräte benötigen zwingend den Windows-Treiber, um unter Linux zu funken. Dieser Artikel stellt Ihnen die einzelnen Geräte vor und hilft – wo nötig – bei der Treibersuche.

Kurze Basics

Ob Linux Ihre WLAN-Hardware erkannt hat, zeigt die Ausgabe des Befehls iwconfig mit Administratorrechten in einem Terminal. Nach Funknetzen suchen Sie mit iwlist Gerätename scan, zum Beispiel iwlist wlan0 scan. Die meisten Ralink-Geräte müssen Sie dazu mit ifconfig Gerätename up zunächst aktivieren. Ob die passende Firmware vorhanden ist, überprüfen Sie entweder mit einem Blick in das Verzeichnis /lib/firmware (unter Ubuntu /lib/firmware/Kernelversion) oder über die Ausgabe von dmesg | grep Firmware.

Müssen Sie einen Treiber von Hand installieren, benötigen Sie dazu die zum Kernel passenden Header-Dateien oder die kompletten Kernelquellen sowie die grundlegenden Entwicklerwerkzeuge make und gcc. Der Artikel erklärt im Folgenden, wie Sie die getesteten Adapter in Betrieb nehmen und, wo nötig, wie das WPA-Setup funktioniert. Eine WEP-Verschlüsselung herzustellen, sollte bei allen Geräten problemlos funktionieren.

Ralink immer besser

Möchten Sie einen WLAN-Adapter mit Support für den schnellen Standard 802.11n, dann kaufen Sie am besten eines der vorgestellten Geräte mit dem Ralink-Chipsatz RT2870 (USB-Adapter) oder RT2860 (PCI- und Cardbus-Hardware). Diese Chipsätze unterstützt der Kernel zwar nicht von Haus aus, Sie finden aber auf der Ralink-Homepage entsprechende Linux-Treiber [2]. Die Installationsanleitung von Ralink ist etwas kompliziert, das Paket WebUI für die PCI- und Cardbus-Karten bringt zudem noch den WPA-Supplicant im Quellcode sowie einige WPA-Tools mit.

Halten Sie sich am besten nicht an die Anleitung, sondern führen Sie nach dem Entpacken des Tarballs (wir benutzten 2008_0325_RT2860_Linux_STA_v1.6.1.0.tar.bz2) ganz normal make und make install aus. Beim nächsten Start lädt der Kernel automatisch das Modul rt2860sta.ko, und iwconfig zeigt das Interface ra0 an (Abbildung 1). Ohne Neustart laden Sie das Modul über den Befehl modprobe rt2860sta.

Bevor Sie nach Funknetzen suchen können, müssen Sie das Interface zunächst mit dem Befehl ifconfig ra0 up aktivieren. Die Karte liest dabei Informationen wie den Netzwerktyp, den Access Point und die Verschlüsselungsmethode aus der Konfigurationsdatei RT2860STA.dat ein, die zum Quellcode des Treibers gehört und sich nach der Installation im Verzeichnis /etc/Wireless/RT2680STA/ befindet. Sämtliche Parameter in der Konfigurationsdatei lassen sich mit den entsprechenden der Kommandos iwconfig und iwpriv überschreiben. Änderungen daran sind somit nicht zwingend nötig.

Abbildung 1: Mit dem Ralink-eigenen Treiber müssen Sie die Schnittstelle zunächst aktivieren.

Haben Sie den Treiber wie beschrieben kompiliert, unterstützt dieser den WPA-Helfer wpa_supplicant nicht. Eine WPA-Verschlüsselung stellen Sie über verschiedene iwpriv-Befehle ein. Details und Beispiele finden Sie in der Datei iwpriv_usage.txt im Quellcode. Ein Beispielskript mit einem einfachen WPA1-Setup, das unter Kubuntu 8.04 mit einer RT2860-Karte problemlos funktioniert hat, zeigt Listing 1. Achten Sie darauf, zu den Routereinstellungen passende Befehle zu benutzen. Unterstützt Ihr Router zum Beispiel nur WPA2 mit AES, dann gilt es das Skript entsprechend zu ändern. Die Werte für SSID und WPAPSK müssen Sie Ihrer WLAN-Umgebung anpassen. Den 64-stelligen WPA-Schlüssel im Hex-Format erzeugen Sie am besten über den Befehl wpa_passphrase ESSIDPasswort. Danach setzen Sie den Schlüssel per Copy&Paste auf dem Router ein. Zeigt der Router von Haus aus einen Hex-Schlüssel an, funktioniert natürlich auch der umgekehrte Weg. Das Setup des Routers sollten sie immer via Kabel vornehmen, da die WLAN-Verbindung bei der Umstellung auf WEP oder WPA zwangsläufig abbricht.

# ralink-up.sh
iwpriv ra0 set NetworkType=Infra
iwpriv ra0 set AuthMode=WPAPSK
iwpriv ra0 set EncrypType=TKIP
iwpriv ra0 set SSID=linuxuser
iwpriv ra0 set WPAPSK=0b8f65e00d57bebe1406bce72c4a35ddba18b4d10b54d10a95a21daa37d99bbd
iwpriv ra0 set SSID=linuxuser

Möchten Sie für die WPA-Unterstützung den Network-Manager mit wpa_supplicant nutzen, müssen Sie vor dem Kompilieren des Treibers die Datei os/linux/config.mk editieren. Ändern Sie in den Einträgen HAS_WPA_SUPPLICANT=n und HAS_NATIVE_WPA_SUPPLICANT_SUPPORT=n in Zeile 8 und 11 jeweils das =n zu einem =y. Übersetzen und installieren Sie den Treiber neu, sollte der Netzwerkmanager das neue WLAN-Interface automatisch erkennen; Sie können dann WPA über das grafische Frontend einstellen.

Das funktionierte in den Tests allerdings nur unter den neuesten Distributionen Fedora 9, OpenSuse 11 und Ubuntu 8.04. Eine Zwischenlösung besteht darin, den nativen WPA-Support abzuschalten und nur die Variable HAS_WPA_SUPPLICANT auf =y zu setzen: Sie müssen dann zusätzlich das WebUI-Paket von der Ralink-Seite herunterladen und den darin enthaltenen WPA-Supplicant-Quellcode von Hand übersetzen. Im Quellcode befindet sich auch die Konfigurationsdatei wpa_supplicant.conf.ralink. Diese passen Sie Ihrem Netz entsprechend an und starten dann den Supplicanten über:

./wpa_supplicant -Dralink -ira0 -c wpa_supplicant.conf.ralink

Die Ausgabe von iwconfig zeigt danach den Schlüssel an, und Sie können per dhclient ra0 vom Router eine IP-Adresse anfordern.

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