Aufmacher

Videos schneiden mit Kdenlive

Gezielte Einschnitte

Der Untergang des kommerziellen Schnittprogramms MainActor hinterlässt eine Lücke. Wem Cinelerra zu mächtig, Kino aber zu simpel ist, der sollte einen Blick auf Kdenlive werfen.

Der Winterurlaub ist zu Ende, neben dem Rechner warten nun Stunden an Videomaterial auf die Nachbearbeitung. Kdenlive [1] entfernt missglückte Passagen, überbrückt Langeweile mit Effekten oder Überblendungen und erstellt auf Wunsch eine komplette Video-DVD.

Kdenlive liegt vielen Distributionen von Haus aus bei oder versteckt sich in einem Repository. Unter OpenSuse 10.3 wählen Sie in YaST unter Software den Punkt Community Repositories und aktivieren dort das Packman Repository. Jetzt findet eine Suche im gewohnten Paketmanager (Software installieren oder löschen) das Archiv kdenlive. Doch Vorsicht: Dieses OpenSuse-Paket dient nur als Vorschau auf die kommende Version 0.6.0 und verhielt sich in unseren Tests noch recht absturzfreudig. Sie sollten daher Ihr Projekt möglichst häufig zwischenspeichern.

Ubuntu-Besitzer schalten zunächst im Synaptic Paketmanager in den Paketquellen das Universe-Repository hinzu. Nach einem Neu laden taucht nun auch hier die (nur halb übersetzte) Version 0.5 von kdenlive in der Softwareauswahl auf.

In jedem Fall zieht die Installation von Kdenlive einen ganzen Rattenschwanz weiterer Programme und Bibliotheken hinter sich her. Aus diesem Grund sollten sich auch nur Mutige an eine Übersetzung der Quellen wagen: Die Auflösung der verlangten Abhängigkeiten dauert mitunter einen ganzen Abend. Wer es dennoch probieren möchte, findet im Kdenlive-Wiki eine (ziemlich lange) Anleitung [2].

Kein Analog

Kdenlive ist vollständig auf den digitalen Videoschnitt fixiert. Ältere analoge Kameras und die dazugehörigen Steckkarten zur Digitalisierung kennt das Schnittprogramm nicht mehr. Um deren Videos in Kdenlive zumindest zu schneiden, müssen Sie bei der Aufzeichnung zu externen Programmen greifen – oftmals helfen bekannte TV-Programme. Anschließend wandeln Sie die digitalisierten Aufnahmen noch in ein Format, das Kdenlive verdaut: vorzugsweise DV-Video, erlaubt ist aber auch MPEG, Quicktime-Video und WMV. Exotische AVI-Dateien, wie Windows sie mit Vorliebe erstellt, bleiben hingegen außen vor.

Platzmangel

Nach dem ersten Start erscheint das Fenster aus Abbildung 1. Unter Standard Video-Format wählen Sie DV PAL. Für die modernen HDV-Camcorder stehen mehrere Formate bereit, im Zweifelsfall schlagen Sie den verwendeten Modus im Handbuch Ihrer Kamera nach. Die brandneuen AVCHD-Kameras unterstützt Kdenlive leider (noch) nicht. Wählen Sie anschließend Neues Projekt öffnen aus und klicken Sie auf Ok.

Abbildung 1: Beim ersten Start von Kdenlive erscheint diese Abfrage.

Es erscheint nun das recht voluminöse Hauptfenster aus Abbildung 2. Das besteht aus drei Bereichen: Am unteren Rand finden Sie die Zeitleiste – dort arrangieren Sie die Filmschnipsel zu einem Gesamtkunstwerk. Rechts oben gibt es eine Vorschau, während der Bereich links oben das vorhandene Videomaterial, sowie die verfügbaren Effekte und Übergänge verwaltet.

Abbildung 2: Das Hauptfenster von Kdenlive verlangt nach ausreichend großen Monitoren.

Bevor Sie den Schnitt Ihres Urlaubsvideos in Angriff nehmen, wählen Sie aus dem Hauptmenü Projekt | Projekt konfigurieren. Unter Projektverzeichnis tragen Sie einen Ordner ein, den Kdenlive künftig als Arbeitsverzeichnis verwendet. Dort landen beispielsweise alle aufgezeichneten Videos und Zwischenergebnisse. Das Verzeichnis sollte folglich auf einer möglichst großen Festplatte mit viel freiem Speicherplatz liegen. Eine Minute Video im DV-Format belegt etwas über 200 MByte, HDV-Aufnahmen liegen etwa gleich auf.

Unter Video Format wählen Sie erneut den Standard, in dem Ihre Kamera die Bilder aufzeichnet, meist DV PAL. Ein Klick auf Ok führt Sie zum Hauptfenster zurück.

Aufnahme

Bevor Sie den Film schneiden, muss das Rohmaterial von der Kamera auf die Festplatte wandern (siehe Kasten "Filmtransfer"). Diese Aufgabe übernimmt der Reiter Aufnahme-Monitor im rechten oberen Bereich. Bemängelt Kdenlive hier die fehlenden Pakete dvgrab oder ffplay, installieren Sie diese über Synaptic oder YaST nach.

Filmtransfer

Schließen Sie die Kamera via Firewire (auch IEEE1394 oder iLink) an den Rechner an. Einige Camcorder müssen Sie zusätzlich in den Wiedergabemodus versetzen, damit Linux sie erkennt. Klicken Sie dann in Kdenlive auf Check again, woraufhin das Aufnahmemodul die Kamera sucht. Wird es fündig, erscheint eine Vorschau nebst einigen Steuerungstasten. Die funktionieren wie ihre Pendants an einem Video- oder DVD-Rekorder.

Fahren Sie das Band an die Stelle, an der Sie mit dem Überspielen auf die Festplatte beginnen möchten und klicken Sie dann auf den Aufnahmeknopf (den roten Kreis ganz links). Kdenlive kopiert nun alles auf die Festplatte was Sie in der Vorschau sehen. Jede erkannte Szene landet in einer eigenen Datei. Um diese Szenenerkennung abzuschalten, stoppen Sie die Aufnahme und rufen im Hauptmenü Einstellungen | Kdenlive einrichten (oder Settings | Configure Kdenlive) auf. Sie wählen aus der linken Spalte den Punkt Aufnahme und entfernen das Kreuz bei Automatische Szenen-Erkennung.

Halten Sie eine Aufnahme an, erscheint das Fenster aus Abbildung 3. Es präsentiert die gerade auf der Festplatte abgelegten Videoclips. Bei Szenen, die Sie nicht in Ihr Projekt übernehmen wollen, entfernen Sie den Haken in der Spalte Hinzufügen. Alle anderen Szenen kopiert Kdenlive nach einem Klick auf Verarbeite aufgenommene Dateien in das angegebene Arbeitsverzeichnis und kehrt zum Hauptfenster zurück.

Abbildung 3: Nach einer Aufnahme haben Sie die Qual der Wahl: Welche Szenen soll Kdenlive in das Projekt übernehmen?

Alle aufgezeichneten Videoschnipsel finden Sie in der Projekt-Liste im linken oberen Bereich wieder. Über einen Doppelklick vergeben Sie noch einen Kommentar. Wollen Sie fertige Videodateien, die bereits auf der Festplatte liegen, in Ihrem Film verwenden, hängen Sie diese per ProjektClips hinzufügen der Liste an.

Sobald Sie einen der Clips aus der Projekt-Liste anklicken, springt auf der rechten Seite der Clip-Monitor nach vorne. Er liefert eine Vorschau des gewählten Clips. Über die Steuerungstasten starten Sie die Vorschau. Dabei läuft über dem grünen Strich ein hellgraues Dreieck von links nach rechts. Das visualisiert, welche Stelle des Clips Sie gerade sehen.

Nun können die Komposition und der eigentliche Schnitt beginnen. In der Zeitleiste im unteren Teil des Hauptfensters legen Sie dazu die Clips in der Reihenfolge ab, in der sie später im fertigen Film auftauchen sollen.

Um einen Clip in die Zeitleiste zu bekommen, ziehen Sie ihn einfach bei gedrückter Maustaste aus der Projekt-Liste in die Spur 0. Sobald der Mauszeiger über ihr kreist, erscheint das Video als ausgerollter Filmstreifen. Diese Darstellung bietet mehrere Vorteile: So erkennen Sie etwa mit einem Blick auf die Skala der Zeitleiste die Gesamtlänge des fertig geschnittenen Films. Damit die Übersicht nicht leidet, blendet Kdenlive nur jeweils dessen erstes und letztes Bild ein.

Platzieren Sie den Filmstreifen möglichst nah am linken Rand, der zugleich als Startpunkt des späteren Gesamtwerks dient. Dort rastet der Clip automatisch ein.

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