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Programmieren mit mit der Basic-IDE Gambas

01.06.2008
Mit Gambas programmieren Sie schnell und einfach grafische Programme in der Programmiersprache Basic für den Linux-Desktop.

Wer in den Achtziger Jahren einen Heimcomputer sein eigen nannte, der beherrschte meist auch Basic. Die große Beliebtheit setzte sich auf den Windows-PCs fort; unter Linux fand die Sprache nicht so viel Anklang, weil sich hier ungleich mächtigere Alternativen fanden, wie zum Beispiel Perl. Projekten wie HBasic [1] oder WXBasic [2], war trotz guter Ansätze kein langes Leben beschieden. KBasic [3], das ursprünglich startete, um eine Basic-Umgebung für KDE bereit zu stellen, lebt jetzt als kommerzielles Programm für Linux, Mac OS X und Windows weiter. Mit RealBasic steht eine weitere kostenpflichtige Closed-Source-Entwicklungsumgebung zum Entwickeln unter Linux, Windows und Mac OS bereit.

Als letztes freies Programm hat Gambas [4] in den letzten Jahren ständig Fortschritte gemacht und eine ansehnliche Benutzerschar um sich versammelt. Ebenfalls als integrierte Entwicklungsumgebung konzipiert, hilft Gambas beim Erstellen von Programmen samt grafischer Oberfläche. Es erlaubt dabei den Einsatz der Toolkits Gtk+ ([5], Grundlage von Gnome und XFCE) und Qt ([6], Basis von KDE), wobei Gambas derzeit nur Qt 3, nicht aber das aktuelle Qt 4 unterstützt. Die IDE läuft ausschließlich unter Linux, Portierungen auf andere Betriebssysteme stehen bei den Entwicklern zur Zeit nicht auf der Agenda.

Die Entwickler legen großen Wert darauf, dass niemand Gambas als Klon von Microsofts Visual Basic versteht. Gambas unterscheidet sich in einigen Details vom kommerziellen Mitbewerber. Wer jedoch über Vorkenntnisse in Visual Basic verfügt, findet sich in Gambas schnell zurecht, zumal die Dokumentation die Unterschiede zwischen beiden Sprachen erläutert.

Anfang 2008 haben die Developer nach vierjähriger Arbeit Gambas 2.0 fertiggestellt. Seitdem schreitet die Entwicklung in schnellen Schritten voran. Anfang April brachte die Version 2.5.0 eine Reihe von Verbesserungen und Stabilisierungen mit sich. Mittlerweile läuft Gambas nativ auf 64-Bit-Systemen, was mit Version 2.0 noch nicht möglich war. Version 2.5.0 bildet die Grundlage für diesen Artikel (siehe Kasten "Installation").

Installation

Gambas liegt als Quelltextarchiv auf der Sourceforge-Projektseite zum Download bereit. Zahlreiche Helfer steuern fertig gepackte Binärpakete bei, die Sie mit Hilfe des distributionseigenen Paketmanagements installieren [7]. Das System benötigt zum Funktionieren ein ganzes Bündel an Bibliotheken und zusätzlichen Programmen. In der Hilfe zur Installation [8] finden Sie eine Liste der benötigten Programme und eine Anleitung, wie Sie diese unter Ubuntu, Mandriva, OpenSuse und Debian installieren. Dem Auflösen der Abhängigkeiten kommt dabei ein großes Gewicht bei, ansonsten verfügt Gambas nach der Installation nicht über die volle Funktionalität.

Erfüllt das Zielsystem alle Abhängigkeiten, starten Sie das Übersetzen mit dem Befehl ./reconf-all im Gambas-Quelltextverzeichnis. Anschließend geben Sie die Befehlszeile ./configure -C && make && su -c "make install" ein, um das Programm so zu übersetzen und zu installieren.

Der erste Start

Die Oberfläche der Software liegt in verschiedenen Sprachen vor. Die deutsche Übersetzung weist allerdings an einigen Stellen noch Lücken auf, sodass immer wieder englischsprachige Menü-Einträge oder Dialogfenster erscheinen. Nach dem Start präsentiert Gambas einen Dialog, aus dem heraus Sie ein bestehendes Projekt öffnen oder ein neues starten (Abbildung 1). Die zuletzt bearbeiteten Projekte finden Sie in einer Liste auf der rechten Seite des Dialogs.

Abbildung 1: Der Startbildschirm erlaubt die Wahl eines bestehenden oder den Start eines neuen Projektes.

Starten Sie ein neues Projekt, führt Sie ein Assistent in drei Schritten durch die notwendigen Einstellungen dazu (Abbildung 2). Im ersten Schritt wählen Sie die Art des Projekts. Gambas unterstützt das Entwickeln grafischer Programme, wahlweise mit dem Qt- und dem Gtk-Toolkit, Kommandozeilenprogramme und CGI-Anwendungen. Auf Wunsch bindet Gambas gleich die wichtigen Komponenten für den Datenbankzugriff oder das Verarbeiten von Bildern mit ein.

Abbildung 2: Gambas unterstützt Sie mit einem kleinen Assistenten beim Einrichten eines neuen Projektes.

Entscheiden Sie sich für den Projekttyp Graphical application, verwendet Gambas je nach vorhandener Desktopumgebung Qt oder Gtk als Toolkit – es passt sich also perfekt an die Umgebung an. Alle Dateien, Formulare, Quelltextdateien und Grafiken, die zu einem Projekt gehören, landen in einem Verzeichnis, das den gleichen Namen trägt wie das Projekt.

Haben Sie ein Projekt ausgewählt oder erstellt, gelangen Sie zum Hauptfenster, in dem Sie den Programmcode schreiben (Abbildung 3). Am linken Fensterrand befindet sich das Fenster, das alle zu einem Projekt gehörenden Dateien, Quelltexte, Formulare, Icons und andere Grafiken und Klassen anzeigt. Die Dokumente liegen in einer Baumstruktur. Ein Doppelklick auf ein Element öffnet das entsprechende Element im Arbeitsbereich in der Mitte des Programmfensters. Sie blenden die Seitenleiste über Ansicht | Projekt ein.

Abbildung 3: Die Oberfläche von Gambas enthält alle wichtigen Werkzeuge übersichtlich angeordnet.

Unterhalb des Arbeitsbereichs befindet sich das Direktfenster, in dem der Debugger läuft und in dem Sie Haltepunkte verwalten. Auf der rechten Seite des Programmfensters sehen Sie oben das Eigenschaftenfenster, in dem Sie die Eigenschaften es gewählten Oberflächenobjektes konfigurieren. Darunter befindet sich die Werkzeugsammlung, in der die Steuerelemente zum Gestalten von grafischen Oberflächen liegen.

Der Quelltexteditor von Gambas verfügt über die für diese Art von Programmen übliche Funktionalität. Syntax-Highlighting ist ebenso selbstverständlich wie das Ein- und Ausfalten von Codeblöcken und das automatische Vervollständigen von Befehlen. Per Mausklick kommentieren Sie so beispielsweise komplette Abschnitte aus. Wie von anderen Editoren gewohnt, erlaubt es die Software, das Editorfenster horizontal oder vertikal zu teilen.

Der Formulareditor bietet die üblichen Steuerelemente, die Sie mit Hilfe eines Rasters genau auf der Oberfläche eines Formulars platzieren. Beim Gestalten von Menüs hilft ein entsprechender Editor, den Sie über den Befehl Menüeditor... aus dem Kontextmenü eines Formulars oder über [Strg]+[E] aufrufen (Abbildung 4). Mit diesem bearbeiten Sie bequem alle Elemente der Menüstruktur, verschieben die Elemente beliebig oder verschachteln sie. Auch die Definition von Tastenkürzeln gelingt so im Handumdrehen.

Abbildung 4: Ein Menüeditor hilft Ihnen dabei, umfangreiche Menüstrukturen mit wenigen Mausklicks zu erstellen inklusive dem Zuweisen von Tastenkürzeln.

Steuerelemente

Je nach gewähltem Toolkit enthält die Werkzeugbox unterschiedlich viele Steuerelemente. Die üblichen Verdächtigen, wie Textfelder, Beschriftungsfelder, Auswahl- und Listenfelder sowie Buttons aller Art, finden Sie ebenso vordefiniert wie Bild- und Videofeld zum Darstellen von entsprechenden Inhalten. Fertige Dialoge zur Auswahl von Datum und Zeit, Farben, Verzeichnissen, Dateien und Schriftarten komplettieren die Werkzeugbox.

Ein Steuerelement zur Ausgabe von HTML-Dateien ermöglicht es, mit wenigen Mausklicks einen kleinen Browser beispielsweise für HTML-Hilfeseiten zu erstellen (Abbildung 5). Ein solches Programm liegt Gambas auch als Beispielprojekt bei und bietet sich als Grundlage für eigene Projekte an.

Abbildung 5: Einen einfachen HTML-Browser haben Sie mit Gambas in kurzer Zeit erstellt.

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