Neues rund um Linux

15.01.2009

Kernel 2.6.25 besteht auf GPL-Treiber

Mit leichter Verzögerung hat Linus Torvalds Mitte April den neuen Kernel 2.6.25 freigegeben. Er steht wie üblich als Patch oder als vollständiges Quellpaket via http://eu.kernel.org bereit.

Linux 2.6.25 bringt Verbesserungen am Scheduler CFS und viele neue Treiber, sperrt aber auch USB-Treiber aus, die nicht unter der GPL stehen. Realisiert wird das über ein Flag im USB-Kernel-Treiber namens EXPORT_SYMBOL_GPL, das zwingend benötigte Schnittstellen nur bei Vorhandensein exportiert. Damit sollen nur noch unter GPL oder einer kompatiblen Lizenz stehende USB-Treiber Eingang ins System finden. Ein solcher Patch war schon früher im Kernel enthalten, wurde aber zugunsten besserer Hardware-Unterstützung entfernt.

Sehr viele Verbesserungen gibt es für den noch recht jungen WLAN-Stack Mac80211: Darunter befindet sich der neue Treiber ath5k für Atheros-WLAN-Chips, der den Madwifi-Treiber ablöst. Mit rtl8180 unterstützt Linux jetzt die WLAN-Chips RTL8180 und RTL8185 von Realtek. Der Support für "Draft-N"-Chipsets gilt nun nicht mehr als experimentell. Weitere neue Treiber flossen in das Netzwerk- und das Audio-Subsystem ein.

Der Completely Fair Scheduler CFS wurde in Hinblick auf Realtime-Umgebungen optimiert. Mit Smack gibt es ein neues Sicherheitsframework, das gegenüber SELinux die Handhabung erleichtern soll. Das weiter verbesserte neue Dateisystem Ext4 gilt nach wie vor als noch nicht für den produktiven Einsatz geeignet. Es bringt unter anderem Unterstützung für große Dateien und Filesysteme sowie Prüfsummen für das Journal mit.

Terratec bringt DVB-T auf den EeePC

Gerade rechtzeitig zur Fußball-EM bringt Terratec (http://www.terratec.net/de/) jetzt mit dem Cinergy Hybrid T USB XS FM digitales TV auf den ultramobilen EeePC von Asus, aber auch andere Linux-PCs. Neben DVB-T empfängt der USB-2.0-Stick auch analoge Programme und UKW-Radio. Daneben bietet er Eingänge für analoge Video- und Audiosignale (S-Video, Composite, Stereo-Audio), über die Sie analoge Videos von Camcordern und Videorekordern auf Ihren Rechner importieren.

Zum Lieferumfang des Cinergy Hybrid T USB XS FM zählen ein USB-Verlängerungskabel, eine Kabelpeitsche mit Video- und Audioeingang, eine Stabantenne mit Magnetfuß sowie eine Infrarot-Fernbedienung; für das Paket wandern 99,90 Euro über den Ladentisch. Den Treiber für Linux müssen Sie über die Terratec-Website herunterladen, er findet sich etwas versteckt unter dem Menüpunkt TV | TV unter Linux.

In einem ersten Test für unsere Foren-Website Linux-Community ließ sich der Cinergy Hybrid T USB XS FM binnen 15 Minuten einrichten und lieferte via Kaffeine ein perfektes Fernsehbild (http://www.linux-community.de/Neues/story?storyid=25449). Das Radio steuert GQradio, für das analoge TV-Vergnügen zieht das Installerskript des Treibers TVtime aus dem Netz. Auch die Fernbedienung funktioniert halbwegs, zumindest bei den wichtigsten Funktionen.

Einen detaillierten Artikel zum Setup des DVB-T-Sticks und der Fernbedienung auf dem EeePC und anderen Linux-Rechnern finden Sie in der nächsten Ausgabe von LinuxUser.

Der Cinergy Hybrid T USB XS FM von Terratec bringt alles mit, was man für das analoge und digitale Fernsehvergnügen auf einem Linux-Rechner braucht.

Transtec modernisiert Senyo-Mini-PC

Die Tübinger Firma Transtec (http://www.transtec.de) hat ihren Mini-PC Senyo aktualisiert: Der neue Desktop-Zwerg wartet mit der aktuellen Mobil-Plattform Santa Rosa von Intel und mit besserer Ausstattung auf. Den Senyo 610 gibt als einfachere Variante mit Intel Celeron 530M (1,7 GHz, 533 MHz FSB) oder als Performance-Version mit Intel Core2 Duo T8100 (2,1 GHz, 800 MHz FSB) mit bis zu 4 GByte DDR2-SDRAM.

Im Gegensatz zum Vorgänger Senyo 600 (http://www.linux-user.de/ausgabe/2007/04/090-mini-pcs/) spendierte Transtec dem Senyo 610 Zugriff auf 256 statt bisher 128 MByte gemeinsamen Videospeicher über die Intel-GMA-X3100-Onboard-GPU. Ein integrierter Gigabit-Ethernet-Controller des Typs Marvell Yukon 88E8055 löst das bisherige Modell Intel 82573E ab. Bluetooth bietet der Senyo 610 in allen Varianten, WLAN über einen Intel PRO/Wireless 4965AGN nur optional.

Als Massenspeicher stehen Festplatten bis zu 250 GByte und Solid State Discs (SSD) bis zu 64 GByte zur Wahl, außerdem bringt der Senyo 610 ein Double-Layer-DVD+/-RW-Laufwerk sowie einen 4-in-1-Kartenleser mit. An Schnittstellen bietet der Mini-PC unter anderem einen DVI-Ausgang, S-Video, vier USB-2.0-Ports sowie Firewire. Als Betriebssystem dient der Suse Linux Enterprise Desktop (SLED) 10.

In Sachen Größe und Energieverbrauch hat sich beim Mini-PC nichts geändert: Der Senyo 610 wiegt bei Maßen von 22,6 mal 17,2 mal 4,2 Zentimeter rund 1,3 Kilogramm und verbraucht laut Hersteller in der Basisversion unter Volllast maximal 35 Watt. Die Preise beginnen bei 470 Euro für die Grundversion mit Celeron-CPU, 1 GByte Hauptspeicher und 80-MByte-Festplatte.

Kompakter Rechenzwerg mit reichhaltiger Ausstattung und geringem Stromverbrauch: Der runderneuerte Senyo 610 von Transtec zeigt hier seine Rückseite.

Epiphany schwenkt auf Webkit um

Just am 1. April kündigten die Entwickler des Gnome-Webbrowsers Epiphany auf der Mailingliste (http://mail.gnome.org/archives/epiphany-list/2008-April/msg00000.html) die Abkehr von der bisherigen Mozilla-Gecko-Engine an. Stattdessen möchten sie das von Apple vorangetriebene WebKit einsetzen. Was anfangs viele als Aprilscherz abtaten, ist in den neuesten SVN-Snapshots bereits Realität: Die Zwischenschicht, die Epiphany von der verwendeten HTML-Rendering-Engine entkoppelt, entfernten die Entwickler.

Alp Toker, der Hacker hinter WebkitGtk, stellte in Aussicht, dass künftige Veröffentlichungen der Engine sich an den Gnome-Veröffentlichungszyklus anpassen würden. Falls wider Erwarten die Qualität der neuen Engine nicht an die alte herankommt, käme eine leicht überarbeitete Version des derzeitigen Browsers im Herbst-Release 2.24 von Gnome zum Zuge.

Andere Projekte, wie der Dokumentbetrachter für Entwickler Devhelp, der Hilfe-Betrachter Yelp oder der Groupware-Client Evolution könnten ebenfalls von Webkit profitieren. Die Browser-Engine besteht als einzige außer jener von Opera unter Linux bereits den anspruchsvollen Acid-3-Test des W3C, der prüft, inwieweit ein Browser mit den zum Teil obskuren Funktionen von CSS, XML, SVG und Javascript umgeht. Probleme gibt es dagegen derzeit noch im Bereich der Barrierefreiheit: Sie ist in WebkitGtk noch nicht implementiert.

Mit der WebkitGtk-Engine besteht Epiphany als einer von wenigen Browser den anspruchsvollen Acid-3-Test des World Wide Web Consortiums.

Lernen für Afrika

Drei Dozenten bieten am 9. und 10. Juni im Raum Freiburg Linux-Workshops an. Das Besondere: Die gesamten Teilnahmegebühren kommen dem Projekt Linux4Afrika (http://www.linux4afrika.de) zugute, das afrikanische Schulen mit Linux-Rechnern versorgt. Zwei IT-Buchautoren halten Workshops zu ihren Spezialgebieten ab: Stefan Wintermeyer führt am 9. Juni in die Open-Source-Telefonanlage Asterisk ein, der Linux-Magazin-Redakteur Markus Feilner widmet sich am 10. Juni dem Thema Open VPN. Ebenfalls am 10. gibt der Computerforensiker Hans-Peter Merkel eine zweistündige Einführung in sein Fachgebiet.

Merkel ist Mitglied des Freiburger Open-Source-Vereins FreiOSS (http://freioss.net), der die Workshops zusammen mit der Linux New Media AG veranstaltet, dem Verlag hinter LinuxUser, Linux-Magazin und EasyLinux. FreiOSS betreibt das Projekt Linux4Afrika, das afrikanische Schulen mit gebrauchten Rechnern samt funktionstüchtiger Linux-Installation versorgt. Die Veranstalter hoffen, mit den Einnahmen aus den Workshops den Transport von zwei Containern mit insgesamt 400 Rechnern nach Tansania zu finanzieren. Die beiden Kurstage zusammen kosten 375 Euro, Interessenten nehmen mit FreiOSS unter der E-Mail-Adresse mailto:info@freioss.net Kontakt auf.

Linux beim tansanischen Premierminister: Hans-Peter Merkel und Franz Epple von Linux4Afrika bei Hon. Mizengo Pinda.

KDE und Gnome konferieren gemeinsam

Die Projekte hinter den großen Linux-Desktops, KDE und Gnome, wollen ihre Entwicklerkonferenzen im nächsten Jahr parallel abhalten und laden zum ersten Mal gemeinsam ein: Sie kündigen für den Sommer 2009 die erste Konferenz an, bei der die KDE- und Gnome-Entwickler am gleichen Ort ihre Jahrestreffen abhalten (http://ev.kde.org/announcements/2008-04-22-akademy-guadec.php). Rund 800 Entwickler werden zu den Hauptkonferenzen namens Akademy und GUADEC erwartet, die dann als eine große Parallelveranstaltung stattfinden sollen. Über die jeweiligen Webseiten suchen KDE und Gnome nun einen passender Gastgeber und Ort.

Das Zusammenrücken der beiden Projekte kommt nicht völlig überraschend: Schon seit einem Treffen von Desktop-Linux-Architekten im Dezember 2005 arbeiten KDE- und Gnome-Entwickler häufiger zusammen. Das wichtigste Resultat bislang ist Portland (http://portland.freedesktop.org/wiki/Portland), eine erste gemeinsame Grundlage für Linux-Benutzeroberflächen.

Helix- und Realplayer 11 für Linux

Die Helix-Entwickler haben Version 11 des Helix Player und des Realplayer für Linux freigegeben (https://player.helixcommunity.org). Beim Helix Player handelt es sich um eine Open-Source-Variante des Realplayer, die den Helix-DNA-Client als Engine verwendet und nur offene Formate wie Ogg-Vorbis und Theora sowie H.263 und unkomprimierte Audiodateien im WAV-, AU- und AIFF-Format abspielt.

Neu am Helix Player ist die Unterstützung für Playlists und die Möglichkeit, Livestreams dank Nutzung eines Superpuffers unterbrechungsfrei abzuspielen. Der Helix Player unterstützt jetzt auch Alsa und spielt Audio-Content mit Surround-Sound. Nicht zuletzt entfernten die Entwickler eine Reihe von Fehlern in der Software des Players.

Auch den RealPlayer gibt es in Version 11 als kostenlose Download-Version. Er verwendet im wesentlichen die Codebasis des Helix Player, unterstützt aber auch proprietäre Formate wie Realaudio und Realvideo, MP3, MP4-Audio, Flash 4 und Windows-Media-Inhalte.

Cairo 1.6 verbessert PDF und PS

Die plattformübergreifende 2D-Vektorgrafik-Bibliothek Cairo (http://cairographics.org), die etwa Mozilla und der Gnome-Desktop verwenden, ist in Version 1.6 erschienen. Zu den Verbesserungen zählen der verbesserte Output beim Erstellen von PDFs und PostScript-Dateien. Es gibt keine unnötigen Rasterisierungen mehr; die qualitativ schlechtere Fallback-Lösung für Bilder kommt nur noch im Ausnahmefall und für einzelne Partien einer Grafik zum Einsatz. Nicht zuletzt haben die Entwickler die Grafikbibliothek stabiler gemacht und es lassen sich wesentlich größere Objekte zeichnen, bevor die Bibliothek den Dienst verweigert.

Google Picasa jetzt in Version 2.7

Google hat seine Bildverwaltung Picasa als stabile Version 2.7 für Linux veröffentlicht (http://picasa.google.com/linux/l). Zu den verbesserten Funktionen zählt die Webanbindung: Über den Mozilla-Browser Firefox kann man jetzt auf die "Picasa Web Albums" zugreifen, auch lassen sich jetzt Bilder in bereits vorhandene Ordner importieren. Die Videowiedergabe funktioniert allerdings noch immer nicht.

Die Anwendung basiert nach wie vor auf Wine, Installationspakete stehen in den Formaten RPM für Red Hat, Fedora und OpenSuse sowie DEB für Debian und Ubuntu zum Download bereit. Ein distributionsunabhängiges Binary, wie bei der Vorgängerversion, gibt es nicht mehr. Dafür erklären die FAQ (http://picasa.google.com/linux/faq.html#44), wie auch Nutzer anderer Systeme Picasa zum Laufen bewegen.

Evolution bald mit vollwertiger MAPI-Unterstützung

Die 2003 von Novell aufgekaufte Firma Ximian entwickelte schon recht früh an einer Exchange-Unterstützung für den Groupware-Client Evolution. Der Connector war anfangs Closed Source und nur für Geld zu bekommen. Nach der Übernahme öffnete Novell die Quellen und verbesserte die Software. Für das neue Microsoft Exchange 2007 ist eine MAPI-Unterstützung seitens des Exchange-Connectors vonnöten. Die Evolution-Entwickler wollen Microsofts MAPI-Protokoll integrieren, sobald sich etwaige Lizenzprobleme geklärt haben. Unter http://www.go-evolution.org/MAPIProvider stehen bis zur Freigabe noch ein paar Punkte auf der To-do-Liste.

Weiterhin arbeiten die Entwickler an der Performance von Evolution und wollen in der Version 2.24 die Altlasten Bonobo beziehungsweise Orbit aus dem Groupware-Client verbannen und auch dem Speicherverbrauch Einhalt gebieten. Nicht zuletzt sorgt eine vereinheitlichte Zugangsverwaltung für eine leichtere Konfiguration. Mehr Details zur Roadmap erfahren Sie unter http://live.gnome.org/RoadMap/Evolution und http://live.gnome.org/RoadMap/EvolutionDataServer.

Kurz notiert

Das Debian-Projekt hat mit dem achten Update für Debian 3.1 alias "Sarge" das Ende der Pflege für die alte stabile (oldstable) Version verkündet. Debian 3.1r8 bereinigt hauptsächlich kleinere Fehler, beseitigt aber auch ein ernsthaftes Sicherheitsproblem. Das Update ändert nur wenige Pakete, das Changelog (http://ftp.debian.org/debian/dists/sarge/ChangeLog) zeigt die Einzelheiten.

Das Erziehungsministerium in Brasilien plant, bis 2009 rund 82 000 Computerlabore an öffentlichen Schulen auf Linux umzustellen (http://piacentini.livejournal.com/7871.html). Die einzelnen Labore bieten dank Terminal-Lösungen jeweils 15 Plätze für Schüler an, auf den Servern läuft dabei ein angepasstes Debian namens "Linux Educational 2.0" mit einem KDE-3.5-Desktop.

Die Entwickler von X.org (http://www.x.org/wiki/) arbeiten daran, die Steuerung der Mode-Settings vom User- in den Kernelspace zu verlegen. Das Vorgehen soll unter anderem zu verbessertem und flackerfreiem Bootverhalten führen. Daneben sollen das Umschalten von und zum Suspend-Zustand sowie der Wechsel von der grafischen Oberfläche auf das virtuelle Terminal und zurück vom neuen Code profitieren. Eine erste Implementierung gibt es voraussichtlich mit Linux 2.6.27.

Die Münchner Stadtverwaltung und das Auswärtige Amt in Berlin kooperieren in Sachen Linux. Beide Behörden stellen ihre Systeme seit geraumer Zeit auf Linux um und benötigte ähnliche Software. In der letzten Wochen trafen sich Vertreter aus beiden Lagern, um Gemeinsamkeiten in ihren IT-Strategien zu eruieren. In der nächsten Zeit will man die Kooperation in kleinen Fachgruppen vertiefen. Insgesamt stellen die beiden Behörden 25 000 Rechner auf Linux um.

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