Sie sitzen mit Ihrem Notebook auf dem Balkon, zu den warmen Strahlen der untergehenden Sonne würde jetzt die neue CD Ihres Lieblingsinterpreten passen. Doch daraus wird nichts: Dessen Songs liegen zwar auf dem Arbeitsplatz-PC in der Amarok-Datenbank, Sie haben aber keinen Zugriff von Ihrem Notebook aus. Das Kopieren der Musikdateien zöge unweigerlich nach sich, jedes mal einen Abgleich zu machen, wenn neue Titel hinzukämen.
Musikprotokoll
Ähnliche Probleme plagten früher augenscheinlich auch Apple-Benutzer. Die Firma aus Cupertino wollte sich mit der Situation allerdings nicht abfinden und löste das Problem auf ihre Weise: Sie entwickelte das DAAP-Protokoll und stellte es in iTunes 4.0 erstmals der Öffentlichkeit vor. Das Kürzel DAAP steht für Digital Audio Access Protocol – ein etwas sperriger Name für ein sehr simples Prinzip: Haben Sie auf einem Rechner Musikdateien liegen, streamt dieser – einen DAAP-Server vorausgesetzt – einfach eine Liste der verfügbaren Titel in das lokale Netzwerk.
Möchte ein Benutzer von einem anderen PC im Netz auf die Musik über den DAAP-Server zugreifen, wählt er den entsprechenden Song aus, und der Server streamt die passende Daten an den anfragenden Client. Die Musik eines Rechners steht damit quasi allen Clients augenblicklich zur Verfügung.
Bei Linux-Benutzer weckte das Erscheinen des mittlerweile in Firefly umbenannten MT-Daapd [1] zum ersten Mal das Interesse an DAAP. Nicht nur, dass jenes kleine Programm Apples Pläne zunichte machte, DAAP auf den eigenen Musik-Player zu beschränken – es bot erstmals eben auch Linux-Anwendern die Möglichkeit, ihre Lieder zentral zu organisieren und in ihrem eigenen Netzwerk anzubieten.
Darüber hinaus fällt es sehr leicht, das Programm zu bedienen – nach der Installation und einigen kleinen Einstellungen in der Konfigurationsdatei steht dem ungeteilten Musikgenuss nichts mehr im Weg. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie auf dem Client iTunes (Abbildung 1) verwenden oder ein anderes Abspielprogramm. Auch für Linux gibt es Player, die das DAAP-Protokoll unterstützen: KDE-Benutzer greifen auf Amarok zurück (Abbildung 2), für Anwender von GTK-basierten Oberflächen bietet sich Rhythmbox an.
Versionsdschungel
Die Arbeit an Firefly findet in zwei Zweigen statt: Den stabile Zweig empfehlen die Projektmitglieder für den Einsatz auf Produktivsystemen. Die zweite Variante, die so genannten Nightlys, enthalten Momentaufnahmen des jeweils aktuellen Entwicklungsstadiums des Servers, mit vielen Features, die in der stabilen Version fehlen. Allerdings laufen die Nightlys bisweilen nicht so zuverlässig, wie die stabile Variante.
Um auf die vielen interessanten Features, die im Entwicklerzweig in der letzten Zeit hinzukam, nicht zu verzichten, empfiehlt es sich für Heimanwender trotzdem, einen Nightly auszuprobieren. Der nächtliche Snapshot vom 29. Oktober 2007, Grundlage für diesen Artikel, hat sich für den Heimeinsatz als hinlänglich stabil herausgestellt. Sie finden die Quelltexte des Snapshots sowie Binärpakete für die meisten Systeme auf der Website des Projekts [2].
Die Entwicklerversion belohnt den Mut zum Risiko mit einigen interessanten Features – insbesondere mit der Fähigkeit der neueren Firefly-Versionen, bestimmte Audioformate on the fly ins MP3-Format umzuwandeln und sie so für iTunes überhaupt erst aufzubereiten. Bereits seit längerer Zeit existiert ein komfortables Konfigurationsinterface, das Sie einfach im Webbrowser öffnen. In diesem ändern Sie die Einstellungen Firefly oder legen neue Playlisten an.



