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Modernes Brasilien

Dreamlinux 3.1 aus Brasilien

01.06.2008
Das brasilianische Dreamlinux gefällt mit tollen Design und perfektem Multimedia-Support, verursacht aber dennoch gelegentlich Schlafstörungen.

Das vierköpfige Entwicklerteam hinter Dreamlinux [1] hat den brasilianischen Traum seit Version 2.2 [2] grundlegend überarbeitet. Ein Bug im Installer von Version 3.0 verhindert jedoch die Installation auf zahlreichen Rechnern, so dass die Entwickler kurz nach dem Erscheinen von 3.0 bereits Version 3.1 zum Download freigaben. Sie finden diese Version auf der Heft-DVD.

Name Dreamlinux
Aktuelle Version 3.1 Desktop Edition
Land Brasilien
Basiert auf Debian
Medien 1 CD
Paketmanager Deb, Synaptic
Primärer Desktop XFCE oder Gnome
Alternative Desktops offizielle Debian-Pakete
Kernel 2.6.23
Entwicklerteam 4 Freiwillige
Releasezyklus unbestimmt
Stärken Design, einfache Installation, XGL-Support
Schwächen zu verspielt

Installation

Dreamlinux startet live von der CD, beim Booten können Sie zwischen der Gnome- und der XFCE-Version wählen. Zur Installation klicken Sie nach dem Hochfahren des Rechners eines der zwei Symbole auf dem Desktop an und richten Dreamlinux entweder auf der Festplatte oder auf einem USB-Stick ein. Die Installation beider Varianten klappte im Test problemlos – der USB-Stick mochte allerdings anschließend nicht booten.

Der Dreamlinux-Installer (Abbildung 1) darf sich zurecht "einfachstes Installationsprogramm aller Zeiten" nennen: In einem einzigen Dialog legen Sie sämtliche Parameter fest, danach bringt ein Klick auf Apply die Distribution auf die Platte. Nicht ganz intuitiv lässt sich die Partitionierung nutzen. Hier müssen Sie zunächst im Abschnitt Detected *nix partitions auf das leere Feld unter Mount Point und File System klicken, damit ein Auswahlmenü erscheint. Haben Sie den Einhängepunkt und das Dateisystem festgelegt, fügen Sie die Partition über Add zur Liste der von Dreamlinux benutzten Partitionen hinzu. Möchten Sie nicht partitionieren, wählen Sie die Option Use entire disk.

Bonuspunkte verdient der Installer für die Grub-Option Add this installation to existing Grub. Möchten Sie die Distribution neben Fedora, Ubuntu oder OpenSuse installieren, finden Sie so den Dreamlinux-Eintrag im bestehenden Grub-Menü. Die Installation dauert mit Gnome oder XFCE keine 15 Minuten.

Abbildung 1: Installation in einem einzigen Schritt: Der Festplatteninstaller von Dreamlinux.

Ähnlich einfach funktioniert das Setup auf einen USB-Stick. Hier müssen Sie zunächst den Stick anschließen, danach das Programm starten. Es wählt automatisch den USB-Stick aus. Achten Sie bei mehreren USB-Harddisks darauf, die Zielplatte nötigenfalls manuell zu ändern.

Der Desktop

Dreamlinux startet in Englisch. Die Sprachauswahl im Bootmenü – Sie erreichen sie über [F4] – bietet keine weitere Sprachen an. Um den Desktop nachträglich auf Deutsch umzustellen, starten Sie das DCP Control Panel und klicken hier auf den Eintrag Language. Er startet das grafische Frontend zum Debian-Tool dpkg-reconfigure locales. Wählen Sie die voreingestellten amerikanischen Locale-Einträge ab und markieren Sie de_DE ISO-8859-15 und de_DE.UTF-8 UTF-8.

Unabhängig davon, ob Sie Gnome oder XFCE ausgewählt haben, sieht der Desktop vor und nach der Installation praktisch identisch aus. Einzig die Symbole auf dem Desktop verraten bei genauem Hinsehen, welcher Fenstermanager im Hintergrund die Fäden zieht. Die Dreamlinux-Homepage nennt dieses Feature "Flexiboost", und der Hauptentwickler Nelson Gomes da Silveira hält sogar eine Handelsmarke auf den Begriff. Details zur Funktion von Flexiboost findet man auf der Homepage allerdings nicht. Dreamlinux basiert auf Debian (siehe Tabelle "Steckbrief Dreamlinux") und nutzt Synaptic als Paketmanager. Abgesehen von wenigen Setup-Dialogen merkt man vom Debian-Hintergrund allerdings wenig.

Auf beiden Desktops kommt als Panel das Engage Dock von Enlightenment zum Einsatz, das je nach 3D-Unterstützung in einer 2D- oder 3D-Ansicht erscheint. Das Engage-Dock sieht zwar sehr cool aus, reicht in Sachen Funktionsumfang aber nicht an die Mac-Kontrollleiste oder das KDE-Panels heran. So können Sie zum Beispiel keine Symbole direkt auf das Dock ziehen oder die Reihenfolge per Drag & Drop ändern. Zudem wirkt das Dock bei vielen geöffneten Fenstern sehr schnell unübersichtlich. Da sich die Symbolgröße bei sehr vielen Einträgen zudem ändert, bleibt das Panel quasi ständig in Bewegung, was das Arbeiten mit Dreamlinux etwas unruhig macht. Panel, Fensterdekoration und das Icon-Theme sind stark von Mac OS X beeinflusst (Abbildung 2). Als Dateimanager kommt in der Gnome-Version Nautilus zum Einsatz, unter XFCE Thunar.

Abbildung 2: Hinter der Mac-OS-artigen Oberfläche von Dreamlinux verbirgt sich wahlweise ein Gnome- oder XFCE-System.

Die Dreamlinux-Entwickler haben alles auf die CD gepackt, was rechtlich und aus Platzgründen möglich ist. Kommerzielle oder rechtlich umstrittene Programme laden Sie über den Dreamlinux-Installer nach (Abbildung 3). Ein Klick auf eines der knapp 20 Symbole startet eine skriptbasierte Installation in einem Terminalfenster. Je nach Auswahl richtet Dreamlinux dabei nur ein einziges Paket ein (zum Beispiel libdvdcss bei DVD Support) oder eine ganze Paketserie (zum Beispiel Mono inklusive Abhängigkeiten). Das Skript zur Picasa-Installation erwies sich in unseren Tests als defekt: Es versuchte das Paket von einer nicht (mehr) existierenden Adresse herunterzuladen.

Abbildung 3: Nachinstallation mit einem einzigen Mausklick: Dreamlinux Easy Install.

Bis auf den Nvidia-Installer funktionierten die übrigen Menüpunkte in den Tests problemlos. Klicken Sie auf Nvidia Install, erscheint allerdings lediglich ein Hinweisfenster, dass Sie auf einer Konsole den Befehl sudo apt-get install nvidia-install eingeben müssen, was für Anfänger etwas irritieren dürfte. Die Installation über die Kommandozeile verläuft jedoch fehlerfrei, und anschließend startet X.org automatisch mit dem Nvidia-Treiber.

Mit Conkey bringt die Distribution auch einen umfangreichen Hardware-Monitor mit, der sich nach dem Start in der oberen linken Ecke des Desktops platziert. Leider bringt der Monitor keine echte Transparenz mit und überdeckt so die darunterliegenden Symbole.

Die Schaltzentrale

Die wichtigsten Einstellungen von Dreamlinux nehmen Sie im Dreamlinux Control Panel (DCP) vor. Dabei handelt es sich um ein Gemisch zwischen selbst geschriebenen Mini-Tools und Verknüpfungen auf entsprechende Debian- oder Gtk-Programme. Das Ganze ist in Ruby geschrieben.

Dem Vergleich zu YaST oder anderen Kontrollzentren hält das Dreamlinux-Kontrollzentrum allerdings nicht stand, es bietet eher Ersatz für das KDE-Kontrollzentrum oder die entsprechenden Gnome-Pendants. So fehlen zum Beispiel Module für das Setup des X-Servers oder von Peripheriegeräten wie Scannern, TV- oder Soundkarten. Auch die Powermanagement-Funktionen erweisen sich als sehr beschränkt, was nicht unbedingt für den Einsatz von Dreamlinux auf Notebooks spricht. Das Kontrollzentrum und sämtliche Dreamlinux-Tools sind zudem nicht lokalisiert.

Zu gefallen vermag hingegen das Modul für das Keyboard-Layout. Entgegen den üblichen Methoden will Dreamlinux hier nicht einfach das Land wissen, sondern das Layout. In der unteren Fensterhälfte erscheinen dann nur noch die zum gewählten Layout passenden Länder (Abbildung 4).

Abbildung 4: Durch einen cleveren Trick gestaltet sich die Tastaturauswahl besonders einfach.

Das Ein- oder Ausschalten des 3D-Desktops Compiz-Fusion gleicht im Vergleich zu anderen Distributionen einem Kinderspiel. Klicken Sie dazu einfach im Dreamlinux-Kontrollzentrum auf den Eintrag En/Dis(able) CompizFusion und markieren Sie anschließend den gewünschten Eintrag. Dreamlinux aktiviert ohne Neustart des X-Servers CompizFusion und ersetzt das 2D-Panel durch das 3D-Pendant.

Praxiserfahrung

Wir haben Dreamlinux auf drei Desktop-Rechnern und einem Notebook getestet. Auf einem der Desktop-Rechner gelang die Installation nicht, da das System bereits beim Starten des X-Servers hängen blieb. Auf dem Notebook und den anderen Testsystemen traten hingegen keine Probleme auf. Auf allen Rechnern richtete die Distribution die 3D-Beschleunigung automatisch und korrekt ein, nach wenigen Mausklicks funktionierte auch der 3D-Desktop flüssig.

Schwierigkeiten machte die Distribution bei der Sprachumstellung: Sie merkte sich zwar die Sprache, aber nicht das Tastaturlayout, sodass wir nach jedem Neustart das Layout wieder auf Deutsch umstellen mussten. Da auch der Befehl loadkeys de keine Tastaturänderung bewirkte, mussten wir dazu stets das oben gelobte Modul im DCP verwenden.

In manchen Fällen startet Dreamlinux das Engage-Panel doppelt. Da es sich per Rechtsklick nicht schließen lässt, müssen Sie dann zunächst den passenden Prozess finden und ihn auf der Konsole beenden. Nach der Codec-Installation arbeiten sämtliche Multimedia-Programme einwandfrei, Dreamlinux fährt zudem sehr schnell hoch und herunter.

Fazit

Jede Distribution hat ihre Vor- und Nachteile, und hier macht auch Dreamlinux keine Ausnahme: Während die Distribution bei der Installation, dem Design und dem Multimedia-Support sehr gut abschneidet, erschweren kleine aber doch sehr störende Fehler manchmal die tägliche Arbeit. Für alle, die sich mit dem Computer in erster Linie vergnügen möchten, stellt Dreamlinux eine sehr gute Wahl dar. Schätzen Sie hingegen bei Debian vor allem die Stabilität, sollten Sie zu träumen aufhören.

[1] Projekt-Homepage: http://www.dreamlinux.com.br

[2] Dreamlinux 2.2: Erik Bärwaldt, "Tropentraum", LinuxUser 02/2007, DVD S. VI, http://www.linux-user.de/ausgabe/2007/02/906-dreamlinux/

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