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333,30

Günstiger Komplett-PC im Schuhkarton-Format

01.06.2008
Auf der Suche nach einem kleinen Komplettsystem fiel LinuxUser ein Intel-Rechner in Schuhkartongröße in die Hand – allerdings mit Windows Home Server. Doch der günstige Mini-PC eignet sich auch für Linux.

In Sachen Größe, Leistung und Preis stellt das Windows-Home-Server-System von Cartft.com [1] einen Kompromiss zwischen einem Mac Mini und einem günstigen Desktoprechner dar. Formfaktor, Stromverbrauch und Geräuschpegel liegen dabei näher beim Mac Mini. Preis und Performance entsprechen hingegen eher den Standards eines günstigen Desktoprechners. Mit Windows Home Server kostet der Rechner rund 460 Euro. Löschen Sie aber im Warenkorb das Microsoft-Betriebssystem, zahlen Sie lediglich 333,30 Euro. Die Funktionen eines Home-Servers bietet schließlich auch ein entsprechend eingerichtetes Linux-System.

Leise und sparsam

Auf dem Intel-Mainboard D201GLY2 stecken 512 MByte Hauptspeicher und ein auf 1,2 GHz getakteter Celeron-Prozessor. Die integrierte Grafik stammt von SiS. Eine 160-GByte-SATA-Festplatte von Hitachi und ein Slim-DVD-Laufwerk runden das Angebot ab. Sie können den Rechner bei der Bestellung auf der Cartft-Homepage beliebig anpassen und zum Beispiel das DVD-ROM-Laufwerk durch einen Brenner ersetzen.

333-Euro-Rechner

Mainboard Intel D201GLY2
Prozessor Intel Celeron 220 (1,2 GHz)
Hauptspeicher 1 x 512 MByte (DDR2), (max. 1 x 1 GByte)
Grafik SIS Mirage 1 (662/964)
Festplatte Hitachi HDS72161, 160 GByte, S-ATA
Optisches Laufwerk TEAC DV-28E-B DVD-ROM
Preis 333,30 Euro
Anschlüsse
Front 2 x USB 2.0 (1 x Firewire 1394a und 2 x Audio ohne Anschlussmöglichkeit am Mainboard)
Rückseite 2 x USB 2.0, 2 x PS/2, 1 x seriell, 1 x parallel, 1 x VGA, Fast Ethernet, 5.1-Sound
Mainboard 1 x PCI, 1 x RAM (belegt), 2 x SATA (1 belegt), 1 x IDE (belegt), 4 x USB (2 belegt), Front Audio
Energieverbrauch
Normal/Volllast 35 W / 45 W
Suspend-to-RAM/Standby – / 27 W
Speedstepping Nein

Die passiv gekühlte Celeron-CPU lässt den Mini-PC zwar geräuscharm arbeiten, ganz ohne Kühlung kommt das System aber nicht aus: Ein leiser Gehäuselüfter transportiert die Wärme ab (Abbildung 1). Die Celeron-CPU sorgt für keine Überraschungen: Der Mini-PC übersetzt die Kernelquellen von Ubuntu 7.10 in 94 Minuten – rund 50 Minuten langsamer als der in dieser Ausgabe getestete Mini-Rechner Esprimo Q5020 von Fujitsu-Siemens. Board und Prozessor operieren aber deutlich zügiger als etwa das in LinuxUser 03/2008 getestete Via-Gespann mit 1,5 GHz-CPU [2], das für die gleiche Aufgabe 140 Minuten brauchte.

Abbildung 1: Hinter dem LinuxUser-Kugelschreiber erkennen Sie das RAM-Modul sowie den Kühlkörper des Celeron-Prozessors. Darüber befindet sich das Slim-DVD-Laufwerk und die 3,5-Zoll-Festplatte.

Das kompakte System kommt mit wenig Strom aus: im Leerlauf und Normalbetrieb zieht es rund 35 Watt Leistung, selbst unter Last steigt der Verbrauch nicht über 45 Watt an. Beim Powermanagement gibt sich der Rechner zugeknöpft und erlaubt nur Standby oder Supend-to-Disk; Das praktische Suspend-to-RAM bietet das BIOS nicht an. Fedora 8 hatte zudem Probleme, im Standby-Modus das Display abzuschalten. Unter Ubuntu und OpenSuse trat diese Schwierigkeit nicht auf. Ubuntu versucht in der Grundeinstellung für den Ruhezustand Suspend-to-RAM zu aktivieren, was mangels Support von BIOS-Seite her misslingt. Damit "Gutsy Gibbon" beim Logout-Bildschirm die Standby-Funktion anbietet, müssen Sie in der Datei /etc/default/acpi-support die Variable ACPI_SLEEP_MODE von mem zu standby ändern und die ACPI-Dienste neu starten.

Grafikprobleme

SiS-Grafikkarten gehören allgemein nicht zu den am besten unterstützten Grafikchipsätzen unter Linux. Daher sollten sie Geräte mit SiS-Grafik vor dem Kauf nach Möglichkeit ausführlich testen oder gleich eine Alternative wählen.

Auch bei unserem Testrechner traten massive Probleme mit dem SiS662-Chipsatz auf. So zeigt der X-Server je nach Distribution und X.org-Version mehr oder minder breite senkrechte Streifen über den kompletten Monitor an, die zudem stark flimmern und ein Arbeiten mit der grafischen Oberfläche unmöglich machen (Abbildung 2). Da dieses Phänomen unter allen Distributionen und Xorg-Versionen auftrat, tippten wir zunächst auf einen Hardware-Fehler. Diverse Berichte im Internet bestätigten jedoch die Tatsache, dass es sich um Probleme des SiS-Treibers handelt. Der Fehler tritt bei allen Auflösungen über 800 x 600 Bildpunkten auf, unabhängig von der eingestellten Farbtiefe oder dem zugeteilten Videospeicher.

Abbildung 2: Der Standard-Treiber des X-Servers produziert ein unbrauchbares Bild.

Schnell Abhilfe schaffen Sie, indem Sie in der Datei /etc/X11/xorg.conf im Abschnitt Section "Device" den Eintrag Driver "sis" durch Driver "vesa" ersetzen und den X-Server neu starten. Damit erhalten Sie ein stabil funktionierendes System mit einer passablen Grafik, um einen besseren Treiber installieren zu können. Den laden Sie von der Homepage von Thomas Winischhofer [3] herunter und installieren das nötige X-Server-Modul aus dem Quellcode. Um den Treiber kompilieren zu können, benötigen Sie zahlreiche Entwicklerpakete. Für Ubuntu zählen dazu unter anderem build-essential, linux-source, libdrm-dev, xorg-dev und xserver-xorg-dev. Benutzer von OpenSuse installieren mit YaST das Schema Grundlegende Entwicklungsumgebung sowie das Paket xorg-x11-server-sdk, das Sie online im OSS-Repository finden.

Vor dem Kompilieren müssen Sie die Quellen von Winischhofer mit zwei Patches ergänzen, die Sie unter [4] finden. Dazu entpacken Sie die Datei sisp.tar.gz ins Verzeichnis sisp und speichern die zwei Patches im übergeordneten Verzeichnis. Anschließend wenden Sie die beiden Codeflicken an (Listing 1, Zeile 1 und 2), wechseln ins Verzeichnis sisp und übersetzen dort den Treiber (Listing 1, Zeile 4 bis 6).

Listing 1
$ cat sisp_xorg_version.patch | patch -p0
$ cat disable_internal_ddc.patch | patch -p0
$ cd sisp
$ sh configure --prefix=/usr
$ make
$ sudo make install

Nach einem Neustart des X-Servers sind die senkrechten Streifen verschwunden. Spielen Sie jedoch eine DVD oder einen beliebigen Film ab, treten erneut Artefakte auf. Diese hängen damit zusammen, dass der Treiber das Xv-Overlay nicht korrekt beherrscht. Um auch diesen Fehler zu korrigieren, fügen Sie in der Datei /etc/X11/xorg.conf im Abschnitt Section "Device" folgende Zeile ein:

Option "XvDefaultAdaptor" "Blitter"

Diesen Tipp und unter anderem auch fertige Treiber (das Xorg-Modul sis_drv.so) für Fedora 8 und Ubuntu 7.10 fanden wir in einem Thread zum Thema SiS-Grafik des englischen Ubuntuforums [5].

Erscheint Ihnen die Installation des SiS-Treibers zu kompliziert, bauen Sie alternativ über den freien PCI-Slot eine ältere, nach Möglichkeit lüfterlose PCI-Grafikkarte ein. Die dazu nötige Risercard liegt dem Set allerdings nicht bei. Zudem lässt das enge Gehäuse nur wenig Raum (Abbildung 3), und für eine DVB- oder analoge TV-Karte steht kein PCI-Slot mehr zur Verfügung.

Abbildung 3: Der Kabelsalat im Mini-PC macht den Einbau einer größeren PCI-Karte fast unmöglich.

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