Aufmacher

Frühjahrsputz

Mandriva 2008.1 im Überblick

01.06.2008
Rechtzeitig zum Frühling haben die Entwickler Mandriva Linux eine Frischzellenkur verpasst. Das Ergebnis des Frühlingserwachens trägt die Versionsnummer 2008.1.

Die französisch-brasilianische Koproduktion Mandriva Linux, die 2005 beim Zusammenschluss von Mandrake Linux und Conectiva begann, resultiert aktuell in Mandriva 2008.1. Mit dieser Version heben die Entwickler wieder diverse Softwarepakete auf den aktuellen Stand, zudem feilten sie an einigen Details.

Putzmittel beschaffen

Auf dem Datenträger zum Heft finden Sie die DVD-Version von Mandriva 2008.1 (Abbildung 1). Auf der offiziellen Homepage [1] stehen darüber hinaus noch weitere CD-Abbilder zum Herunterladen bereit. Der Unterschied zwischen der "One"-Edition und der "Free"-Edition liegt darin, das erstere auch kommerzielle Software (zum Beispiel Grafiktreiber) mitbringt, wohingegen letztere ausschließlich freie Software enthält [2].

Abbildung 1: Mandriva setzt noch auf Version KDE 3.5.9, bringt aber KDE 4 zum Antesten mit.

Auftragen und polieren

Die Installationsroutine wirkt durchdacht und ermöglicht es, Mandriva problemlos auch als Zweit- oder Drittbetriebssystem zu installieren. Im Test erkannt das Setup die Hardware im PC und konfigurierte sie korrekt. Für spätere Eingriffe ins System bringt Mandriva zusätzlich ein Universalwerkzeug (Abbildung 2) mit, das Sie via Menü | Werkzeuge | Systemwerkzeuge | Den Computer konfigurieren starten.

Abbildung 2: Im Mandriva Linux Kontrollzentrum nehmen Sie alle systemnahe Einstellungen vor.

Alles neu macht der Mai

Neue Software-Versionen bringen nicht nur neue Funktionen mit sich, sondern schließen meist auch Sicherheitslöcher oder beheben den ein oder anderen Fehler. Andererseits setzt das natürlich auch voraus, dass die Distributoren die Pakete ausgiebig testen, damit sie mit dem jeweiligen System auch harmonieren. Daher gehört es zur gängigen Praxis, dass neue Distributionen zwar aktuelle, aber nicht zwangsläufig brandneue Software im Gepäck haben.

Bei Mandriva 2008.1 werkelt der Kernel 2.6.24 im Hintergrund. Für die grafische Oberfläche legen die Entwickler X.org in Version 7.2.0 (aktuell: 7.3) bei. Als Desktops stehen KDE 3.5.9 (Standard), Gnome 2.22 (als Alternative bei der Installation) sowie XFCE 4.4.2 und daneben diverse Fenstermanager zur Auswahl.

Recht aktuell fallen einige mitgebrachten Standardanwendungen aus, wie etwa Firefox: Auf dem Installationsmedium findet sich Version 2.0.0.13. Unglücklicherweise berücksichtigt das automatische Update den Browser bisher nicht beim Aktualisieren (Abbildung 3). Im Großen und Ganzen betrachtet, hat der Frühjahrsputz durchaus genutzt.

Abbildung 3: Mandriva 2008.1 erkennt, ob ein Internetzugang steht und prüft, ob es Updates für die installierten Programme gibt.

Auch unter der Haube haben die Mandriva-Entwickler der neuen Version einiges mitgegeben. So erlaubt es das System, NTFS-Laufwerke dank NTFS-3G standardmäßig zu lesen und zu beschreiben. Zahlreiche Treiber liegen in aktualisierter Version vor, und mit Nouveau enthält Mandriva nun einen Open-Source-Treiber für Nvidia-Grafikkarten. Darüber hinaus unterstützt das System die Multimediatasten einiger Tastaturen jetzt direkt ohne händisches Einrichten. Ein entsprechender Test mit einer USB-Tastatur der Firma Sun verlief erfolgreich.

Aussehen ist nicht alles

Zugegeben, das Testsystem (Intel Celeron 2,4 GHz, 1 GByte RAM) gehört nicht zu den Aktuellsten – aber eine Linux-Distribution sollte problemlos dieser Hardware zusammenspielen. Zumal es die angegebenen Mindestanforderungen (256 MByte RAM, CD-Laufwerk, Grafikkarte von Nvidia, ATI, Intel i8xx und i9xx, SIS, Matrox oder VIA sowie 3 GByte freier Plattenplatz) übererfüllt.

Dass Mandriva 3D-Desktop-Funktionen nur mit neueren Grafikkarten (Nvidia ab Geforce, ATI ab Radeon 7000, Intel ab i810) unterstützt, tut der Sache keinen Abbruch. Allerdings schaffte es auch die Radeon 9250 im Testsystem nicht, die 3D-Effekte auf den Desktop zu zaubern. Überdies fror das frisch installierte System innerhalb von einer Stunde dreimal ein und ließ nach dem Wechseln in eine Textkonsole ([Strg]+[Alt]+[F1]) nur durch den Affengriff [Strg]+[Alt]+[Entf] neu booten.

Auch das Umschalten auf die Textkonsole erwies sich als Blindflug, da nicht etwa Text, sondern nur Bildstörungen zum Vorschein kamen. Es gelang zudem nicht, das System davon zu überzeugen, dass der korrekt erkannte Monitor (LG Flatron L1915S) mehr als 60 Hz als Bildwiederholrate unterstützt.

Etwas unglücklich erscheint die Strategie der Entwickler, externe Wechselmedien nicht automatisch beim Zugriff einzubinden (Abbildung 4). Ein solcher Auto-Mount gehört bei fast allen aktuellen Distributionen zum guten Ton. Mandriva verlangt dagegen von Ihnen, USB-Stick und Co. explizit über ein den Konqueror oder ein entsprechendes Tray-Icon ins Dateisystem einzuhängen.

Abbildung 4: Mandriva bindet externe Wechselmedien wie USB-Sticks nicht automatisch ein, wenn Sie diese an den Rechner anschließen.

Genauso liegt es auch an Ihnen, nach dem Benutzen Geräte manuell auszuhängen. Falls Sie das vergessen, droht Datenverlust. Im Fall des USB-Sticks meckert Mandriva hierbei allerdings, dass sich das Gerät zwar aushängen, das Medium jedoch nicht auswerfen ließe (Abbildung 5). Eine verwirrende und zudem überflüssige Fehlermeldung, denn Sie dürfen den Stick nun bedenkenlos abziehen.

Abbildung 5: Mandriva versucht, USB-Sticks auszuwerfen und meckert, weil ihm das nicht gelingt.

Paketmanagement

Mit einem neuen Ansatz versuchen die Entwickler die Suche im Paketmanagement zu beschleunigen. Verwaltete das System bislang zwei Datenbestände, einmal die Kurzinformationen sowie die ausführlichen Daten zu allen Paketen, so greift die Software in Zukunft in erster Linie auf die Kurzinformationen zurück. Aufgrund der geringen Größe gelingt das Laden und Durchsuchen sehr schnell.

Benötigen Sie weitere Informationen zu einem Paket, greift das System nicht mehr auf die Komplettliste zurück, da sich dieser Ansatz als sehr träge herausgestellt hat. Stattdessen splitteten die Entwickler die Gesamtinfos in einzelne Dateien im XML-Format auf, die das Paketmanagement nur bei Bedarf lädt oder aktualisiert.

Einmal geladene Informationen legt das Paketmanagement lokal ab, so dass es diese Information bei einem erneuten Zugriff direkt von der Festplatte liest. Auf Wunsch konfigurieren Sie das System auch so, dass es die kompletten Infos zu einem Paket niemals aus dem Netz lädt. Damit sparen Anwender mit einer langsamen Internetverbindung noch einmal Zeit und Nerven.

Komfortfunktionen

Dank eines neuen Frameworks laden Sie die notwendigen Codecs zum Abspielen von Audio- und Video-Dateien bei Bedarf aus dem Netz nach. Die Technik hört auf den Namen Codeina und greift auf die Codecs von Fluendo zurück, die zum Teil kostenlos (MP3), größtenteils aber kostenpflichtig sind.

Falls Sie von einer Vista-Installation auf Mandriva wechseln, hilft Ihnen bei Bedarf der Migrationsassisten dabei, verschiedene Einstellungen und Daten aus Ihrem persönlichen Ordner der Windows-Installation in das Linux-System zu übernehmen. So haben Sie beispielsweise Bookmarks, E-Mails oder Office-Dateien gleich zur Hand und arbeiten nahtlos mit den Daten weiter.

Abbildung 6: Mit Codeina haben Sie die Möglichkeit, legal Codecs für Multimedia-Inhalte ins System zu integrieren.

Fazit

Mandriva 2008.1 überzeugt als solide Distribution, die mit aktueller Software daher kommt. Gleichzeitig halten die Entwickler aber an alten Technologien, wie dem manuellen Einbinden und Aushängen von Laufwerken fest. Was die Entwickler den Nutzern dadurch aufbürden, sparen sie an anderer Stelle bei den Eingriffsmöglichkeiten in automatische Konfigurationen.

Mit etwas mehr Spielraum wäre das Problem des Einfrierens der grafischen Oberfläche sicherlich zu lösen gewesen. Somit empfiehlt sich die Frühjahrsausgabe am ehesten für diejenigen, die schon immer Mandriva eingesetzt haben. Ein Umstieg von OpenSuse, Ubuntu oder Fedora sollten sich sich dagegen noch einmal genauer überlegen.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

Kommentare