Alles neu macht der Mai

Neue Software-Versionen bringen nicht nur neue Funktionen mit sich, sondern schließen meist auch Sicherheitslöcher oder beheben den ein oder anderen Fehler. Andererseits setzt das natürlich auch voraus, dass die Distributoren die Pakete ausgiebig testen, damit sie mit dem jeweiligen System auch harmonieren. Daher gehört es zur gängigen Praxis, dass neue Distributionen zwar aktuelle, aber nicht zwangsläufig brandneue Software im Gepäck haben.

Bei Mandriva 2008.1 werkelt der Kernel 2.6.24 im Hintergrund. Für die grafische Oberfläche legen die Entwickler X.org in Version 7.2.0 (aktuell: 7.3) bei. Als Desktops stehen KDE 3.5.9 (Standard), Gnome 2.22 (als Alternative bei der Installation) sowie XFCE 4.4.2 und daneben diverse Fenstermanager zur Auswahl.

Recht aktuell fallen einige mitgebrachten Standardanwendungen aus, wie etwa Firefox: Auf dem Installationsmedium findet sich Version 2.0.0.13. Unglücklicherweise berücksichtigt das automatische Update den Browser bisher nicht beim Aktualisieren (Abbildung 3). Im Großen und Ganzen betrachtet, hat der Frühjahrsputz durchaus genutzt.

Abbildung 3: Mandriva 2008.1 erkennt, ob ein Internetzugang steht und prüft, ob es Updates für die installierten Programme gibt.

Auch unter der Haube haben die Mandriva-Entwickler der neuen Version einiges mitgegeben. So erlaubt es das System, NTFS-Laufwerke dank NTFS-3G standardmäßig zu lesen und zu beschreiben. Zahlreiche Treiber liegen in aktualisierter Version vor, und mit Nouveau enthält Mandriva nun einen Open-Source-Treiber für Nvidia-Grafikkarten. Darüber hinaus unterstützt das System die Multimediatasten einiger Tastaturen jetzt direkt ohne händisches Einrichten. Ein entsprechender Test mit einer USB-Tastatur der Firma Sun verlief erfolgreich.

Aussehen ist nicht alles

Zugegeben, das Testsystem (Intel Celeron 2,4 GHz, 1 GByte RAM) gehört nicht zu den Aktuellsten – aber eine Linux-Distribution sollte problemlos dieser Hardware zusammenspielen. Zumal es die angegebenen Mindestanforderungen (256 MByte RAM, CD-Laufwerk, Grafikkarte von Nvidia, ATI, Intel i8xx und i9xx, SIS, Matrox oder VIA sowie 3 GByte freier Plattenplatz) übererfüllt.

Dass Mandriva 3D-Desktop-Funktionen nur mit neueren Grafikkarten (Nvidia ab Geforce, ATI ab Radeon 7000, Intel ab i810) unterstützt, tut der Sache keinen Abbruch. Allerdings schaffte es auch die Radeon 9250 im Testsystem nicht, die 3D-Effekte auf den Desktop zu zaubern. Überdies fror das frisch installierte System innerhalb von einer Stunde dreimal ein und ließ nach dem Wechseln in eine Textkonsole ([Strg]+[Alt]+[F1]) nur durch den Affengriff [Strg]+[Alt]+[Entf] neu booten.

Auch das Umschalten auf die Textkonsole erwies sich als Blindflug, da nicht etwa Text, sondern nur Bildstörungen zum Vorschein kamen. Es gelang zudem nicht, das System davon zu überzeugen, dass der korrekt erkannte Monitor (LG Flatron L1915S) mehr als 60 Hz als Bildwiederholrate unterstützt.

Etwas unglücklich erscheint die Strategie der Entwickler, externe Wechselmedien nicht automatisch beim Zugriff einzubinden (Abbildung 4). Ein solcher Auto-Mount gehört bei fast allen aktuellen Distributionen zum guten Ton. Mandriva verlangt dagegen von Ihnen, USB-Stick und Co. explizit über ein den Konqueror oder ein entsprechendes Tray-Icon ins Dateisystem einzuhängen.

Abbildung 4: Mandriva bindet externe Wechselmedien wie USB-Sticks nicht automatisch ein, wenn Sie diese an den Rechner anschließen.

Genauso liegt es auch an Ihnen, nach dem Benutzen Geräte manuell auszuhängen. Falls Sie das vergessen, droht Datenverlust. Im Fall des USB-Sticks meckert Mandriva hierbei allerdings, dass sich das Gerät zwar aushängen, das Medium jedoch nicht auswerfen ließe (Abbildung 5). Eine verwirrende und zudem überflüssige Fehlermeldung, denn Sie dürfen den Stick nun bedenkenlos abziehen.

Abbildung 5: Mandriva versucht, USB-Sticks auszuwerfen und meckert, weil ihm das nicht gelingt.

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