Tiefschlaf

Einzelne Komponenten des Rechners lassen sich durch das Entladen der Treiber abschalten. Benötigen Sie den Rechenknecht für längere Zeit gar nicht, versetzen Sie ihn in einen Suspend-Modus. Auf neuerer Hardware funktionieren Suspend-to-RAM und Suspend-to-Disk inzwischen meist reibungslos. Das Abspeichern der Sitzungsdaten im Arbeitsspeicher hat den Vorteil, dass der Rechner nach dem Aufwecken sehr schnell wieder hochfährt. Andererseits verbraucht Suspend-to-Disk keinerlei Strom und verhindert, dass bei einem Stromausfall (Netz oder Akku) Daten verloren gehen.

Festplatte

Ein weiterer Energie-Großkonsument ist die Festplatte. Sie verbraucht unabhängig vom Arbeitsvolumen viel Strom, da der Motor fortwährend in Betrieb bleibt. Auch diese Rechnerkomponente legen Sie aber bei Bedarf mit dem Befehl hdparm -S N /dev/sda still. Der Wert N, mit Fünf multipliziert, bezeichnet die Inaktivitätsspannen in Sekunden, nach der die Festplatte automatisch abschaltet. Der Wert 0 deaktiviert dieses Feature.

Doch die Festplatte kommt nicht zwangsläufig zur Ruhe: Wie auch beim Schlafmodus der CPU wecken einige Standard-Systemeinstellungen die Disk immer wieder auf. Das liegt zum einen an der hohen Frequenz, mit der der Kernel den Plattencache auf die Festplatte schreibt. Welcher Wert in Hundertstelsekunden für Ihr System gilt, lesen Sie aus der Datei /proc/sys/vm/dirty_writeback_centisecs. Den Zugriff des Kernels diebezüglich stellen Sie mit dem Befehl

# echo 60000 > /proc/sys/vm/dirty_writeback_centisecs

auf zehn Minuten ein. Ist der Plattencache groß genug, sorgt nicht einmal mehr das Speichern eine Datei für das Anlaufen der Festplatte. Bei einem Stromausfall allerdings gehen die Daten gepufferten Daten verloren.

Auch der Syslog-Daemon kann den Schlafmodus der Festplatte sabotieren: Er schreibt regelmäßig Protokolle unter Umgehung des Puffers direkt auf die Platte. Fügen Sie vor jedem Eintrag in der Datei /etc/syslog.conf ein - ein, so nutzt der Daemon dafür künftig auch den Plattencache. Aber auch hier droht bei Stromausfall ein Datenverlust.

Weitere energieraubende Plattenzugriffe vermeiden Sie, indem Sie ein Ext3-Dateisystem mit dem Parameter noatime mounten – oder bei Dateien, die die atime-Option benötigen, mit dem Parameter nodiratime respektive relatime einhängen [6]. Standardmäßig bindet Linux Ext3-Dateisysteme mit der Option atime ein: Dann führt Linux Buch über den letzten Zugriff auf die Dateien und zeichnet in kurzen Abständen solche Zeitstempel auf. Das wiederum bedeutet regelmäßige Festplattenzugriffe und somit Energieverbrauch.

Die Entwickler der Laptop-Mode-Tools [7] raten von der Verwendung dieses Stromsparfeatures auf Desktop-PCs allerdings ab: Deren Festplatten seien anders als Notebook-Festplatten für den Dauerbetrieb konzipiert, nicht aber für regelmäßiges Anfahren in kurzen Zeitabständen [8].

Die Laptop-Mode-Tools helfen, die Notebook-Features des Kernels zu aktivieren und lassen sich über eine Konfigurationsdatei (siehe Kasten "Laptop-Mode-Tools") auf die persönlichen Wünsche einstellen. Das Tool, das sie in den Repositories vieler Distributionen findet, hilft beim Stromsparen, wobei es das Hauptaugenmerk auf die Festplatte und deren Stromsparmodi legt. Dabei verändert es auf Wunsch diejenigen Systemeinstellungen, die das unnötige Anfahren der Platte verursachen.

Die Werkzeuge unterstützen daneben eine Reihe weiterer Optionen zum Stromsparen: Sie konfigurieren automatisch die Stromsparkonfiguration beim Umschalten auf Akku-Betrieb, aktivieren die Stromsparfunktionen von Centrino-WLAN-Adaptern, Hibernation sorgen bei niedrigem Ladestand der Batterie für Hibernation, starten oder stoppen Daemons abhängig von der Stromzufuhr und passen die Anzeigehelligkeit an. Die Festplatte verbleibt bedeutend länger im Schlafzustand, sogar bei einfachen Arbeitsvorgängen.

Laptop-Mode-Tools

Konfigurationsdatei: /etc/laptop-mode/laptop-mode.conf

Aktivitätskontrolle: /proc/sys/vm/laptop-mode (1 = aktiv)

Unter Ubuntu sind die Laptop-Mode-Tools standardmäßig ausgeschaltet. Zur Aktivierung ändern Sie den Wert false in der Zeile ENABLE_LAPTOP_MODE=false der Datei /etc/default/acpi-support auf den Wert true. Unter OpenSuse übernimmt der Powersave-Daemon die Aufgabe der Laptop-Mode-Tools.

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