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EXPORT_SYMBOL_GPL

15.01.2009

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

die neue Kernel-Version 2.6.25 enthält eine schon im Vorfeld heiß diskutierte Änderung: Nach zwei Jahren Schonfrist [1] hält nun endgültig jener Patch im Kern des freien Betriebssystems Einzug, der proprietäre USB-Treiber aus dem Kernelspace verbannt. EXPORT_SYMBOL_GPL sorgt dafür, dass nur unter der GPL stehende Treiber die entsprechende Kernel-API und somit den dahinter stehenden Code noch ansprechen können. Falls Sie also als Kernel-Module implementierte, nicht quelloffene USB-Treiber nutzen, dann sollten Sie den Umstieg auf die neueste Kernel-Version erst einmal bleiben lassen – oder die fragliche Hardware umgehend aus dem Verkehr ziehen und ersetzen.

Laut Greg Kroah-Hartman, dem für das USB-Subsystem des Kernels zuständigen Entwickler, sollte die Änderung "keine Probleme bereiten", weil sich "keine bekannten closed-source USB-Treiber in der freien Wildlaufbahn" befänden. Mit dieser etwas nassforschen Aussage trifft er allerdings leicht seitlich an der Realität vorbei, denn solche Treiber gibt es freilich – und die Besitzer der zugehörigen Hardware dürften von der Änderung alles andere als erfreut sein. Das hierzulande wohl populärste Opfer von EXPORT_SYMBOL_GPL ist zweifelsohne AVMs Fritz-WLAN-USB-Stick, dessen Treiber fwlanusb unter Linux 2.6.25 nicht mehr mitspielen darf (Beispiel: [2]).

Anders als beim ersten Anlauf vor zwei Jahren ist die Entscheidung, im Kernelspace nur noch freie Treiber zu akzeptieren, diesmal aber trotzdem richtig. Über mangelnde Vorwarnzeit kann sich kein Hersteller mehr beschweren; gerade für USB-Geräte gibt es mit Usbfs und Libusb inzwischen genügend Möglichkeiten, Treiber über Userspace-Schnittstellen zu betreiben. Wer sich als Hersteller nicht in der Lage sieht, für seine Geräte selbst einen Treiber zu erstellen, kann sich an das Linux Driver Project [3] wenden: Mehr als 200 Linux-Kernel-Entwickler stehen dort parat, um einen entsprechenden Treiber zu schreiben, und unterzeichnen auf Wunsch dazu sogar ein Stillschweige-Abkommen, sodass eventuell schützenswerte Interna des fraglichen Devices auch vertraulich bleiben.

Und schließlich verlangt sogar die Computerindustrie inzwischen explizit von Komponenten- und Peripherie-Anbietern, ihre Geräte mit Open-Source-Treibern auszustatten, wie der letzte "Collaboration Summit" der Linux-Foundation ergab [4]. Klar: Quelloffene Treiber sorgen für mehr Transparenz, schnellere Integration, vereinfachen die Pflege und erleichtern die Fehlerbeseitigung.

Und mit weniger als die Industrie sollten auch wir als Anwender uns nicht zufrieden geben, oder? Höchste Zeit also, Hardware mit Closed-Source-Treibern auszumustern und sie durch Geräte zu ersetzen, für die GPL-Treiber zur Verfügung stehen.

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

Infos

[1] Jörg Luther, "Preis der Freiheit?", LinuxUser 04/2006, S. 3, http://www.linuxuser.de/ausgabe/2006/04/003-editorial/

[2] fwlanusb unter 2.6.25: http://mandrivauser.de/viewtopic.php?id=21256&p=3

[3] Linux Driver Project: http://www.linuxdriverproject.org

[4] "OEMs rally behind Open Source Drivers": http://linux-foundation.org/weblogs/press/2008/04/24/

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