Aufmacher

Problemloser Ausbau

Texteditor Tea für schlanke Systeme

01.05.2008
Bei der Arbeit mit Texten müssen Sie nicht auf Rechtschreibprüfung und Syntaxhervorhebung verzichten. Der schlanke und komfortable Editor Tea verbindet das beste aus zwei Welten.

Textdateien sind unter Linux allgegenwärtig – angefangen von Konfigurationdateien über Programmquelltext und einfache Notizen bis hin zu komplexen LaTeX oder HTML-Dokumenten. Um sie zu bearbeiten, gibt es zahlreiche Editoren, die oft komplex ausfallen oder nur über Tastenkürzel zu aktivierende Funktionen bieten.

Als komfortabler Vertreter der Gattung, die sich mit geringen Ressourcen zufrieden gibt, präsentiert sich dagegen Tea (Abbildung 1). Er basiert auf GTK+ 2.4, bringt zahlreiche Helferlein mit, wie zum Beispiel eine integrierte Rechtschreibprüfung, und begnügt sich dennoch – je nach Ausstattung – mit 3,5 bis 4 MByte Arbeitsspeicher.

Abbildung 1: Der Texteditor Tea zeigt sich nach dem ersten Start, aufgeräumt und übersichtlich.

Installation

Im Downloadbereich der Tea-Webseite [1] finden sich mehrere vorkompilierte Pakete. Zu Redaktionsschluss fehlten aber einige Binärvarianten der aktuellen Version 17.5.4. Lediglich die Pakete für Fedora und Zenwalk waren auf dem aktuellen Stand. Nutzer von OpenSuse finden im Packman-Repository [2] passende Pakete. Nach dem Einbinden der zusätzlichen Softwarequelle (siehe Kasten "Packman nutzen"), holen Sie Tea einfach über den Paketmanager (Abbildung 2) an Bord.

Packman nutzen

Um die Pakete von Packman normal über das Paketmanagement von OpenSuse zu installieren, binden Sie zuerst die Installationsquelle ein. Starten Sie dazu über das Startmenü YaST und dort unter Software das Modul Installationsquelle wechseln. Via Hinzufügen erzeugen Sie anschließend einen Eintrag vom Medientyp http. Als Namen der Installationsquelle geben Sie Packman an, als Servername ftp.halifax.rwth-aachen.de und als Verzeichnis auf dem Server /packman/suse/10.3/ für OpenSuse 10.3. Bestätigen Sie die Eingaben durch einen Klick auf Weiter. Alternative Anbieter des Packman-Repositories finden Sie übrigens unter [2].

Abbildung 2: Packman versorgt OpenSuse-Nutzer mit einem vorkompilierten Tea-Paket, das Sie einfach via YaST einspielen.

Unter Ubuntu heißt es, den Quellcode herunterzuladen, via tar xvjf tea-17.5.4.tar.bz2 zu entpacken und mithilfe des bekannten Trios ./configure && make && sudo make install nach /usr/local zu installieren. Zuvor gilt es hierfür noch fehlende Bibliotheken und Tools via sudo apt-get install libc6-dev libgtk2.0-dev libgtksourceview2.0-dev libaspell-dev gettext nachzureichen.

Prinzipiell wäre es möglich, Tea auch ohne Libgtksourceview2.0 zu kompilieren. Das schränkt aber die Syntaxhervorhebung ein. In dem Fall stoßen Sie den Configure-Lauf mit der Option --enable-legacy an. Das Programm Gettext benötigen Sie, damit das Interface von Tea später auf Deutsch erscheint. Darüber hinaus brauchen Sie Libaspell nur dann, wenn Sie Texte in Tea mittels Aspell auf die richtige Rechtschreibung prüfen möchten. Die im Test verwendeten Binärpakete kamen komplett daher.

Erste Schritte

Unter OpenSuse kümmert sich das Setup über YaST darum, dass Tea im Startmenü landet. Unter Ubuntu erledigen Sie dies entweder manuell (siehe Kasten "Anwendungsmenü erweitern") oder oder starten den Editor mittels tea im Terminal.

Anwendungsmenü erweitern

Manuell nachinstallierte Software erscheint unter Ubuntu 7.10 nicht automatisch im Anwendungsmenü. Damit Tea dort auftaucht, klicken Sie rechts Anwendungen und wählen den Eintrag Menüs bearbeiten. Dadurch öffnet sich ein Dialog, in dem Sie links die gewünschte Kategorie auswählen, zum Beispiel Zubehör.

Klicken Sie anschließend auf den Knopf Neuer Eintrag. Nach dem Festlegen des Namens für den neuen Eintrag (zum Beispiel Tea) und dem Eintragen des Befehls /usr/local/bin/tea wählen Sie noch ein Icon aus. Nach einem abschließenden Klick mit der Maus auf OK, starten Sie Tea unter Ubuntu über Anwendungen | Zubehör | Tea.

Gleich auf den ersten Blick macht der Editor einen sehr übersichtlichen Eindruck. Neben einem obligatorischen Menü und einer Icon-Leiste öffnet das Programm beim ersten Start die beiden Dateien News und ChangeLog in zwei Reitern mit Informationen zur laufenden Version. Diese liegen allerdings nur in Englisch vor – ein Hinweis auf die derzeit noch unvollständige Internationalisierung der Software.

Im unteren Fensterbereich, oberhalb der Anzeige der aktuell verwendeten Zeichenkodierung und unterhalb einer Statusanzeige, finden Sie eine Eingabeleiste. Diese arbeitet wahlweise als Suchleiste oder als Interface zum Öffnen von Dateien. Nach Eingabe eines Textes sorgt ein Klick auf das Lupensymbol für einen Suchlauf; ein Klick auf das Verzeichnissymbol öffnet die Datei, sofern Sie den Dateiname vorher bereits eingegeben haben. Ganz so komfortabel wie in einer echten Shell funktioniert der Dialog allerdings nicht: Platzhalter wie ~ und Variablen wie $HOME löst das Programm nicht auf. Beides würde im Terminal zum Heimatverzeichnis des aktuellen Nutzers expandiert.

Natürlich verfügt die Software zusätzlich über einen klassischen Dialog zum Öffnen, Speichern und Drucken von Dateien. Die entsprechenden Funktionen finden Sie auch unter Datei. Hier findet sich zudem ein Menüpunkt zur Notizbuch-Funktion. Dabei handelt es sich um die Datei crapbook.txt, die der Editor im Heimatverzeichnis unter .config/tea/ ablegt – so haben Sie Ihre Notizen immer schnell zur Hand.

Hinter dem Menüpunkt Bearbeiten verbergen sich klassische Funktionen wie Kopieren, Ausschneiden und Einfügen. Darüber hinaus gibt es ein paar Exoten: Swop vertauscht einen markierten Bereich mit dem Inhalt der Zwischenablage. Zeile hochgehen vertauscht die aktuelle Zeile mit der darüber befindlichen, Zeile herunter gehen mit der darauf folgenden.

Hinter den anderen Menüpunkten bietet Tea etwas mehr als die meisten anderen Editoren: Funktionen | UNIversal Text AnalyZer enthält Einträge zur Textanalyse. Via Suche | Find in files durchkämmen Sie das Dateisystem nach Dateien, die einen Suchtext enthalten. Unter Funktionen | Kalender startet einen Dialog zum Einfügen von Datumswerten, der sich auch auf den julianischen Kalender versteht und als Datumsrechner taugt. Hinter dem Menüpunkt Ausführen verbirgt sich eine Liste von externen Programmen, an die der Editor das aktuelle Dokument zur Anzeige oder zum Weiterverarbeiten übergibt.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • Ausbaufähiger Texteditor Enki im Test
    Ohne Schnörkel ermöglicht der Texteditor Enki ein routiniertes Arbeiten an einfachen Skripten und Texten.
  • CSV-Dateien bearbeiten mit dem Record Editor
    Beim Austausch von Tabellen dient das CSV-Format als kleinster gemeinsamer Nenner: Viele Programme speichern und importieren derartige Dateien. Komfortabel nachbearbeiten lassen sie sich per Texteditor – oder wesentlich komfortabler mit Record Editor.
  • Texteditoren für die Kommandozeile
    Konfigurationsdateien, Shell-Skripte oder einfache Notizen bearbeiten Sie nicht in einer Textverarbeitung: Ein Texteditor ist in diesem Fall das Mittel der Wahl. Streikt die grafische Oberfläche, bietet Linux auch einige Editoren für die Konsole.
  • Schreibarbeiten in der Shell
    Konfigurationsdateien, Shell-Skripte aber einfache Notizen bearbeiten Sie nicht in einer Textverarbeitung: Ein Texteditor ist in diesem Fall das Mittel der Wahl. Streikt die grafische Oberfläche, bietet Linux auch einige Editoren für die Konsole.
  • KDE-News
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 11/2014: VIDEOS BEARBEITEN

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Tim Schürmann, 24.06.2014 12:40, 0 Kommentare

Wer mehrere nützliche Live-Systeme auf eine DVD brennen möchte, kommt mit den Startmedienerstellern der Distributionen nicht besonders weit: Diese ...

Aktuelle Fragen

WLAN-Signalqualität vom Treiber abhängig
GoaSkin , 29.10.2014 14:16, 0 Antworten
Hallo, für einen WLAN-Stick mit Ralink 2870 Chipsatz gibt es einen Treiber von Ralink sowie (m...
Artikelsuche
Erwin Ruitenberg, 09.10.2014 07:51, 1 Antworten
Ich habe seit einige Jahre ein Dugisub LinuxUser. Dann weiß ich das irgendwann ein bestimmtes Art...
Windows 8 startet nur mit externer Festplatte
Anne La, 10.09.2014 17:25, 6 Antworten
Hallo Leute, also, ich bin auf folgendes Problem gestoßen: Ich habe Ubuntu 14.04 auf meiner...
Videoüberwachung mit Zoneminder
Heinz Becker, 10.08.2014 17:57, 0 Antworten
Hallo, ich habe den ZONEMINDER erfolgreich installiert. Das Bild erscheint jedoch nicht,...
internes Wlan und USB-Wlan-Srick
Gerhard Blobner, 04.08.2014 15:20, 2 Antworten
Hallo Linux-Forum: ich bin ein neuer Linux-User (ca. 25 Jahre Windows) und bin von WIN 8 auf Mint...