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Sympathisches Stinktier

Schlankes Live-System Grml mit kompletten Werkzeugkasten für die Shell

01.05.2008
Wer eine leistungsfähige Rescue-CD, eine komfortable Konsolenumgebung, ein System zum Testen auf Sicherheitsrisiken oder auch einen schlanken Desktop sucht, hat mit Grml immer die richtige Wahl getroffen.

Live-CDs gibt es heutzutage wie Sand am Meer – wozu also noch eine weitere? Grml [1] erfüllt, wie die meisten Live-Distrubutionen, einen speziellen Zweck: Es wendet sich speziell an Systemadministratoren und Freunde von textbasierten Tools – also jene, die vor der Konsole oder einem Terminal und der Shell darin keine Angst haben, sondern das Potenzial darin sehen und nutzen wollen.

Egal, ob Sie Daten retten möchten, ein Netzwerk debuggen oder mobil arbeiten – Grml bringt die dafür notwendigen Anwendungen von Haus aus mit: angefangen von DD-Rescue, Recoverjpeg und Testdisk über Tcpdump und Hping3 bis hin zu LaTeX und einer Vielzahl an Editoren und Shells. Je nach Version (siehe Kasten "Grml-Varianten") schwankt der Umfang der Programme.

Grml-Varianten

Es existieren mehrere Versionen von Grml: Die Live-CD mit etwa 650 MByte, eine Grml-small mit rund 60 MByte, und seit kurzem eine neue Version namens Grml-medium (mit etwa 170 MByte). Grml-small, der kleine Bruder von Grml, schränkt die mitgelieferte Software-Auswahl auf ein Minimum ein. Es läuft ein abgespeckter Kernel, außerdem verzichteten die Entwickler auf die Dokumentation. Darum besteht zwischen Grml und Grml-small ein gewaltiger Unterschied. Um die Kluft zwischen dem großen und dem kleinen Bruder zu schließen, riefen die Entwickler eine neue Variante ins Leben: Grml-medium.

Grml-medium liefert auf aktuell weniger als 200 MByte die wichtigsten Pakete für einen Systemadministrator mit. Im Gegensatz zu Grml-small ist der Kernel nicht abgespeckt, sondern mit jenem des vollständigen Grml identisch. Des Weiteren enthält Grml-medium die komplette Dokumentation sowie das X-Window-System. Wie den großen Bruder gibt es Grml-medium als 32-Bit und 64-Bit-Version.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Live-CDs verwendet Grml als interaktive Shell die Z-Shell (auch bekannt als Zsh). Die modular aufgebaute Zsh lässt sich sehr gut an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Das reicht vom Vervollständigungsmechanismus bis hin zu einer sehr mächtigen Skriptsprache, die die Shell gleich mitbringt (Abbildung 1). Leider fällt die Standardkonfiguration der Z-Shell gerade für Neulinge alles andere als attraktiv aus. Daher liefert Grml eine Konfiguration für die Z-Shell, mit Ihnen der Einstieg etwas einfacher fällt.

Abbildung 1: Die Z-Shell verwöhnt den Anwender mit einem umfangreichen Vervollständigungsmechanismus.

Das Z-Shell-Lovers-Projekt [2] dokumentiert in Form einer Manpage diverse Tipps und Tricks zur Z-Shell. Ein Referenzkarte auf der Website listet die wichtigsten Aliase, Funktionen und Einstellungen für die Z-Shell von Grml auf zwei A4-Seiten bereit.

Auf der Konsole

Grml startet ohne das X-Window-System oder eine grafische Oberfläche – obwohl Sie beides natürlich auf der CD finden. Grml fährt stattdessen mehrere Konsolen hoch – und zwar für die Kombinationen [Alt]+[F1] bis [Alt]+[F12] jeweils eine. Auf den ersten vier Konsolen loggt das System Sie bereits ein; darin läuft eine Screen-Session als Windowmanager.

Gleich nach dem Booten begrüßt Sie in der ersten Konsole ein textbasiertes Menü, das schnellen Zugang zu praktischen Skripten ermöglicht, wie der Netzwerkkonfiguration via Grml-network oder Netcardconfig, der Modifikation des Keyboard-Layouts oder für den Zugriff auf die Dokumentation via Grml-info (Abbildung 2).

Abbildung 2: Nach dem Booten begrüßt Sie Grml mit einer ausführlichen Information zu den nächsten Schritten.

Möchten Sie das X-Window-System trotzdem starten, erledigen Sie das über den Menüpunkt Grml-x oder den manuellen Aufruf (Abbildung 3). Grml-x erstellt dabei unter Einsatz von Hardware-Erkennung eine für das vorliegende System optimal angepasste Konfigurationsdatei und startet anschließend den X-Server sowie den angegebenen Windowmanager. Es stehen diverse kleine und schlanke Windowmanager zur Auswahl, darunter Awesome, DWM, Fluxbox, FVWM2, Openbox und WMII.

Abbildung 3: Grml bringt einige schlanke Windowmanager mit. Damit eignet sich das System auch für ältere Hardware als Desktop.

Troubleshooting

Stoßen Sie beim Start von Grml auf Probleme, bekommen Sie diese in der Regel mit den verschiedenen Optionen beim Start (Boot-Optionen) in den Griff, die Sie direkt in der Eingabezeile angeben können. Bereitet etwa die Bildschirmausgabe Probleme, hilft in der Regel das Deaktivieren des Framebuffers via vga=normal.

APCI gehört bei vielen Rechnern zu den Problemkindern; hier hilft meist das Booten mit noapic nolapic. Weitere Empfehlungen finden Sie sowohl in der mitgelieferten Datei grml-cheatcodes.txt, aber auch auf der Homepage und im Wiki [10]. Die Entwickler freuen sich über Feedback und haben für die Anliegen der Benutzer immer ein offenes Ohr.

Nützliche Tools

Auf den anderen Konsolen starten weitere nützliche Konsolentools. Auf der zweiten und dritten Konsole, die Sie [Alt]+[F2] beziehungsweise [Alt]+[F3] erreichen, läuft Screen mit der Zsh. Die weiteren drei Konsolen warten auf Ihre Eingaben. Die Konsolen 7 und 8 fungieren als Platzhalter für das X-Window-System, auf Konsole 9 lauscht ein Getty.

Auf Konsole 10 läuft Iptstate und liefert in Echtzeit einen Überblick über die Statustabellen von Iptables. Unter [Alt]+[F11] finden Sie Htop, einen Prozessmonitor mit einem benutzerfreundlichen Interface. Und auf der letzten aktiven Konsole dient schließlich Multitail als erweiterte Version von Tail zur Anzeige des Systemlog.

Da Grml auf Debian basiert, können Sie Pakete direkt aus dem Debian-Pool nachinstallieren. Fehlt die persönliche Lieblingssoftware also einmal, so ziehen Sie diese mittels des Paketmanagements wie gewohnt mit Apt-get oder Aptitude nach. Die Installation weiterer Software auf einer CD funktioniert natürlich grundsätzlich nicht. Aber durch den Einsatz des Overlaysystems Aufs [3] (Another Unionfs, von Junjiro Okajima) gelingt dies im RAM (zumindest temporär) trotzdem.

Die neue Version mit Codenamen "Skunk" (engl. für Stinktier) kommt mit dem Kernel 2.6.23.16 mit zusätzlichen Patches, wie Squashfs, Speakup und vielem mehr. Zusätzliche Treiber, wie zum Beispiel Atl2, Gspca, Madwifi und Tp-smapi, ermöglichen optimalen Hardware-Support. Wer einen Asus Eee-PC sein Eigen nennt, bekommt mit der neuen Grml unter anderem Support für WLAN und die Webcam out-of-the-box.

Neu hinzu kam der Support für Loop-AES und LZMA-Kompression für Squashfs, mit der sich trotz eines erweiterten Softwareangebots auf über 2500 Pakete gleichzeitig die ISO-Größe reduzieren ließ. Neben dem aktualisierten X.org 7.3 kamen 176 weitere Pakete neu hinzu, unter anderem FAI-client, FAI-server, Awesome, Open-iscsi und Openbox. Die weiteren Details zum neuen Release dokumentiert ein Announcement auf der Website.

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