Aufmacher

Shell im Webbrowser

Rechner im Browser mit Anyterm kontrollieren

01.05.2008
Erreichen Sie einen Server nicht mehr via SSH, erweist sich Anyterm unter Umständen als Rettungsanker, um den Rechner noch zu administrieren.

Fast jeder, der einen eigenen Server betreibt, möchte sich hin und wieder auf diesem einloggen – sei es, um die Log-Files auszuwerten, den Spamassassin zu trainieren, Dienste neu zu starten oder Sicherheitsupdates einzuspielen. In der Regel erfolgt der Zugriff via SSH auf der Kommandozeile. Falls Sie den Server auf diese Weise nicht erreichen – zum Beispiel, weil Sie hinter einer Firewall sitzen oder Ihnen nur Windows-Rechner ohne SSH-Client zur Verfügung steht – hilft Anyterm [1] weiter. Mit diesem Programm erhalten Sie Shell-Zugriff via Webbrowser.

Abbildung 1: Erreichen Sie einen Server nicht mittels SSH, hilft Anyterm mit einer Shell im Webbrowser weiter.

Das Programm stellt via Javascript ein Pseudoterminal bereit, welches Tastatureingaben zu einer auf dem Server befindlichen Shell oder einem anderen Programm weiterleitet. Anyterm erlaubt zwei Installationsvarianten: zum einen auf dem Server selbst oder gegen einen Jahresbeitrag von rund 16 Euro auf der Projektwebseite [2], von wo aus Sie auf einen Server zugreifen.

Auf der Anyterm-Webseite findet sich neben der stabilen Version 1.0, die aus dem Jahr 2005 stammt, eine Entwicklerversion 1.1. Diese arbeitet auf Wunsch auch als Standalone-Daemon [3]. Sie eignet sich daher für Server, auf denen kein Apache läuft. Langfristig liegt das Hauptaugenmerk auf dieser Standalone-Variante.

Um den Anyterm-Standalone-Daemon zu installieren, brauchen Sie den G++-Compiler ab Version 3 (empfohlen ab 4.0), die Boost-Bibliotheken (bei Debian libboost-dev, libboost-thread-dev und libboost-program-options-dev samt Abhängigkeiten) sowie Make. Anschließend holen Sie das Anyterm-Quelltextarchiv von der Heft-CD oder aus dem Netz [4] auf Ihren Rechner:

$ wget http://anyterm.org/download/anyterm-1.1.18.tbz2
$ tar xjf anyterm-1.1.18.tbz2

Danach wechseln Sie mit cd anyterm-1.1.18/daemon/ in das neue Verzeichnis und führen dort make aus. Hat das geklappt, erfahren Sie mit ./anytermd --help die möglichen Optionen, die der Daemon beim Start akzeptiert. Mit ./anytermd -p 8080 -a trivial lauscht der Anytermd auf Port 8080 und verwendet zum Authentifizieren eine Kombination aus Benutzernamen und Passwort. Letztere finden Sie in TrivialAuthenticator.hh im Anyterm-Verzeichnis.

Standardmäßig hört die Software auf den Nutzer foo mit dem Passwortblah. Möchten Sie das ändern, steht ein Neukompilieren des Programms an. Um den Server zu erreichen, gilt es zudem, den gewählten Port auf einer vorgeschalteten Firewall freizugeben. Registriert Anyterm 30 Sekunden lang keine Eingabe, trennt es die Verbindung automatisch.

Phil Endecott, der Entwickler von Anyterm, weist darauf hin, dass niemand das Programm bisher ernsthaft auf Sicherheitslücken überprüft habe. Falls Sie also Anyterm auf einem Server betreiben, starten Sie den Prozess tunlichst nicht als root und nutzen eine verschlüsselte Verbindung. Anyterm unterstützt SSL, Sie brauchen aber das entsprechende Apache-Modul mod_ssl zusätzlich. Auf der Projektwebseite finden Sie weitere Hinweise, wie Sie das Terminal absichern [5].

Fehler beim Kompilieren

Beim Kompilieren gab Make kurz vor dem Ende die Fehler /usr/bin/ld: cannot find -lboost_thread-mt bzw. /usr/bin/ld: cannot find -lboost_program_options-mt aus. Abhilfe schaffen Sie, indem Sie folgende Zeilen in die Kommandozeile eingeben:

# cd /usr/lib
# ln -s libboost_thread.a libboost_thread-mt.a
# ln -s libboost_thread.so libboost_thread-mt.so
# ln -s libboost_program_options.a libboost_program_options-mt.a
# ln -s libboost_program_options.so libboost_program_options-mt.so
Infos

[1] Anyterm: http://anyterm.org

[2] Anyterm auf dem zentralen Server: http://anyterm.org/my.html

[3] Standalone-Daemon: http://anyterm.org/standalone.html

[4] Download: http://anyterm.org/download/

[5] Sicherheitshinweise: http://anyterm.org/security.html

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • MP3s von Amazon im AMZ-Format herunterladen
    Wer heute Musik kauft, lädt sich in vielen Fällen das Album oder einzelne Stücke im MP3-Format herunter. Bei Amazon braucht man dazu für komplette Alben eine spezielle Software. Dieser Artikel aus der September-Ausgabe von FreiesMagazin stellt die Amazon-Software vor und zeigt freie Alternativen.
  • Linux-Webserver Monkey HTTP Daemon in Version 0.10.0 erschienen
    Mit Version 0.10.0 des Monkey HTTP Daemon betritt ein neues Webserver-Leichtgewicht für statische Inhalte die Open-Source-Bühne.
  • Drei Podcast-Clients im Vergleich
    Auf jeder zweiten Webseite stolpert der Internetnutzer mittlerweile über mindestens einen Videoclip. Die hier vorgestellten Tools versammeln die vielen schrägen Filmchen unter einem Dach.
  • Gemeinsames Management von Linux- und Windows-Systemen

    Microsoft hat die PowerShell Desired State Configuration Version 1 für Linux veröffentlicht. Mit der Plattform lassen sich die Konfigurationen von Windows- und Linux-Systemen mit einem einheitlichen Interface managen.
  • Shell-Zugriff per Webbrowser
    Eine Shell im Browser? PHPshell und Shell in a Box machen es möglich und erleichtern damit das Verwalten von Webservern auch ohne SSH-Zugang – beispielsweise aus dem nächsten Internet-Café.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 06/2015: Shell-Tools

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Grammatikprüfung in LibreOffice nachrüsten
Grammatikprüfung in LibreOffice nachrüsten
Tim Schürmann, 24.04.2015 19:36, 0 Kommentare

LibreOffice kommt zwar mit einer deutschen Rechtschreibprüfung und einem guten Thesaurus, eine Grammatikprüfung fehlt jedoch. In ältere 32-Bit-Versionen ...

Aktuelle Fragen

Konsole / Terminal in Linux Mint 17.1 deutsch
Dirk Resag, 09.05.2015 23:39, 12 Antworten
Hallo an die Community, ich habe vor kurzem ein älteres Notebook, Amilo A1650G, 1GB Arbeitsspe...
Admin Probleme mit Q4os
Thomas Weiss, 30.03.2015 20:27, 6 Antworten
Hallo Leute, ich habe zwei Fragen zu Q4os. Die Installation auf meinem Dell Latitude D600 verl...
eeepc 1005HA externer sound Ausgang geht nicht
Dieter Drewanz, 18.03.2015 15:00, 1 Antworten
Hallo LC, nach dem Update () funktioniert unter KDE der externe Soundausgang an der Klinkenbuc...
AceCad DigiMemo A 402
Dr. Ulrich Andree, 15.03.2015 17:38, 2 Antworten
Moin zusammen, ich habe mir den elektronischen Notizblock "AceCad DigiMemo A 402" zugelegt und m...
Start-Job behindert Bootvorgang, Suse 13.2, KDE,
Wimpy *, 20.02.2015 10:32, 4 Antworten
Beim Bootvorgang ist ein Timeout von 1 Min 30 Sec. weil eine Partition sdb1 gesucht und nicht gef...