Aufmacher

Rechner im Browser mit Anyterm kontrollieren

Shell im Webbrowser

Erreichen Sie einen Server nicht mehr via SSH, erweist sich Anyterm unter Umständen als Rettungsanker, um den Rechner noch zu administrieren.

Fast jeder, der einen eigenen Server betreibt, möchte sich hin und wieder auf diesem einloggen – sei es, um die Log-Files auszuwerten, den Spamassassin zu trainieren, Dienste neu zu starten oder Sicherheitsupdates einzuspielen. In der Regel erfolgt der Zugriff via SSH auf der Kommandozeile. Falls Sie den Server auf diese Weise nicht erreichen – zum Beispiel, weil Sie hinter einer Firewall sitzen oder Ihnen nur Windows-Rechner ohne SSH-Client zur Verfügung steht – hilft Anyterm [1] weiter. Mit diesem Programm erhalten Sie Shell-Zugriff via Webbrowser.

Abbildung 1: Erreichen Sie einen Server nicht mittels SSH, hilft Anyterm mit einer Shell im Webbrowser weiter.

Das Programm stellt via Javascript ein Pseudoterminal bereit, welches Tastatureingaben zu einer auf dem Server befindlichen Shell oder einem anderen Programm weiterleitet. Anyterm erlaubt zwei Installationsvarianten: zum einen auf dem Server selbst oder gegen einen Jahresbeitrag von rund 16 Euro auf der Projektwebseite [2], von wo aus Sie auf einen Server zugreifen.

Auf der Anyterm-Webseite findet sich neben der stabilen Version 1.0, die aus dem Jahr 2005 stammt, eine Entwicklerversion 1.1. Diese arbeitet auf Wunsch auch als Standalone-Daemon [3]. Sie eignet sich daher für Server, auf denen kein Apache läuft. Langfristig liegt das Hauptaugenmerk auf dieser Standalone-Variante.

Um den Anyterm-Standalone-Daemon zu installieren, brauchen Sie den G++-Compiler ab Version 3 (empfohlen ab 4.0), die Boost-Bibliotheken (bei Debian libboost-dev, libboost-thread-dev und libboost-program-options-dev samt Abhängigkeiten) sowie Make. Anschließend holen Sie das Anyterm-Quelltextarchiv von der Heft-CD oder aus dem Netz [4] auf Ihren Rechner:

$ wget http://anyterm.org/download/anyterm-1.1.18.tbz2
$ tar xjf anyterm-1.1.18.tbz2

Danach wechseln Sie mit cd anyterm-1.1.18/daemon/ in das neue Verzeichnis und führen dort make aus. Hat das geklappt, erfahren Sie mit ./anytermd --help die möglichen Optionen, die der Daemon beim Start akzeptiert. Mit ./anytermd -p 8080 -a trivial lauscht der Anytermd auf Port 8080 und verwendet zum Authentifizieren eine Kombination aus Benutzernamen und Passwort. Letztere finden Sie in TrivialAuthenticator.hh im Anyterm-Verzeichnis.

Standardmäßig hört die Software auf den Nutzer foo mit dem Passwortblah. Möchten Sie das ändern, steht ein Neukompilieren des Programms an. Um den Server zu erreichen, gilt es zudem, den gewählten Port auf einer vorgeschalteten Firewall freizugeben. Registriert Anyterm 30 Sekunden lang keine Eingabe, trennt es die Verbindung automatisch.

Phil Endecott, der Entwickler von Anyterm, weist darauf hin, dass niemand das Programm bisher ernsthaft auf Sicherheitslücken überprüft habe. Falls Sie also Anyterm auf einem Server betreiben, starten Sie den Prozess tunlichst nicht als root und nutzen eine verschlüsselte Verbindung. Anyterm unterstützt SSL, Sie brauchen aber das entsprechende Apache-Modul mod_ssl zusätzlich. Auf der Projektwebseite finden Sie weitere Hinweise, wie Sie das Terminal absichern [5].

Fehler beim Kompilieren

Beim Kompilieren gab Make kurz vor dem Ende die Fehler /usr/bin/ld: cannot find -lboost_thread-mt bzw. /usr/bin/ld: cannot find -lboost_program_options-mt aus. Abhilfe schaffen Sie, indem Sie folgende Zeilen in die Kommandozeile eingeben:

# cd /usr/lib
# ln -s libboost_thread.a libboost_thread-mt.a
# ln -s libboost_thread.so libboost_thread-mt.so
# ln -s libboost_program_options.a libboost_program_options-mt.a
# ln -s libboost_program_options.so libboost_program_options-mt.so
Infos

[1] Anyterm: http://anyterm.org

[2] Anyterm auf dem zentralen Server: http://anyterm.org/my.html

[3] Standalone-Daemon: http://anyterm.org/standalone.html

[4] Download: http://anyterm.org/download/

[5] Sicherheitshinweise: http://anyterm.org/security.html

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

Kommentare

Infos zur Publikation

LU 04/2017: SPEZIAL-DISTRIBUTIONEN

Digitale Ausgabe: Preis € 5,95
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Aktuelle Fragen

WLAN lässt sich nicht einrichten
Werner Hahn, 21.03.2017 14:16, 0 Antworten
Dell Latitude E6510, Ubuntu 16.4, Kabelbox von Telecolumbus. Nach Anklicken des Doppelpfeiles (o...
"Mit Gwenview importieren" funktioniert seit openSuse 42.2 nicht mehr
Wimpy *, 20.03.2017 13:34, 2 Antworten
Bisher konnte ich von Digitalkamera oder SD-Karte oder USB-Stick Fotos mit Gwenview importieren....
Ich habe eine awk Aufgabe und bekomme es nicht so Recht hin
Dennis Hamacher, 10.03.2017 18:27, 1 Antworten
Ich hoffe Ihr könnt mir dabei helfen oder mir zeigen wie der Befehl richtig geschrieben wird. Ich...
Unter Linux Open Suse Leap 42.1 einen Windows Boot/ ISO USB Stick erstellen...
Tim Koetsier, 07.03.2017 15:26, 1 Antworten
Hallo, weiß jemand wie ich oben genanntes Vorhaben in die Tat umsetzen kann ? Wäre echt dankba...
Druckertreiber installieren OpenSuse42.1
Tim Koetsier, 07.03.2017 15:22, 1 Antworten
hallo, kann mir BITTE jemand helfen ich verzweifel so langsam. Habe einen Super Toner von Canon...