Aufmacher

Linux to go

Knoppix 5.3.1

01.05.2008
Die Linux-Distribution Knoppix ist der Quasistandard unter den Live-Systeme. Nach über einem Jahr Release-Pause hat Klaus Knopper jetzt die Version 5.3 freigegeben.

Knoppix ist schon seit Jahren der Platzhirsch der Spezies "Linux-ohne-Installation" [1]. Am 22. März – eben noch rechtzeitig für unsere Heft-DVD – sollte nach gut einem Jahr Pause das Release der Version 5.3 erfolgen. In letzter Minute identifizierte Klaus Knopper jedoch noch einige Bugs und verschob die Freigabe um mehrere Tage. Das finale Image von Knoppix 5.3.1 schaffte es so eben noch auf unsere Heft-DVD. Allerdings kann sich die quasi in letzter Minute aufgeschlagene Version auf unserem Datenträger in Details von der folgenden Beschreibung unterscheiden. Das betrifft insbesondere die KDE-4-Variante, an der Klaus Knopper noch kräftig nachgeschliffen hat.

Die Katze aus dem Sack

Unter Knoppix 5.3 werkelt der Linux-Kernel 2.6.24, für die graphische Darstellung zeichnet X.org 7.3 verantwortlich. Als grafische Oberflächen dienen KDE 3.5.8/4.0.1, Gnome 2.20 und XFCE 3.8/4.4.2 daher, die Sie per Boot-Option (siehe Kasten "Bootoptionen") beim Start anwählen. In der Programmrubrik "Internet" finden sich neben Evolution 2.12.3 und den Chat-Programmen Pidgin 2.3.1 und Kopete 3.5.8 auch die Debian-Varianten von Firefox und Thunderbird namens Iceweasel 2.0 und Icedove 2.0. OpenOffice kommt in Version 2.3.1 daher, der Graphik-Allrounder Gimp in Release 2.4.3. Für Entwickler wartet Knoppix 5.3 neben diversen Programmiersprachen auch mit der Entwicklungsumgebung Eclipse 3.2.2 auf. Damit ist natürlich noch lange nicht Schluss: Dank transparenter Kompression bringt die Knoppix-DVD rund 9 GByte an Programmen mit

Bootoptionen

Im Regelfall genügt es, Knoppix ohne weitere Angaben zu starten. Wünschen Sie aber statt KDE 3.5.8 (Abbildung 1) eine andere Oberfläche oder macht Ihr Computer wider Erwarten Probleme beim Booten, dann können Sie vor dem Systemstart Boot-Parameter angeben, die das Verhalten von Knoppix beeinflussen. Wollen Sie beispielsweise die neue KDE-Version 4.0.1 testen (Abbildung 2), so geben Sie beim Booten auf Anforderung den Bootparameter knoppix desktop=kde4 an. Die gängigsten Parameter verrät Knoppix Ihnen an der selben Stelle auf einen Druck auf [F2] oder [F3]. Eine vollständige Übersicht findet sich darüber hinaus auf der DVD unter /crom/KNOPPIX/knoppix-cheatcodes.txt.

Abbildung 1: Knoppix 5.3 startet standardmäßig KDE 3.5.8 als Desktop-Umgebung.
Abbildung 2: Offensichtlich von Kubuntu geborgt: Knoppix 5.3 bringt KDE 4.0.1 mit.

Auf die Plätze, fertig, los!

Knoppix kommt als vollständig vorkonfiguriertes System daher. Als minimale Systemvoraussetzungen nennt Klaus Knopper eine Intel-kompatible CPU (ab i486), mindestens 32 MByte Hauptspeicher (Textmodus) respektive 128 MByte RAM (zum Arbeiten mit Office unter KDE), ein bootfähiges CD-ROM Laufwerk, eine SVGA-kompatible Grafikkarte sowie eine Standardmaus (seriell, PS/2 oder IMPS/2-kompatible USB-Maus). Im Test erkannte und initialisierte Knoppix 5.3 alle Hardware-Komponenten vollständig. Ebenso selbstverständlich erkennt Knoppix im laufenden Betrieb angesteckte Wechselmedien (Abbildung 3).

Abbildung 3: Wie es sich für ein gutes Linux gehört, erkennt auch Knoppix eingesteckte Wechselmedien automatisch.

Nach dem Starten sind Sie automatisch als der Benutzer knoppix angemeldet. Auf den ersten Blick hinterlässt die Oberfläche einen zwiespältigen Eindruck. Aufgrund der automatisch aktivierten 3D-Unterstützung der Grafikkarte feuert KDE alle visuellen Effekte ab: Fenster schließen sich nicht einfach, sondern wabern davon oder brennen ab; virtuelle Desktops rotierten umher, und so fort. Für ein Rettungssystem erscheinen derartige Gimmicks als eher überflüssig.

Anders herum ist es für ein Desktop-System unschön, dass ein nachträglich angesteckter USB-Drucker nicht automatisch erkannt wurde, sondern manuell via KDE-Menü | KNOPPIX | Konfiguration | Drucker konfigurieren eingerichtet werden musste – wobei der Testdrucker, ein HP PSC 1315, nicht einmal in der Treiberliste (Abbildung 4) auftauchte.

Abbildung 4: Leider taucht der Druckertreiber unseres Testdruckers (HP PSC 1315) nicht in der Treiberliste auf, der 1310er Treiber tut's aber auch.

Der Teufel liegt im Detail

Bei genauerem Hinsehen finden sich ein paar Makel: So enthält das KDE-Menü einige Doppeleinträge. Wie Abbildung 5 zeigt, tauchen neben Hilfe und Datei/Ordner Suchen noch weitere Menüeinträge doppelt auf. Der Grund dafür: Sowohl KDE-3- als auch KDE-4-Programme warten auf ihren Einsatz und nutzen im Menü die gleichen Namen. Die eine Hilfe gehört demnach zu KDE 3 und kommt in Deutsch daher, wohingegen die KDE-4-Hilfe Englisch spricht (Abbildung 6). Andere Distributionen lösen diese Koexistenz dadurch, dass sie Duplikaten die jeweilige Versionsnummer mitgeben.

Abbildung 5: Das KDE-Menü enthält überflüssige Doppeleinträge.
Abbildung 6: Sprachenwirrwar: KDE4-Applikationen können auch unter KDE3 benutzt werden, sprechen dort aber Englisch.

Fazit

Knoppix war schon immer etwas mehr als ein rein textbasiertes Rettungssystem. Dennoch fällt auf, dass sich die weitere Entwicklung zunehmend in Richtung Desktop-System verschiebt. Sicherlich ist der Ansatz, das Grundsystem von DVD oder CD zu booten und nur die persönlichen Daten auf einem USB-Stick oder dergleich zu speichern, durchaus interessant – trotzdem geben die meisten Anwender einem fest installierten Linux den Vorzug. Immerhin lasst sich auch Knoppix 5.3 auf die Festplatte übertragen und dort von eventuell als Ballast Empfundenem befreien. Es funktioniert dann wie eine "normale" Debian-basierte Distribution. Als Leitfaden dazu hilft beispielsweise das Knoppix-Kompakt-Buch [2] von Galileo.

Infos

[1] Homepage von Knoppix: http://www.knopper.net/knoppix/

[2] Openbook "Knoppix kompakt": http://www.galileocomputing.de/openbook/knoppix/

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

Kommentare