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Grenzenlos und barrierefrei

Gnome 2.22 im Überblick

Entwicklungszentrum

Seit Version 2.20 liefert Gnome den Oberflächengenerator Glade mit aus. Die integrierte Entwicklungsumgebung Anjuta [10] (Abbildung 10) empfanden einige als noch nicht ausgereift genug, und so verschob sich die Integration auf dieses Frühjahr. Die Gnome-IDE glänzt mit allerhand nützlichem für Entwickler, wie einem integrierter Debugger, Schnittstelle zu Valgrind, dem Verwalten von Todos, einer Autotools-Generierung sowie einer CVS-/SVN-Anbindung

Anjuta beherrscht neben C/ C++ auch Java sowie die noch sehr junge Sprache Vala [11], die speziell auf die Bedürfnisse des GObject-Typsystems zugeschnitten ist. Über Plugins erweitern Sie die Entwicklungsumgebung praktisch beliebig. So steht das Programm dem der Konkurrenz in fast nichts nach. Derzeit sammeln die Entwickler im Web [12] Ideen für die nächste große Anjuta-Version, die das Team zeitgleich mit Gnome 2.24 Mitte September diesen Jahres herausbringen möchte.

Abbildung 10: Die integrierte Entwicklungsumgebung gehört mit Gnome 2.22 zum festen Inventar. Mit ihr setzen Sie auch große Projekte relativ einfach um.

Ausblick

Trotz sechsmonatigen Veröffentlichungszyklus, den sich die Entwickler seit Gnome 2.0 auferlegt haben, schafften eine Fülle neuer Features und immerhin vier neue Programme den Einzug in den Desktop. Distributoren und Hersteller, die auf den freien Desktop setzen, profitieren weiterhin von pünktlichen Versionsfreigaben.

Das am 14. März in Berlin zu Ende gegangene Gtk+-Hackfest [13] hat den Weg zur nächsten Gtk+-Generation aufgezeigt. Die Entwickler sind sich einig, dass bis zur Release der nächsten Major-Version des Toolkits noch etwas Zeit vergeht. Vorher wäre nicht mit einer neuen Gnome-Generation zu rechnen. Dafür gibt es auch keinen Grund, denn die derzeitige Architektur bietet noch Potential, und viele Ziele, wie das Ridley-Projekt [14], befinden sich noch im Fluss.

Die Macher sammeln schon Ideen für Gnome 2.24 [15]. Unter anderem möchten sie bis Mitte September den runderneuerten VoIP-Client Ekiga [16] fertig stellen. Empathy [17], ein Instant-Messenger-Client ähnlich Pidgin [18], hat es in die aktuelle Release nicht geschafft. Mit Hochdruck arbeiten die Entwickler an dessen Integration in den Kern von Gnome. Auch an Nautilus schrauben sie derzeit kräftig: Eine neue Spalten- und Listenansicht gibt es bereits, sie wartet nur noch auf die Integration.

Glossar

D-Bus

Der Desktop-Bus ermöglicht die Punkt-zu-Punkt-Kommunikation zwischen verschiedenen Anwendungen untereinander. Er kombiniert die Vorteile der Vorgänger DCOP und Orbit aus dem KDE- respektive Gnome-Projekt.

HAL

Der Hardware Abstraction Layer schafft eine zusätzliche Abstraktionsschicht zwischen der Hard- und Software. So brauchen Anwendungen keine Rücksicht auf Besonderheiten verschiedener Computerarchitekturen zu nehmen. HAL setzt unter anderem auf D-Bus auf.

WebDAV

Web-based Distributed Authoring and Versioning. Ein Webstandard zur Bereitstellen von Daten. Er erweitert das Protokoll HTTP/1.1 in der Weise, dass es dem Benutzer den Zugriff auf Daten ermöglicht.

Fuse

Filesystem in Userspace. Ein Kernel-Modul, das es nicht privilegierten Benutzern ermöglicht, Dateisysteme einzuhängen. Beispiele dafür sind NTFS-3G für den Lese-/Schreibzugriff auf Windows-Partitionen und GMailFS, das den Zugriff auf Postfächer erlaubt.

Bonobo

Die mittlerweile veraltete Komponentenarchitektur von Gnome 1.x/2.x. Seit etwa zwei Jahren verbannen die Entwickler die Altlast und ersetzen sie schrittweise durch neue Plugin-Infrastrukturen beziehungsweise D-Bus.

Compositing-Manager

Ein Teil des Fenster-Managers, der unter anderem Anwendungsfenster mit visuellen Effekten, wie Schlagschatten, echter Transparenz oder Ein- und Ausblenden versieht.

Avahi

Eine freie Implementation von Zeroconf zum Erkennen von Netzwerkdiensten. Sie ermöglicht es, andere Rechner im Netz ohne die sonst notwendigen manuellen Konfigurationsschritte zu finden.

PPPoE

PPP over Ethernet. Technik zum Einsatz des verbreiteten Netzwerkprotokolls PPP über eine Ethernet-Verbindung.

GObject

Typsystem für C und Grundlage für praktisch alle Gtk+- und Gnome-Programme. Durch die Wahl der Programmiersprache C fällt es sehr leicht, Anbindungen für andere Sprachen zu schreiben, wie zum Beispiel C++, C#, Java, Python oder Perl. GObject bietet objektorientierte Ansätze, die vor allem aus der C++- oder der Java-Welt bekannt sind.

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Infos zum Autor

Christian Meyer

Linux-Nutzer seit 1996, aktiv bei Gnome zwischen 2000 und 2006.


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