Aufmacher

Pfusch am Bau

Duden Korrektor für OpenOffice.org

01.05.2008
Der Duden-Verlag glänzte bislang durch gute Lexika-Software und enttäuschte mit der Korrektor-Starterbox. Wir nehmen nun den großen Korrektor für OpenOffice unter die Lupe.

Produkte der Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG – kurz: Bifab – sind im deutschsprachigen Raum jedermann ein Begriff. Neben vielen gedruckten Nachschlagewerken, die unter den Namen Langenscheidt, Meyer, Brockhaus und Duden erscheinen, hat sich das Unternehmen vor allem auch durch ein reichhaltiges Angebot an Lexika auf CD-ROM und DVD sowie die dazu gehörige Software profiliert. Unter der stetig wachsenden Zahl der Softwareangebote für den Bildungsbereich finden sich auch etliche Linux-Versionen. Doch damit nicht genug: Für die freie OpenOffice-Suite bietet der Verlag aus Mannheim einen "Korrektor" an, also eine Rechtschreibprüfung (siehe Kasten "Produktüberblick").

Produktüberblick

Duden Korrektor für OpenOffice.org

Preis: 19,95 Euro

ISBN: 978-3-411-06655-1

http://www.bifab.de

Der Korrektor für OpenOffice erregt unsere Aufmerksamkeit, weil sich bereits auf dem Verkaufskarton neben mehreren anderen Symbolen ein kleiner Pinguin mit der Umschrift "Linux Powered" findet. In der Rubrik Systemvoraussetzungen redet der Hersteller dann Klartext: Neben einem Pentium-kompatiblen PC gibt er dort als Voraussetzung OpenSuse 10.2 oder Ubuntu 6.06.1 LTS mit OpenOffice in der Version 2.0.2 an. Zudem empfiehlt er als Desktop-Umgebung Gnome oder KDE.

Weder die beiden genannten Linux-Distributionen noch die OpenOffice-Version 2.0.2 entsprechen dem aktuellen Stand der Technik. Das erlaubt die Annahme, dass es sich bei den Angaben um Mindestvoraussetzungen handelt. Dass der OpenOffice-Korrektor zudem auf dem Verkaufskarton mit einer Grammatikprüfung für den Writer, dem Prüfen der Zeichensetzung und von Abkürzungen sowie der Korrektur von Groß- und Kleinschreibung und auch zusammengesetzter Begriffe für Calc, Impress und den Writer lockt, erleichtert auf den ersten Blick den Kauf.

Chaos unter Ubuntu

Die Verkaufsverpackung erweist sich als sehr großzügig bemessen: Der gelbe Karton enthält außer einer Werbebroschüre für weitere Duden-Produkte nur die CD-ROM mit einer exakt neun Zeilen umfassenden Installationsanleitung für die Linux-Variante. Aus dieser geht hervor, dass ein auf der CD-ROM befindliches Skript mit Root-Rechten auszuführen sei. Zusätzlich zu den außen auf dem Karton genannten Voraussetzungen benötigt die Software noch den Kchmviewer, unter Ubuntu verlangt das Setup nach dem Repository universe.

Wir erfüllen brav die geforderten Voraussetzungen und sehen uns danach etwas auf der CD-ROM um. Im Stammverzeichnis befinden sich neben einem Sammelsurium verschiedenster Lizenzen zwei Unterverzeichnisse mit dem Namen SUSE und Ubuntu sowie ein im PDF-Format vorliegendes deutschsprachiges Handbuch und ein Shellskript mit Namen Linux-Install.sh. Mit dem Befehl sh Linux-Install.sh rufen wir das Installationsskript als root im Terminal auf und erhalten prompt eine Reihe von Fehlermeldungen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Unter Dapper Drake produziert das Setup kein brauchbares Ergebnis.

Die Meldungen suggerieren, dass das Testsystem defekte Pakete enthält, was angesichts eines frisch aufgesetzten Ubuntu 6.06.1 LTS seltsam anmutet. Die Kontrolle des Systemzustands mittels Synaptic führt daher zu keinem entsprechenden Ergebnis, so dass wir uns im Handbuch nach einem möglichen Hinweis umsehen. Hier bleiben wir aber im Regen stehen: Das Handbuch beschäftigt sich auf gut der Hälfte der insgesamt 41 Seiten mit möglichen Grammatikfehlern des Anwenders – zur Installation der Software findet sich jedoch nicht ein einziges Wort.

Wir wenden uns daher an den Support der Bifab AG, die die Mailadresse hotline@duden.de als Kontakt für Kunden angibt. Doch die angebliche Hotline entpuppt sich als absolute Sackgasse: Auf unsere drei Anfragen reagiert die Bifab nicht.

So schauen wir uns auf der CD-ROM im Ordner Ubuntu um und finden in dessen Unterordner Duden-Korrektor drei DEB-Pakete. Wir versuchen daher, das gut 110 MByte große Paket libdpf_1.2_i386.deb manuell mit dem Befehl dpkg -i libdpf_1.2_i386.deb auf der Festplatte unterzubringen, was jedoch wegen angeblich defekter Pakete erneut fehlschlägt. Bei den beiden anderen im Ordner Duden-Korrektor befindlichen Debian-Paketen scheitert die Installation ebenfalls wegen unerfüllter Abhängigkeiten zur Libdpf-Bibliothek. Entnervt geben wir hier auf und versuchen unser Glück unter Ubuntu 7.04.

Auch unter Feisty Fawn schlägt die Installation der Bifab-Software mittels Shell-Skripts fehl. Zur großen Freude gelingt jedoch wider Erwarten die manuelle Installation der drei DEB-Archive. Um die Abhängigkeiten zu erfüllen, gilt es dabei zunächst libdpf_1.2_i386.deb sowie dpfserv_4.0.1_i386.deb einzurichten, doos_4.0.1_i386.deb dann am Schluss.

Nach erfolgreicher Installation finden sich in der oberen Schalterleiste von OO Writer links drei auffällige gelbe Buttons, die sich eindeutig dem Duden-Korrektor zuordnen lassen. Obendrein verfügt die Menüleiste über einen zusätzlichen Eintrag Duden. In Calc und Impress überlagert oben links ein kleines Addon-Fenster mit den drei Duden-Symbolen die Buttonleiste. Auch hier findet sich das zusätzliche Duden-Menü.

Deaktivieren Sie im Menü Extras | Optionen | Spracheinstellungen | Linguistik nun alle Sprachmodule außer dem des Duden-Korrektors, um Probleme durch verschiedene aktive Module zu vermeiden (Abbildung 2).

Abbildung 2: Damit der Duden-Korrektor richtig arbeitet, deaktivieren Sie in OpenOffice alle anderen Rechtschreibmodule.

Was denn?

Nach diesen kleinen Vorarbeiten hält der Korrektor jedoch weitere Überraschungen parat: Auf einen Klick auf den rechten Duden-Button zum Einstellen der Optionen reagiert das Programm mit einem interessanten Hinweisfenster: Die Software klärt darüber auf, dass angeblich eine Demoversion im Einsatz ist, die nach 60 Tagen, spätestens jedoch am 28.02.2006, abläuft. Obendrein bietet sie den bereits für 19,95 Euro erworbenen Korrektor nochmals zum "Vorzugspreis" von 29,95 Euro an (Abbildung 3).

Abbildung 3: Statt Konfigurationsdialog öffnet sich ein veraltetes Hinweisfenster beim Korrektor.

Verärgert brechen wir den Vorgang ab, ohne den selbstverständlich vorhandenen Button Kaufen zu betätigen. Hier liegt offensichtlich ein Lizenzproblem vor, und nach einer aufwendigen Recherche der Ursache stellt sich heraus, dass der Fehler auf eine auf der Festplatte nicht vorhandene Lizenzdatei zurückgeht. So kopieren wir die auf der CD-ROM befindliche Datei licence.txt in das Unterverzeichnis /usr/share/doos. Das Programm fragt diese verschlüsselte Datei beim Aufruf ab. Fehlt sie am angegebenen Ort, so erlaubt das Programm keinen Zugriff auf die Optionen. Diese legen aber fest, mit welcher Strenge die Software korrigiert: Die Palette reicht dabei von Duden-Empfehlungen bis tolerant, wobei unklar bleibt, was Korrekturmethoden wie progressiv, konservativ, Presse oder tolerant bewirken.

Der mittlere Button mit dem Symbol einer Lupe erfüllt keinerlei Korrekturaufgaben, sondern öffnet – soweit vorhanden – die ebenfalls aus dem Hause Bifab stammende Office-Bibliothek mit entsprechenden Nachschlagewerken. Haben Sie keine Lexika der Office-Bibliothek erworben, so bleibt der Knopf ohne Funktion.

Nach all den unerfreulichen Hindernissen und Unklarheiten wollen wir den Korrektor nun endlich in Aktion sehen: Ein zweiseitiger Text im Writer stellt das Programm auf eine erste Probe. Zunächst benötigt die Software einige Sekunden, um ein Cache-Verzeichnis anzulegen und die Daten zu laden. Dann öffnet sich ein in drei Abschnitte geteiltes Fenster, dessen oberer Bereich die jeweils geprüfte Textstelle anzeigt. Im mittleren Teil schlägt das Programm bei Unklarheiten Alternativen zur vorhandenen Schreibweise vor, während es unten im Fenster Hinweise zu Orthografie, Interpunktion oder Grammatik gibt.

Während die Rechtschreibkorrektur bei einfachen Schreibfehlern durchaus passabel arbeitet, strengt der Korrektor bei komplizierteren Wortzusammensetzungen und technischen Begriffen die Lachmuskeln an: So mahnt er die korrekte Schreibweise von OpenOffice ebenso an (Abbildung 4) wie diverse vermeintliche grammatikalische Schwächen (Abbildung 5).

Abbildung 4: Der OpenOffice-Korrektor mahnt die selbstverwendete Schreibweise der freien Office-Suite an.
Abbildung 5: Die Grammatikprüfung bringt nur einen zweifelhaften Nutzen.

Zudem fallen einige technische Unzulänglichkeiten auf: So schaffte es der Korrektor im Test nicht ein einziges Mal, ein mehrseitiges Dokument komplett in einem Durchgang zu prüfen. Immer wieder nahm die Software stattdessen bereits korrigierte Absätze erneut unter die Lupe, indem sie ein zweites Mal an den Anfang des bereits geprüften Absatzes sprang. Dabei mahnte sie genau jene Textstellen an, die wir zuvor durch Betätigen des Schalters Einmal ignorieren übergangen hatten.

Teilweise gelang es nicht, ein Dokument komplett zu prüfen. So signalisierte das Programm zwar, dass die Rechtschreibprüfung abgeschlossen sei. Offensichtlich vorhandene orthografische Fehler erkannte der Korrektor jedoch nicht und korrigierte folglich auch nicht automatisch (Abbildung 6).

Abbildung 6: Trotz eines offenkundigen Fehlers in der letzten Zeile beendet der Korrektor die Rechtschreibprüfung.

Stattdessen monierte er vermeintliche grammatikalische Fehler, die sich bei näherem Prüfen jedoch als nicht existent erwiesen. Extrem ärgerlich gestaltete sich zudem die automatische Korrekturfunktion der Duden-Software: Hier ersetzte das Plugin munter korrekte technische Begriffe, die wir zuvor in einem manuellen Prüflauf den Wörterbüchern hinzugefügt hatten, durch falsche, sodass der gesamte Text nochmals manuell durchgesehen und korrigiert werden musste.

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