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Auf Achse

Drei Notebooks im Linux-Test

01.05.2008
Auf dem PC-Markt geht der Trend eindeutig in Richtung Notebooks. Wir nehmen drei aktuelle Exemplare bis 13 Zoll Display-Diagonale unter die Lupe.

Tragbare Rechenknechte gibt es in verschiedenen Konfektionsgrößen. Der nur noch bedingt tragbare Desktop-Ersatz kommt mit bis zu 19 Zoll großen Displays, das Durchschnittsnotebook bringt es bis auf 15 Zoll Bilddiagonale. Und schließlich gibt es noch die ultraportablen Begleiter mit Anzeigeformaten von 13 Zoll und darunter.

In letztgenannten Bereich kommt es neben der Größe insbesondere auch auf Gewicht und Standfestigkeit des Akkus an. Der Anspruch an die portablen Begleiter fällt hier recht individuell aus: Zählen für den einen die Abmessungen, weil der Computer möglichst in den Aktenkoffer passen muss, kommt es anderen mehr auf geringes Gewicht und ausdauernden Akkubetrieb an. Wir testen drei Notebooks mit einer Displaygröße von 12 bis 13 Zoll auf Linux-Tauglichkeit. Als Distributionen kommen OpenSuse 10.3 und Ubuntu 7.10 zum Einsatz.

Nexos Osiris S620 II

Betrachtet man das Notebook von Nexoc [1], das den Namen eines ägyptischen Gottes trägt, fällt der Blick erst einmal auf das außergewöhnliche Äußere. Bildschirmdeckel und Tastatur erstrahlen in Weiß. Ebenso wohl wie die Augen fühlen sich die Hände auf dem Notebook: Die Tastatur klickt sich angenehm leise und mit leichtem Widerstand, ohne dabei zu klappern oder durchzubiegen. Der weiße Klavierlack zeigt sich kratzanfällig, was die Verwendung der im Preis mitgelieferten stabilen Notebooktasche empfiehlt. Als nachteilig für die Arbeit unterwegs und in schwieriger räumlicher Lage erweist sich der begrenzte Öffnungswinkel des Deckels – mehr als 130 Grad sind nicht möglich. Ein Umstand, mit dem das Nexoc nicht allein im Test war: Auch das MacBook krankt daran.

Das Testgerät kommt in einer Ausstattung, die bis auf das Fehlen eines Bluetooth-Moduls ganz bodenständig ausfällt. Ein Intel-Core2-Duo mit 2 GHz Taktfrequenz, 2 GByte Hauptspeicher, 160 GByte Festplatte und ein CD/DVD-RAM-Laufwerk bilden die Eckdaten. Für die Kommunikation sorgen eine 100-Mbit/s-Netzwerkkarte, ein analoges Modem und ein Intel-WLAN-Modul. Für die 3D-Unterstützung baut Nexoc auf die bewährte Intel-Grafikkarte GMA-X3100. Ein 7-in-1-Speicherkartenleser rundet die Hardwaredaten ab.

Gute Hardwarekomponenten und eine gute Haptik sind nur die halbe Miete. Mit der Installation von OpenSuse und Ubuntu testen wir die Linux-Tauglichkeit. Nexoc liefert das Gerät grundsätzlich ohne Betriebssystem aus und legt lediglich Hardwaretreiber für Windows mit bei. Das Aufspielen der zwei Distributionen verläuft dennoch problemlos.

Die Auflösung des WXGA-Displays, das ein scharfes und ausreichend helles Bild wiedergibt, richtet lediglich OpenSuse richtig ein. Ubuntu zeigt eine Mischung aus einer WXGA- und einer 1024x768-Pixel-Auflösung (Abbildung 1). Obere und untere Panelleiste füllen den Bildschirm nur zu dreiviertel aus, wobei sich die obere nicht auf die volle Breite ziehen lässt. Nach erfolgloser Fehlersuche verblieb nur ein Workaround: Ersetzen Sie die Konfigurationsdatei des X-Servers xorg.conf durch diejenige von OpenSuse 10.3. Danach stellt auch Ubuntu die richtige Auflösung dar.

Abbildung 1: Unter Ubuntu zeigt der X-Server eine Auflösung an, die wie einer Mischung aus WXGA und XGA aussieht.

Das automatische Heruntertakten des Prozessors ("Speedstepping") funktioniert dagegen bei beiden Systemen sofort – genau wie die Möglichkeit, die Bildhelligkeit mit den Funktionstasten zu regeln. Für die weiteren Hardwarekomponenten wie Sound, LAN und WLAN laden beide Distributionen die richtigen Module. Ein wenig Nacharbeit verlangt die Soundausgabe über die Kopfhörer: Hier schaltet das Notebook die externen Lautsprecher nicht ab, wenn Sie Kopfhörer anschließen. In den Mixereinstellungen von KDE und Gnome stehen dafür aber getrennte Kanäle zur Verfügung, mit denen Sie dieses Problem aus der Welt schaffen.

Der Cardreader des Nexos arbeitet nur unter Ubuntu auf Anhieb. Unter OpenSuse mit Kernel 2.6.22 ist das dafür zuständige sdhci-Modul für den verwendeten Chipsatz defekt und verweigert ohne eine Rückmeldung den Dienst. Hier hilft momentan nur, einen eigenen Kernel der Version 2.6.24 zu kompilieren.

Über die drei Sondertasten am Notebook starten das E-Mail-Programm und der Webbrowser. Der dritte Schalter zwingt den Lüfter in eine niedrigere Drehzahl. Benutzen Sie diesen Flüstermodus aber mit Bedacht, da ihn das System bei steigender Temperatur nicht zuverlässig deaktiviert. Grundsätzlich arbeitet der Lüfter abhängig von der Prozessorlast und Temperatur auf verschiedenen Niveaus. Die erste Stufe ist leise, aber hörbar – und in der Regel ständig in Betrieb. Steigen die Anforderungen an die CPU, erhöht sich auch die Geräuschkulisse merklich.

Schlecht als mobiler Begleiter eignet sich das Gerät in Verbindung mit dem 4-Zellen-Akku, der im Test eine Laufzeit von lediglich rund 100 Minuten ermöglichte. Hier können Sie beim Hersteller Akkus mit höherer Kapazität ordern. Um die Arbeitszeit unterwegs zu verlängern, lohnt es, den Rechner in den Pausen in einen Ruhezustand zu versetzen. Unter Ubuntu funktionieren die beiden Modi Suspend-to-RAM und -Disk meist. Mit OpenSuse wachte das Notebook dagegen nicht wieder auf. Ein solider Ruhezustand war erst nach einem Patch des 2.6.24-Kernels auf Version 2.6.25 möglich. Um das Gerät zum Schlafen in den RAM zu schicken, rufen Sie mit Root-Rechten den Befehl s2ram -f auf.

Ein externer Monitor übernimmt erst nach dem Neustart des X-Servers die Ausgabeanzeige. Ein Umschalten mit den Funktionstasten funktioniert nicht.

Samsung Q70

Das Q70 der Firma Samsung [2] gibt sich qualitativ hochwertig verarbeitet. Zwar kleidet es sich in den typischen Notebookfarben Schwarz und Grau, dafür ist die Außenseite des Displaydeckels lackiert. Noch ein Designschmankerl bietet das Gerät: Die Fläche rund um die Tastatur hat Samsung mit einer gebürsteten Metallauflage versehen. Mit 2065 Gramm wiegt das Q70 es nur wenig mehr als das Osiris S620 II, bringt aber einen leistungsfähigeren Akku mit, der nach hinten um circa 3 cm hinausragt.

Ausgestattet ist das Testgerät mit einem 2 GHz-Prozessor, 2 GByte RAM und 200 GByte Festplattenspeicher. Es sorgt mit diesen Leistungsdaten für eine mehr als ausreichende Performance für den Linux-Alltag. Neben WLAN, Bluetooth, Cardreader und CD/DVD-Brenner zählt eine Nvidia-GeForce-Grafikkarte zur Grundausstattung. Tastatur und Touchpad garantieren angenehmes Arbeiten auch über längere Zeit. Dazu trägt auch der Lüfter bei, der seinen Dienst sehr leise verrichtet und nur unter Last kurzzeitig lauter wird.

Der 6-Zellen-Akku erweist sich bei dieser Hardwarekonfiguration mit Nvidia-Grafikkarte als durchaus angebracht. Im Test waren aber gut drei Stunden Betriebszeit möglich. Im Gegensatz zum Nexoc kommt das Notebook mit vorinstalliertem Windows Vista. Das Aufspielen von Ubuntu und OpenSuse verläuft wie erwartet ohne Zwischenfälle, und nach dem Neustart steht ein Dual-Boot-System bereit.

Nach dem ersten Start des Testgeräts arbeitet das Soundmodul einwandfrei. Auch die Kommunikation über LAN, WLAN und Bluetooth funktioniert aus dem Stand. Hat der Prozessor Freizeit, taktet er die CPU herunter; die Helligkeitsregelung des Displays über die Funktionstasten gelingt aber nur OpenSuse. Ein neuer Kernel der Version 2.6.24 schafft dahingehend unter Ubuntu Abhilfe. Der Kartenleser arbeitet aber von Anfang an unter beiden Distributionen.

Die Arbeit mit dem Samsung Q70 kann also erst einmal ohne große Nacharbeiten an den Installationseinstellungen der Distributionen losgehen. Auch die notwendigen Module für die Nvidia-Grafikkarte stehen unter OpenSuse sofort und bei Ubuntu nach der Einrichtung der eingeschränkten Treiber zur Verfügung. Weder durch die Funktionstasten noch durch einen X-Server-Neustart bei aktiviertem freien Grafikkartentreiber schalten die Distributionen die Ausgabe auf den VGA-Ausgang um: Hier hilft nur der Neustart des Systems.

Möchten Sie zwischen den internen Lautsprechern des Notebooks und Kopfhörern wechseln, stoßen Sie auf ein weiteres Problem: Die Lautsprecher verstummen bei Anschluss eines Kopfhörers nicht. Dazu müssen Sie erst den Front-Kanal stumm schalten. Über den PCM-2-Kanal (den Sie in den Mixereinstellungen des Desktops hinzufügen müssen) steuern Sie dann die Lautstärke des Kopfhörerausgang.

Größere Schwierigkeiten macht das Testgerät bei den Modi für die Ruhezustände. In der Regel friert der Rechner nach dem Aufwachen ein und der Bildschirm bleibt schwarz. Auf Anhieb funktioniert nur unter Ubuntu ein Suspend-to-Disk – und selbst das nicht zuverlässig. Suspend-to-RAM verweigert unter "Gutsy Gibbon" den Dienst. Selbst Tests mit dem aktuellen Kernel 2.6.24 brachten keinen Erfolg.

Dahingegen erzielen unter OpenSuse die Verwendung eines aktuellen Kernels und der proprietären Nvidia-Treiber einen Erfolg für Suspend-to-RAM. Dazu rufen Sie auf der Konsole den Befehl s2ram -f mit Root-Rechten auf. Möchten Sie das Notebook über den Eintrag Verlassen / Suspend to RAM im Suse-Startmenü schlafen legen, müssen Sie die Konfigurationsdatei /usr/lib/pm-utils/defaults wie in Abbildung 2 anpassen. Dieser Menüeintrag ruft im Hintergrund die Suspend-Infrastrukur pm-utils auf, die wiederum die Konfigurationsdatei berücksichtigt. Die Option -f zwingt das Programm s2ram in den Ruhezustand zu gehen.

Abbildung 2: Um das Notebook aus dem OpenSuse-Startmenü heraus schlafen zu legen, müssen Sie eine Konfigurationsdatei anpassen.

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