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Datensicherung mit Flyback

01.05.2008
Wer seine Daten regelmäßig sichern möchte, der findet neben umfangreichen Backup-Lösungen auch ein genial einfaches Tool: Flyback.

Jeder, der regelmäßig viele Dateien am PC bearbeitet und sichert, kennt das Problem: Allzu schnell geht ein wichtiges Dokument verloren, und das letzte Backup liegt mehr als eine Woche zurück. Hier hilft das Tool Flyback [1] weiter, das das Anlegen von Backups aus der Sphäre des Administrators alltagstauglich auf die Ebene des Anwenders herunter holt.

Das recht junge Tool befindet sich noch im Entwicklungsstadium und liegt daher nicht allen Distributionen bei. Auf der Homepage bei Google Code [2] finden Sie jedoch das passende Archiv. Nach dem Download einiger Python-Module und dem Synchronisationstool Rsync entpacken Sie Flyback und rufen es ganz einfach direkt auf. Unter Ubuntu installieren Sie auf der Konsole mit dem Befehl sudo apt-get install python python-glade2 python-gnome2 python-gconf rsync die zusätzlichen Komponenten.

Konfiguration

Je nach Konfiguration des Systems starten Sie Flyback direkt durch einen Doppelklick auf die Datei flyback.py oder über den Befehl python flyback.py auf der Kommandozeile. Beim ersten Programmstart offenbart sich die aufgeräumte Oberfläche des Tools, die sich in zwei Bereiche aufteilt (Abbildung 1): Auf der linken Seite sehen Sie Ihren aktuellen Dateien, auf der rechten Seite eine noch leere Übersicht der Snapshots.

Abbildung 1: Flyback nach dem ersten Programmstart.

Die unvollständige Lokalisierung weist auf den frühen Entwicklungsstand hin. Sie behindert jedoch nicht bei der grundlegenden Arbeit mit der Software. Durch einen Klick auf die Schaltfläche Persönlicher Ordner springen Sie direkt zum Homeverzeichnis, mittels Hoch eine Verzeichnisebene höher. Mit der Schaltfläche Refresh aktualisieren Sie die Listenansicht, die Sie über das Menü View oder durch Anklicken der Spaltenbeschriftungen an die persönlichen Bedürfnisse anpassen.

Legen Sie zuerst in einem Dateimanager ein Verzeichnis an, in dem Sie Ihre Sicherungen aufbewahren möchten. Dieser Ordner darf nicht in einem Pfad liegen, den Sie später sichern möchten. Genauso wenig sollte er / oder /home heißen. Mit /home/Benutzername/sicherungen lägen die gesicherten Daten beispielsweise in Ihrem Home-Directory. Unter Edit | Einstellungen | Storage Location stellen Sie den gewünschten Pfad als Sicherungspfad ein (Abbildung 2). Flyback speichert dort nun die Steuerungsdateien und sämtliche Sicherungen ab.

Abbildung 2: Beim Einstellen des Sicherungsordners dürfen Sie bestimmte Verzeichnisse nicht verwenden.

Die eigentlichen zu sichernden Pfade stellen Sie unter Included/Excluded Directories ein. Die linke Seite des Fensters nimmt die Backup-Quellen auf, während Sie auf der rechten Seite explizit nicht zu sichernde Verzeichnisse konfigurieren. In der Regel reicht die Standardeinstellung vollkommen aus, so dass Sie nur den Pfad für die zu sichernden Daten einfügen müssen (zum Beispiel /home/Benutzername/diplomarbeit).

Zu guter Letzt konfigurieren Sie in der Registerkarte Backup Schedule (Abbildung 3), wann das Programm automatisch Sicherungen erzeugt, und ab welchem Snapshot-Alter beziehungsweise verbleibendem Festplattenspeicher es Daten automatisch löscht. Das Einstellen der automatischen Sicherungen hat es aber in sich – das Programm erwartet die Eingabe in der so genannten Crontab-Notation [3]. Möchten Sie das Backup um 03:20 nachts anlegen, so stellen Sie minute auf 20 und hour auf 3. Möchten Sie hingegen jede Stunde ein Backup machen, setzen Sie lediglich der Eintrag hour auf */1. Ein Backup alle drei Stunden erhalten Sie mit */3 im Feld hour.

Abbildung 3: Das Einstellen eines automatischen Backups erfolgt in der gewöhnungsbedürftigen Crontab-Notation.

TIPP

Einige Systemadministratoren deaktivieren den Einsatz von so genannten Cronjobs für einzelne Nutzer. In diesem Fall steht Ihnen das Feature zum automatischen Sichern nicht zur Verfügung.

Backup und Restore

Haben Sie sich für das Erstellen von automatischen Backups entschieden, so sichert Flyback nun regelmäßig die gewählten Verzeichnisse per Cronjob. Andernfalls – oder falls Sie eine außerplanmäßige Sicherung erzeugen möchten – genügt ein Klick auf die Schaltfläche Backup in der Symbolleiste, um alle neuen oder geänderten Dateien zu sichern. Nach einigen Backups füllt sich die Liste der Snapshots in der rechten Fensterhälfte (siehe Abbildung 4). Der Zustand now gibt dabei immer den aktuellen Zustand des Dateisystems wieder, der nicht immer deckungsgleich mit der letzten Sicherung ist. Darunter sehen Sie eine Liste von Snapshots mit Zeitstempeln.

Abbildung 4: Flyback zeigt die Snapshot als Liste von Datumseinträgen im rechten Fenster an.

Wählen Sie einen solchen Snapshot aus, dann zeigt die Software in der linken Fensterhälfte die passenden Verzeichnisse und Dateien. Mittels Doppelklick öffnen Sie diese direkt. Um nun eine Datei wiederherzustellen, markieren Sie diese zuerst. Mehrere Dateien wählen Sie aus, in dem Sie [Strg] drücken und die entsprechenden Einträge anwählen.

Ein Klick auf Restore stellt die Dateien wieder her. Dabei ereignete sich jedoch auf dem Testsystem in einigen Fällen noch Unerfreuliches: So überschrieb Flyback existierende Dateien auch neueren Datums ohne Rückfrage. Stellen Sie daher unbedingt sicher, dass Sie die richtigen Dateien zum Wiederherstellen auswählen.

Um alle Dateien eines Verzeichnisses wiederherzustellen, wählen Sie einfach das übergeordnete Verzeichnis aus. Ein Beispiel verdeutlicht dies: Liegen in einer Sicherung von /home/Benutzername/diplomarbeit zwanzig wiederherzustellende Dateien in drei Unterverzeichnissen, so markieren Sie den Verzeichniseintrag diplomarbeit direkt und klicken danach auf Restore, anstatt jede Datei mühsam einzeln auszuwählen. Damit stellt das Tool alle unterhalb des gewählten Verzeichnisses gespeicherten Dateien und Verzeichnisse wieder her. Achten Sie auch hier darauf, dass Flyback in der jetzigen Version kommentarlos existierende Dateien auch neueren Datums überschreibt.

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