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Linux Mint 4.0 mit guten Multimedia-Support

01.05.2008 Linux Mint glänzt mit gutem Multimedia-Support und neuen Konfigurationstools. Wir haben die neue Version mit dem Namen "Daryna" für Sie getestet.

Rechtzeitig zur Freigabe der brandneuen Version 4.0 gesellt sich zum Original eine wahre Linux-Mint-Familie, die neben den traditionellen Gnome- und KDE-Versionen solche mit dem sehr schlanken Windowmanager Fluxbox und der ebenfalls ressourcenschonenden und schnellen XFCE-Arbeitsoberfläche bietet [1]. Während die Gnome-Version ebenso wie die Varianten mit den kleineren Windowmanagern auf einer einzigen CD-ROM Platz finden, benötigt die KDE-Edition mit rund einem GByte Umfang deutlich mehr Speicherplatz und passt somit nur auf eine DVD (siehe Kasten "System im Wandel").

Wie bei Ubuntu und seinen Derivaten üblich, haben auch die Mint-Entwickler die Systeme für den Live-Betrieb konzipiert. Das eröffnet die Möglichkeit, die Software zunächst ohne dauerhafte Installation auf der heimischen Festplatte auszuprobieren und bei Gefallen mithilfe des Ubiquity-Installers innerhalb weniger Minuten mit nur ein paar Mausklicks komplett auf der Festplatte einzurichten.

System im Wandel

War Linux Mint in den ersten Versionen ein primär um proprietäre Codecs ergänztes reinrassiges Ubuntu, so ist inzwischen viel Entwicklungsarbeit in die Distribution geflossen. Das äußere Erscheinungsbild – bei Ubuntu traditionell etwas konservativ in Brauntönen gehalten – werteten die Entwickler durch eine sehr ästhetisch anmutende Oberfläche auf.

Darüber hinaus setzen die Entwickler mit der Zeit immer mehr eigene Akzente durch neue Software-Repositories und andere distributionsspezifische Programme. Mittlerweile hat sich das aus Irland stammende System hinter dem südafrikanischen Ubuntu auf Platz zwei unter den Top Ten der am stärksten nachgefragten Linux-Systeme positioniert [2].

Die Live-CD

Der Start der Live-CD mit Linux Mint 4.0 KDE stellt die Geduld des Anwenders aufgrund der im Verhältnis zu Festplatten sehr langsamen optischen Laufwerke und durch die behäbige KDE-Oberfläche arg auf die Probe: Auf dem Testsystem mit 2-GHz-Prozessor benötigte die Software nahezu vier Minuten zum Booten. Danach blicken Sie auf eine fast leere Oberfläche mit lediglich dem Installer-Icon oben links im Bild und der Panelleiste am unteren Rand. Im Gegensatz zur Vorgängerversion 3.1 "Celena" erscheint Linux Mint 4.0 "Daryna" nicht in frischen Grüntönen, sondern anthrazitfarben mit blauen Tupfern (Abbildung 1).

Abbildung 1

Abbildung 1: Elegant und etwas unterkühlt wirkt der KDE-Desktop bei Linux Mint.

In Sachen Software-Aktualität leistet sich Daryna keine Schwächen: Neben dem Gutsy-Kernel 2.6.22-14 liegt OpenOffice in Version 2.3.0 bei, der Mailclient Thunderbird ebenso wie der Webbrowser Firefox kommen in Version 2.0.0.6, das Bildbearbeitungssoftware Gimp in Version 2.4.0-RC3. Auch weniger gängige Programme, wie das Vektorgrafikprogramm Inkscape 0.45 und das DTP-Programm Scribus 1.3.3.9, entsprechen dem aktuellen Stand der Technik. Lediglich der Windowmanager KDE kommt noch nicht in der brandneuen Version 4.0, sondern in der älteren, dafür aber stabilen Release 3.5.8 zum Einsatz.

Beim ersten Start eines frisch auf der Festplatte installierten Systems meldet sich zunächst der Mint Assistant und möchte wissen, ob Sie das Benutzerkonto des Administrators root aktivieren möchten – alle Ubuntu-Derivate verzichten darauf standardmäßig aus Gründen der Systemsicherheit. Falls Sie den Root-Account unbedingt zum Arbeiten benötigen, aktivieren Sie ihn unter "Daryna" bequem über eine grafische Oberfläche im Mint-Assistent.

Weiterhin möchte der Assistent wissen, ob Sie beim Aufruf des Terminals so genannte Fortunes angezeigt bekommen möchten. Hierbei handelt es sich um englischsprachige Sinnsprüche, die – sofern Sie britischen Humor schätzen – durchaus zur allgemeinen Erheiterung beitragen. Nach dieser Auswahl verschwindet der Mint Assistant und gibt den Weg für KDE frei.

Wie bei Linux Mint bereits seit mehreren Versionen üblich, verfügt auch "Daryna" statt dem herkömmlichen KDE-Hauptmenü über das neue Tasty-Menü, das durch seinen dreigeteilten Aufbau einen Überblick über die installierte Software bietet (Abbildung 2). Die Programme gruppiert es auch für Laien eingängig. Für alle wichtigen Anwendungsbereiche finden Sie ein passendes Programm, wobei auch typische KDE-Killerapplikationen wie etwa der Audioplayer Amarok oder der Newsreader Akregator nicht fehlen.

Abbildung 2

Abbildung 2: Bietet einen schnellen Überblick über die installierte Software: das Tasty-Menu.

Weniger durchdacht hingegen erscheint die Software-Auswahl im Bereich der Systemadministration: Hier finden sich mit dem auf Synaptic basierenden distributionsspezifischen Mint Install, dem KDE-Standardprogramm KPackage und Adept gleich drei Werkzeuge mit jeweils abweichenden Oberflächen, die zum Installieren und Löschen von Software dienen.

Zudem tauchen manche Anwendungen gleich mehrfach in verschiedenen Menüs auf – offensichtlich hatten die Entwickler Schwierigkeiten zu entscheiden, wohin das betreffende Programm gehört. Auch im Bereich der Netzwerkadministration hätten ein paar Applikationen weniger den Gesamteindruck nicht geschmälert: Hier gibt es mit dem Kwifi-Manager und dem Wireless Assistant gleich zwei Programme zum Verwalten von WLAN-Einstellungen.

Im Multimedia-Bereich fehlen dagegen einige Programme: Wer Filme vom Camcorder auf dem PC schneiden möchte, der findet kein passendes Werkzeug in der Standardinstallation. Auch der Einsatz eines iPod gelingt mit der Gnome-Version von Linux Mint 4.0 besser. Bedauerlich auch, dass das System für die wachsende Zahl von mobilen Anwendern nur wenige der speziellen, Notebooks vorbehaltenen Techniken bietet: Es fehlen sowohl entsprechende Applets zum Überwachen von Systemzuständen als auch Software zur Steuern des Lüfters.

Dabei wäre für solche kleinen Goodies noch reichlich Platz auf der "Daryna"-DVD. Unschön fiel im Test zudem auf, dass das Setup trotz entsprechender Einstellmöglichkeit bei der Festplatteninstallation keinerlei deutsche Lokalisierung konfiguriert und die Sprachpakete nicht auf der Distributions-DVD beiliegen. Nach der Grundkonfiguration ist also zwingend ein Zugang zum Internet erforderlich, um die entsprechenden Pakete nachzuinstallieren, damit die Distribution wie auch alle Softwarepakete Deutsch sprechen.

Viele Besitzer von modernen TFT-Displays und Notebooks müssen zusätzlich manuell durch Bearbeiten der Datei /etc/X11/xorg.conf die Bildschirmanzeige anpassen, falls sie die Monitorauflösung wechseln möchten: Es scheint den KDE-Entwicklern entgangen zu sein, dass viele Notebook-Displays mit der SXGA+-Auflösung (1400x1050 Punkte) arbeiten und die meisten aktuellen TFT-Monitore für stationäre Systeme mit der SXGA-Auflösung bei 1280x1024 Punkten.

Diese wichtigen Auflösungen fehlen bei Linux Mint in den KDE-Displayeinstellungen. Stattdessen tauchen hier die exotischen Auflösungen 1280x800 und 1280x768 auf, die lediglich bei Billig-Notebooks zum Einsatz kommen und bei der Interpolation auf handelsüblichen Bildschirmen zu einem verzerrten Bild führen (Abbildung 3).

Abbildung 3

Abbildung 3: Die KDE-Einstelloptionen zur Monitorauflösung erfordern in vielen Fällen etwas Nacharbeit.

Fazit

Linux Mint 4.0 in der KDE-Variante arbeitet stabil und bringt für den Alltag des Durchschnittsanwenders Applikationen für alle wichtigen Einsatzbereiche mit. Die Distribution gefällt durch ein ansprechendes Design. Zudem haben die Entwickler in der aktuellen Version wieder alle gebräuchlichen Codecs beigelegt. So spielen Sie Multimediainhalte verschiedensten Ursprungs problemlos ohne das lästige Nachladen ab.

Auch die distributionsspezifischen Programme, die der Administration dienen, erweisen sich im täglichen Gebrauch als nützlich – vor allem, wenn Sie das System auf den neuesten Stand bringen oder neue Software installieren wollen. Lästig fällt dagegen das Fehlen der deutschen Sprachpakete: Das Nachinstallieren setzt einen Internetzugang voraus.

Einige Defizite des KDE-Desktops machen ebenfalls auf sich aufmerksam: Neben dessen enormen Ressourcenhunger fallen hier fehlende Optionen zum Überwachen und Einstellen der Systemzustände auf, insbesondere bei Mobilsystemen. Wer Linux Mint auf einem weniger leistungsstarken Rechner betreiben möchte, für den lohnt auch ein Blick auf die Gnome-Variante: Sie bietet eine etwas bessere Performance und eine gute Hardware-Unterstützung. Insgesamt bleibt aber der Eindruck eines weitgehend gelungenen Desktop-Systems.

Infos

[1] Linux Mint: http://www.linuxmint.com

[2] Distrowatch: http://www.distrowatch.com

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