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Überraschung!

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

eigentlich sollte dies ein Editorial ausschließlich in eigener Sache werden – dazu später mehr. Doch Microsoft ist immer für eine Überraschung gut, so auch letzten Monat wieder: Am 21. Februar kreißte der Redmonder Berg – und gebar das sprichwörtliche Mäuschen. In einer überfallartig einberufenen Pressekonferenz stellte Microsoft-CEO Steve Ballmer als "wichtige strategische Ankündigung" ein Konzept mit dem pompösen Titel "Open Source Interoperability Initiative" vor. Angeblich soll es die Zusammenarbeit zwischen Microsoft und der Open-Source-Gemeinschaft fördern und zum Wohl der Anwender die Interoperabilität der Microsoft-Produkte mit Software aus anderen Quellen ermöglichen.

Dazu werde man die APIs der Produkte sowie die verwendeten Kommunikationsprotokolle offenlegen sowie Word, Excel und Powerpoint für fremde Dokumentenformate öffnen, so die wesentlichen Punkte [1] der Ankündigung. Das hört sich erst einmal gut an, entpuppt sich aber bei genauem Hinsehen einmal mehr als eine der für Microsoft so typischen Marketing-Sprechblasen. Veröffentlichen ist nicht das selbe wie öffnen – und an eine Öffnung denkt der Monopolist nicht im Geringsten. Wer das patentierte Material nutzen will, muss zahlen – wie bisher. Open-Source-Entwickler erhalten für nicht kommerzielle Zwecke die Zusicherung, von Microsoft nicht verklagt zu werden – wie schon beim Novell-Deal vor einem Jahr. Die Anwender dagegen bleiben außen vor – wie gehabt.

Groklaw kommentiert das Geschehen süffisant mit einer Aufzählung der zehn schönsten – freilich allesamt völlig substanzlosen – Microsoft-Interoperabilitätsankündigungen seit Anfang 2003 [2]. Warum jetzt die elfte? Da muss wohl ein Brüsseler Vögelchen den Herrschaften in Redmond ins Ohr gezwitschert haben, dass im anhängigen Antitrustverfahren der EU-Kommission Gefahr im Verzug sei. Microsofts "Initiative" allerdings kommentierten die europäischen Kartellwächter mit der schlichten Feststellung, dergleichen hätten sie mindestens schon viermal vorher aus Redmond gehört, ohne dass den Ankündigungen Taten gefolgt seien [3]. Und verurteilten Microsoft eine Woche später zur höchsten je von der EU gegen ein Unternehmen verhängten Geldstrafe: 899 Millionen Euro wegen Behinderung des Wettbewerbs durch unangemessene Bedingungen für die Offenlegung von Server-Protokollen [4].

In eigener Sache

Nichts Neues also bei Microsoft, wohl aber bei LinuxUser: Die Preisentwicklung bei Datenträgern macht es uns jetzt möglich, Ihnen ohne jede Preiserhöhung mit der DVD-Edition eine DVD-10 statt wie bisher eine DVD-5 plus CD anzubieten. Der verdoppelte Speicherplatz schafft Gelegenheit, Ihnen Interessantes anzubieten, ohne dabei die gewohnte Vielfalt einzuschränken: So finden Sie auf der DVD zu dieser Ausgabe eine Vollversion von Mandriva Linux 2008.0 Powerpack mit völlig legalen Codecs und DVD-Abspielprogrammen, zum Hineinschnuppern die neuesten Entwicklerversionen von OpenSuse, Ubuntu und Fedora, zum Nachrüsten das fehlerbereinigte KDE 4.0.1 für OpenSuse und Ubuntu sowie wie üblich die komplette Software zum Heft auf der "Heft-DVD"-Seite des Datenträgers. Die DVD-10 funktioniert übrigens genau wie ein einseitiges Medium: Was Sie beim Einlegen der DVD oben auf dem Label sehen, das liest der Laser unten ab.

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

Infos

[1] Microsoft-Pressemeldung: http://www.microsoft.com/presspass/press/2008/feb08/02-21ExpandInteroperabilityPR.mspx

[2] "Promises, Promises from Microsoft. Again.": http://www.groklaw.net/article.php?story=20080221184924826

[3] "Antitrust: Commission takes note of Microsoft's announcement on interoperability principles": http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=MEMO/08/106

[4] EU-Kartellstrafe für Microsoft: http://www.linux-magazin.de/news/microsoft_muss_899_millionen_euro_geldstrafe_zahlen

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