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Ecken und Kanten

KDE 4 in der Praxis

01.04.2008 Seit Januar ist das neue KDE 4 offiziell fertig. Die neue Version des KDE-Desktops ist jedoch noch weit von den gesteckten Zielen entfernt.

Was lange währt, wird endlich gut, so das Sprichwort. Gut zwei Jahre haben sich die KDE-Entwickler für die neue Version Zeit gelassen – trotzdem bietet KDE 4.0 nicht das, was sich viele Benutzer vom neuen Desktop versprochen haben. Dieser Artikel beschreibt den Zustand der aktuellen KDE-4-Version 4.0.1 unter OpenSuse 10.3 und Kubuntu 7.10. Er versucht die Stärken und Schwächen gleichermaßen hervorzuheben. Wie Sie KDE 4 am einfachsten einspielen, lesen Sie im Kasten "Installation".

Installation

Für OpenSuse 10.3 und Ubuntu 7.10 liegen aktuelle und einfach zu installierende Pakete in speziellen Repositories bereit. Auch für Mandriva 2008 gibt es inzwischen Pakete, allerdings nur in Version 4.0 [5]. Fedora-Anwender laden sich am besten die Alpha von Fedora 9 herunter [6], um unkompliziert einen Blick auf den neuen KDE-Desktop werfen zu können.

Benutzen Sie OpenSuse 10.3, öffnen Sie im Browser die Seite http://de.opensuse.org/KDE/KDE4 und klicken im Abschnitt Installation auf den blauen Button Installation mit 1 Klick. Es startet YaST, und nach wenigen Mausklicks und rund 200 MByte Download ist KDE 4 installiert. Melden Sie sich aus KDE 3 ab und wählen Sie im Login-Manager den Eintrag KDE 4.0.1 aus.

Für eine Installation auf der Kommandozeile geben Sie die Befehle aus Listing 1 ein, was auch unter OpenSuse 10.2 klappt. Dazu ersetzen Sie einfach die Suse-Versionsnummer in den Befehlen.

Nutzen Sie Ubuntu 7.10, fügen Sie zunächst in der Datei /etc/apt/sources.list die passende Zeile aus Listing 2 ein und frischen über sudo apt-get update die Liste der verfügbaren Pakete auf. Danach spielt sudo apt-get install kde4-core den Desktop ein. Die deutsche Lokalisierung fehlt allerdings, Sie finden die Sprachdateien im Paket kde-l10n-de. Auch die Ubuntu-Pakete tragen KDE 4 in die Liste der auswählbaren grafischen Oberflächen ein, so dass der Start über GDM/KDM keine Probleme bereitet.

Listing 1

Installation aus dem Netz:

# zypper sa http://software.opensuse.org/KDE:/KDE4:/STABLE:/Desktop/openSUSE_10.3/ KDE4-Desktop
# zypper sa http://software.opensuse.org/KDE:/KDE4:/STABLE:/Extra-Apps/openSUSE_10.3/ KDE4-Anwendungen
# zypper install -t pattern 'KDE 4 Default'

Installation von der Heft-DVD:

# zypper sa /media/LU_04_2008/LinuxUser/kde/openSUSE_10.3 KDE4-Desktop

Danach starten Sie YaST und wählen im Software-Modul als Filter die Schemata aus. Hier finden Sie ganz zuoberst den Eintrag KDE 4 Default. Alternativ installie- ren Sie mit Zypper die zwei Pakete kdebase4-workspace und kdebase4-session.

Listing 2

Installation aus dem Netz:

deb http://ppa.launchpad.net/kubuntu-members-kde4/ubuntu gutsy main

Installation von der Heft-DVD:

$ cd /media/cdrom/LinuxUser/kde/ubuntu
$ sudo dpkg -i *.deb && sudo apt-get install -f

KDE 4 – wozu?

Generell sollte man sich vor jedem Update die Frage stellen, ob es zwingende Gründe dafür gibt und welche Vorteile man sich davon verspricht. KDE 4 baut auf Qt 4 [1] auf, einem Framework für plattformunabhängige Anwendungen. Qt 4 macht es deutlich einfacher, KDE-Programme auch für Windows oder Mac OS X zu schreiben. In dieser Hinsicht bringt KDE 4 große Vorteile vor allem für Entwickler, die ihre Programme auch Windows- und Mac-Nutzern zur Verfügung stellen möchten. Linux-Anwender merken von dieser großen Veränderung zunächst wenig.

Dank Qt 4 und des neuen Oxygen-Iconsets [2] sehen die meisten Dialoge etwas besser aus und Anwendungen reagieren tendenziell etwas flotter. Zudem wartet KDE 4 mit einigem Eyecandy auf. KDE 4 will jedoch auch neue Features bereitstellen. Einige davon haben die Entwickler bereits implementiert, andere halten erst mit Version 4.1 komplett Einzug in den neuen Desktop.

So bietet zum Beispiel Dolphin über die Taste [F11] eine Seitenleiste mit Zusatzinformationen zu jeder Datei an. Über diese Seitenleiste können Sie theoretisch jede Datei bewerten, mit Kommentaren und mit Schlagwörtern versehen (Abbildung 1). Ein tolles Feature, das auf unseren Testsystemen mit OpenSuse 10.3 und Kubuntu 7.10 allerdings mit Ausnahme der Schlagworte nicht funktioniert hat: Unter OpenSuse 10.3 bietet Dolphin den Dialog schlicht nicht an; Kubuntu tut zwar so, als ob alles funktionieren würde, tatsächlich speichert der Dateimanager die Meta-Informationen aber nicht.

Das Problem liegt an der noch mangelhaften Implementierung der semantischen Indexmaschine Nepomuk [3]. Nepomuk ist insofern revolutionär auf dem Linux-Desktop, dass das Programm nicht nur Meta-Informationen zu einzelnen Dateien speichert, sondern auch Zusammenhänge zwischen diesen erkennt. Es baut dabei auf das Resource Description Framework RDF auf. Die Fähigkeiten von Nepomuk stellt man sich am besten am Beispiel eines Mail-Attachments vor: Unter aktuellen Desktopsystemen lässt sich nach dem Speichern des Anhangs nicht mehr rekonstruieren, woher die Datei stammt. Nepomuk merkt sich hingegen den Weg des Attachments und gibt die Informationen darüber an ein Suchmaschinen-Backend wie Beagle oder Strigi [4] weiter.

Abbildung 1: Sieht schön aus, funktioniert aber noch nicht komplett: Der Dialog zu Meta-Informationen von Dolphin.

Ressourcen schonend?

KDE 4 müsste eigentlich allein durch Qt 4 schneller arbeiten und weniger Speicher verbrauchen. Das bezeugen einige Tests im Internet [7], und auch unsere eignen Messungen bestätigen den reduzierten Speicherverbrauch. So benötigt der Standarddesktop mit KDE 3 und einer Konsole unter Suse rund 340 MByte RAM, der KDE-4-Desktop inklusive Konsole hingegen nur 300 MByte. Beide Messungen führten wir ohne das OpenSuse-Updater-Applet durch. Trotz geringerem Speicherhunger fühlt sich KDE 4 zurzeit nicht schneller an: Das hängt in erster Line mit der teils sehr schlechten Reaktionszeit des Desktops zusammen. Auch bleibt der Schnellstarter ([Alt]+[F2]) manchmal hängen, Widgets lassen sich nur langsam verschieben oder vergrößern und so weiter.

Der Browser Konqueror hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Viele Seiten stellt er zwar korrekter dar als der alte Konqueror, gleichzeitig hat er aber an Geschwindigkeit eingebüßt: Er lädt unter KDE 4.0.1 Seiten deutlich langsamer als unter KDE 3.5.7. So benötigt er auf einem Testrechner mit 512 MByte Hauptspeicher knapp 20 Sekunden, um Sourceforge.net zu laden. Unter KDE 3 erledigt Konqueror die gleiche Aufgabe in 15 Sekunden. Ein analoger Test mit Kubuntu auf einem Rechner mit 386 MByte Hauptspeicher bestätigte die OpenSuse-Ergebnisse: Der neue Konqueror benötigt 21 Sekunden, der alte nur 15,5.

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Infos zum Autor

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger arbeitet als Redakteur für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Am liebsten schreibt er Artikel zu netten Gadgets oder Multimedia-Software. In seiner Freizeit spielt er gerne Kicker.

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