Dynamische DNS-Dienste gibt es bereits seit geraumer Zeit. Sie erlauben es Ihnen, im trauten Heim einen eigenen Webserver mit eigener Internetadresse zu betreiben, den Interessierte aus aller Welt erreichen, etwa über http://kris.dyndns.org. Das kostet Sie nicht mal etwas: Anbieter wie Dyndns.org [1], EasyDNS [2] oder Zoneedit.com [3] vergeben diese fixen Namen kostenlos. Um sie zu nutzen, benötigen Sie keine feste IP-Adresse. Weist der DSL-Provider Ihrem Router stets neue IP-Adressen zu, informieren eine spezielle Software oder gar der Router selbst den dynamischen DNS-Anbieter über die neue Adresse, und der aktualisiert seine DNS-Einträge.
Viele Nutzer schrecken aber vor dem Aufsetzen eines privaten Servers zurück, weil sie Sicherheitslücken fürchten. Nicht zu unrecht: Gelingt es Angreifern, den Webserver zu überlisten, landen sie direkt auf dem Privatrechner und gefährden eventuell wichtige Daten. Installieren Sie den Webserver hingegen in einer virtuellen Maschine (Abbildung 1), verwandeln Sie den Webserver und die feste URL in ein dynamisches Duo mit einer Reihe von Vorteilen. Randaliert ein unangemeldeter Besucher auf Ihrem Server und zerstört das mühsam aufgesetzte Weblog, starten Sie den virtuellen Server neu und stellen in Sekunden den vorherigen Zustand wieder her. Auch ein langwieriges Backup kann entfallen: Mit dem Vmware-Server nehmen Sie jederzeit Schnappschüsse vom aktuellen System auf, die bei Bedarf zur Rettung eilen. Nicht zuletzt verleiht Ihnen der Server Mobilität: Brennen Sie die gespeicherten Daten auf eine DVD oder kopieren Sie diese auf einen Stick, dann stecken Sie den Server locker in die Tasche und laden ihn in eine andere virtuellen Maschine auf einem fremden Rechner.
Aber auch die Nachteile eines virtuellen Servers seien nicht verschwiegen: Gewöhnlich ticken Systeme in virtuellen Maschinen etwas langsamer als nicht virtualisierte Systeme. Falls Sie also viele Zugriffe erwarten, weil Sie etwa einen Game-Server oder ein riesiges Content Management System betreiben, sollten Sie der virtuellen Maschine ordentlich Ressourcen spendieren oder sich die Virtualisierung komplett sparen. Auch die Hardware-Unterstützung lässt in virtuellen Maschinen zu wünschen übrig: Ihre Webcam, der MP3-Spieler oder andere externe Hardware ticken in der Vmware eventuell nicht wie gewünscht. Das Wirtssystem, das den virtuellen Server beherbergt, muss zudem über ein Kabel am heimischen Router hängen – die virtuellen Maschinen können mit einer WLAN-Anbindung des Wirtssystems nicht umgehen und bekommen keine Verbindung ins Internet. Nicht zuletzt behagen der virtuellen Maschine keine 3D-Anwendungen – was sich auf Servern allerdings eher selten als Problem erweist. Kommt ein virtueller Server für Sie nicht in Frage, macht das nichts: Der Apache-Server läuft mit dem dynamischen DNS-Dienst auch auf einer physikalischen Maschine – lediglich einen Router sollten Sie nutzen.
Schritt für Schritt
Ein kurzer Überblick verdeutlicht die Schritte hin zu einem vollständigen System. Zunächst installieren Sie einen virtuellen Server. Wir nutzen den kostenlosen Vmware-Server, der keine große Netzwerkkonfiguration erfordert. In den Server installieren Sie als virtuelle Maschinen das Betriebssystem, das Ihnen später als virtueller Server dient. Im Test kamen die Server-Variante von Ubuntu 7.10 und OpenSuse 10.3 zum Einsatz. Sie können natürlich auch beliebige andere Linux-Varianten einsetzen – die Wege zum Ziel ähneln sich stark.
Im virtualisierten Linux richten Sie dann Dienste ein, die Sie im Internet anbieten wollen. Im Artikel kommt nur der Apache-Server zum Einsatz. Nach der Installation erreichen Sie ihn zunächst nur von Rechnern im privaten Netzwerk aus. Um das zu ändern, machen Sie über NAT und Port Forwarding am Router den virtuellen Server im Internet sichtbar. Dazu verpassen Sie diesem eine feste IP-Adresse und konfigurieren den Router so, dass er alle Anfragen, die auf Port 80 ankommen, an den virtuellen Server weiterleitet. Auf diese Weise erreichen ihn Internet-Nutzer, indem sie in die Adressleiste ihrer Browser die öffentliche IP-Adresse Ihres Routers eingeben. Da man sich IPs aber schlecht merken kann und sie sich ständig ändern, richten Sie anschließend noch eine feste Internetadresse ein, über die Außenstehende Ihren Server zuverlässig ansprechen. Ddclient läuft auf dem virtuellen Server und unterrichtet den dynamischen DNS-Anbieter, sobald der Server eine neue IP-Adresse erhält.
Das hört sich jetzt erstmal nach reichlich Arbeit an, ist aber halb so wild. Die Programme lassen sich nahezu alle über den Paketmanager installieren und einrichten, ellenlange Befehlszeilen und Konfigurationen gibt es nicht. Also, frisch ans Werk.
Das Wirtstier
Sie können den kostenlosen Server von Vmware in Version 1.0.4 direkt von der Webseite herunterladen [4], müssen ihn dann aber per Hand installieren. Ubuntu-Nutzern steht ein wesentlich einfacherer Weg frei. Sie binden über Synaptic eine weitere externe Paketquelle ein (deb http://archive.canonical.com/ubuntu gutsy partner) und spielen das Paket vmware-server bequem ein. Anwender, die auf OpenSuse 10.3 als Wirtssystem setzen, nutzen diese Anleitung [5], um den Server zu installieren.
Auf jeden Fall benötigen Sie noch eine Seriennummer (Abbildung 2), die Sie ebenfalls unter der oben genannten Download-Adresse [4] erhalten – dazu müssen Sie allerdings erstmal einen Wust an Fragen über sich ergehen lassen. Nach der erfolgreichen Installation rufen Sie die grafische Oberfläche des Servers auf, indem Sie unter OpenSuse 10.3 und Ubuntu 7.10 [Alt]+[F2] eingeben und dann vmware tippen. Sie landen auf der in Abbildung 3 gezeigten Oberfläche.
Nun installieren Sie ein aus dem Netz heruntergeladenes ISO-Image. Alternativ benutzen Sie das CD- oder DVD-Laufwerk des Wirtsrechners als Installationsquelle, wenn das System auf einer CD oder DVD residiert. Wählen Sie zunächst File | New | Virtual Machine, um eine neue, "leere" virtuelle Maschine einzurichten. Wählen Sie Next, dann Typical und als zu installierendes System Linux. Aus dem Dropdownmenü suchen Sie dann die passende Version aus.
Im nächsten Dialogfenster geben Sie der virtuellen Maschinen einen Namen, hier UbuntuServer oder OpenSuse10_3, die Location ändern Sie nicht. Dann kommen Sie zu den Netzwerkeinstellungen. Wählen Sie hier Use bridged networking, wird der Server zu einem weiteren Client im lokalen Netzwerk, über den Sie auch ins WWW gelangen. Zum Testen genügt es, 5,0 GByte als Größe der Festplatte festzusetzen (Disk Size). Kreuzen Sie die Option Split disk into 2GB files an, wenn Sie die virtuelle Maschine zum Transport auf externe Medien kopieren wollen. Vor allem ältere Dateisysteme wie Ext2 und FAT32 tun sich mit großen Dateien mitunter schwer. Ein Klick auf Finish und der Server räumt auf dem Wirtssystem den benötigten Platz frei. Die virtuelle Maschine verhält sich nun quasi wie ein Computer mit leerer Festplatte – Zeit, Gäste einzuladen.



