Die aktuelle Version von Pardus [1] – der Projektname leitet sich aus der wissenschaftlichen Bezeichnung des anatolischen Leopards ab – trägt den Codenamen "Lynx", zu deutsch: Luchs. Mit Mac OS X hat die türkische Linux-Distribution nicht nur die zahlreichen Raubkatzen im Namen gemeinsam, sie gibt sich auch sehr benutzerfreundlich und weiß optisch zu gefallen. Pardus entstand ursprünglich aus einem Regierungsprojekt und wird auch aktuell noch vom Nationalen Forschungsinstitut für Elektronik und Kryptologie (TÜBITAK/UEKAE) weiterentwickelt. Wer mehr über die Hintergründe und die Entwicklung der Distribution erfahren möchte, findet in der deutschen Wikipedia einen ausführlichen Artikel [2].
Pardus 2007.3 mit KDE-3.5.8-Oberfläche gibt es in zwei Versionen: Die Live-CD zum Ausprobieren ohne Installationsmöglichkeit (Pardus Calisan) finden Sie auf der Heft-DVD. Daneben gibt es auch noch eine Installations-CD (Pardus Kurulan, 686 MByte), die jedoch zugunsten von KDE 4.0.1 von der aktuellen Heft-DVD weichen musste. Wir beschreiben jedoch im folgenden trotzdem, wie Sie Pardus 2007.3 bei Gefallen mithilfe der Kurulan-CD auf die Festplatte bringen.
Steckbrief Pardus
| Name | Pardus |
|---|---|
| Aktuelle Version/Codename | 2007.3/Lynx |
| Land | Türkei |
| Basiert auf | Eigenentwicklung |
| Medien | 1 CD (Live oder Installation) |
| Paketmanager | PiSi (Eigenentwicklung) |
| Primärer Desktop | KDE |
| Alternative Desktops | Zusätzliches Repository |
| Kernel | 2.6.18 |
| Entwicklerteam | 14 hauptberuflich, rund 30 Freiwillige |
| Releasezyklus | unbestimmt |
| Stärken | Benutzerfreundlich, sehr guter Multimedia-Support |
| Schwächen | Unterscheidet sich technisch stark vom Mainstream |
Installation
Pardus unterstützt neun Sprachen, darunter auch Deutsch. Da die Installation gleich mit der Sprachauswahl beginnt (Abbildung 1), müssen Sie hier mit keinen Problemen rechnen. Im zweiten Dialog wählen Sie die Installationsart aus. Drücken Sie einfach [Enter], so startet die Standardinstallation; zur Auswahl stehen aber auch noch ein Minimalsystem, Memtest oder das Booten von der Festplatte.
Der grafische Installer von Pardus, Yali, führt Sie in drei Schritten durch die Installation, wobei ein Schritt aus mehreren Dialogen besteht. Im ersten Dialog weist die Distribution auf die verschiedenen Lizenzen hin, die Sie akzeptieren müssen. Praktisch: Über einen Button können Sie die GPL (in Englisch) gleich lesen. Unten links zeigt Ihnen der Installer auf Wunsch auch Informationen zum aktuellen Release an (Abbildung 2). Ebenfalls im ersten Schritt bietet Ihnen das Installationsprogramm einen Media-Check und die Tastaturauswahl an, danach legen Sie das Passwort für den Systemadministrator fest und legen einen oder mehrere Benutzer an. Eine Sicherheitsabfrage verhindert dabei, dass Sie den Benutzernamen auch als Passwort eintragen.Über eine Checkbox, die beim ersten Nutzer automatisch aktiv ist, weisen Sie dem Nutzer Administratorrechte zu.
Auf einen automatischen Login verzichtet Pardus in der Grundeinstellung. Möchten Sie, dass das System den Login-Manager überspringt, wählen Sie über das Dropdownmenü Ihren Benutzernamen für das Autologin aus (Abbildung 3).
Im zweiten Schritt (Installationsvorbereitung) richten Sie die Festplatte und den Bootloader ein. Yali bietet eine automatische und eine manuelle Partitionierung zur Auswahl an. Entscheiden Sie sich für die automatische Partitionierung, legt das Installationsprogramm eine Partition für das Wurzelverzeichnis und eine für den Swap-Bereich an. Bei der manuellen Partitionierung haben Sie die Auswahl zwischen Swap, Wurzelverzeichnis und Home-Partition. Yali verkleinert auf Wunsch auch NTFS-Partitionen.
Ein separates Fenster weist Sie vor dem Formatieren nochmals auf die damit verbunden Gefahren hin. Ein Klick auf O.K., fortsetzen wirft die Paketinstallation an, die mit einer hübschen Slideshow die Zeit überbrückt. Der Installer von Pardus arbeitet nicht sonderlich schnell und benötigt für das Einrichten und anschließende Konfigurieren der Pakete eine gute halbe Stunde. Allerdings darf man dabei nicht vergessen, dass die Pardus-Pakete stark komprimiert sind und die 1-CD-Distribution sehr viel Software mitbringt.
Der Desktop
Nach einem Reboot startet Pardus sogleich den KDE-Desktop (Abbildung 4), das Setup der grafischen Oberfläche nimmt Yali automatisch vor. Pardus 2007.3 setzt auf KDE 3.5.8 mit dem eigens für die Distribution entwickelten Iconset "Tulliana" [3]. Als Standardbrowser kommt nicht Konqueror, sondern Firefox zum Einsatz. Weiter fällt auf, dass der Pardus-Desktop nur auf Doppelklicks reagiert.
Beim ersten Start von KDE erscheint der Setupassistent "Kaptan", der Ihnen unter anderem bei der Konfiguration des Netzwerks hilft und den Update-Manager einrichtet. Sie sollten dieses Fenster daher nicht einfach wegklicken, sondern die einzelnen Dialoge nutzen. Beim KDE-Setup haben Sie zum Beispiel die Auswahl zwischen dem traditionellen und dem Suse-Kickoff-Menü. Pardus unterstützt für die Internetverbindung die Einwahl per analogem Modem sowie Ethernet- und WLAN-Zugänge.
Weder die verschiedensten Multimediaformate noch Flash-Videos bereiten Pardus Probleme, kompletter MP3-Support aus Amarok und K3b rundet das Angebot von Pardus ab. Von OpenSuse hat Pardus nicht nur das Kickoff-Menü übernommen, sondern auch den Sysinfo-Übersichtsbildschirm. Haben Sie in Kaptan die entsprechende Option ausgewählt, zeigt Ihnen der Update-Manager automatisch die verfügbaren Updates an (Abbildung 5).
Für das Setup des Rechners und des KDE-Desktops starten Sie die Pardus-Schaltzentrale "Tasma" (Abbildung 6). Über die üblichen Möglichkeiten hinaus bietet Tasma zum Beispiel auch ein Modul für das Setup von TV-Karten und einen Partitionierungsmanager. Im Benutzermenü gibt es zudem ein Modul, das per Mausklick sämtliche zwischengespeicherten persönlichen Daten wie Browser-Cache und History löscht.
Alternativen zu KDE bringt die CD keine mit. Unter [4] finden Sie allerdings im Contrib-Repository auch Gnome, Enlightenment- und XFCE-Pakete sowie weitere zusätzliche Software. An KDE-4-Paketen arbeiten die Entwickler ebenfalls. Wann das erste Pardus mit KDE 4 erscheint, wollte das Projektteam der Redaktion aber nicht verraten.



