Den Anfang unserer Serie "Tux International" macht UHU-Linux aus Ungarn. Die Distribution wurde 2001 komplett from Scratch entwickelt und kombiniert das Debian-Paketmanagement mit den Vorteilen von Red-Hat-basierten Distributionen. Details zur Entstehung von UHU-Linux finden Sie im Kasten "Kleine UHU-Geschichte". Während der Vorbereitung zu diesem Artikel stellten die UHU-Entwickler Version 2.1 fertiggestellt, für die Heft-DVD reichte es allerdings nicht mehr. Deshalb finden Sie auf der DVD Version 2.0, obwohl der Artikel das aktuelle Release 2.1 beschreibt.
Kleine UHU-Geschichte
UHU-Linux entstand um 2001 als Ergebnis eines Projekts zwischen der damaligen ungarischen Regierung (als Geldgeber) und der der UHU-Linux Kft (GmbH). Im Projekt verpflichtete sich die UHU-Linux Kft, für 40 Millionen Forint (rund 150 000 Euro) eine Distribution auf die Beine zu stellen, die die Regierung mit vergünstigten Rechnern vorinstalliert verkaufen wollte. Nach dem Regierungswechsel im April 2003 erhielt das Projekt keine größeren finanziellen Zuschüsse mehr, UHU-Linux kam aber trotzdem noch in einigen staatlich geförderten Projekten zum Einsatz.
Die größte Verbreitung erreichte die Distribution 2003 bis 2005 über das Regierungsprogramm "Sulinet Expressz". Es ermöglichte Schülern und Eltern mit Schulkindern, vergünstigt an Hardware zu kommen, darunter auch Rechner mit vorinstalliertem UHU-Linux. Die erste offizielle Version 1.0 mit dem Codenamen "Juhhu" erschien im April 2003 mit Kernel 2.4.20 und Gnome 2.2.1 auf zwei CDs. Es folgten die Versionen 1.1 ("Kamion") im März 2004, 1.2 ("Rajt") im Februar 2005 und 2.0 ("Igen") im August 2006. Aktuell arbeiten die Entwickler an Version 2.1 ("Bumm"), die am 18. Januar 2008 erschienen ist.
Trotz der sehr guten Lokalisierung ist UHU-Linux nicht die beliebteste Distribution Ungarns, sondern landet laut einer aktuellen Umfrage des Ungarischen Unix-Portals HUP [3] nur noch auf Platz 4 hinter Ubuntu, Debian und Gentoo. Vor allem Ubuntu macht UHU-Linux den Rang als einfache Debian-Distribution strittig.
Alles neu
Die Entwickler haben sich das Ziel gesetzt, die besten Features aus der Debian- und der RPM-Welt zu übernehmen. Das UHU-Paketmanagement basiert zwar auf Debian, in Teilen entspricht es jedoch weitgehend RPM-Distributionen: So setzt UHU beim Runlevel-System auf die für Red-Hat-Ableger typischen Init-Befehle: Ein init 3 wechselt in den Textmodus und init 5 startet die grafische Oberfläche. Auch entspricht das Paketformat von UHU nicht komplett den Debian-Richtlinien – das erkennt man unter anderem daran, dass die Pakete die Endung .uhu tragen. Bei den Konfigurationsdateien unter /etc/ herrscht ein buntes Nebeneinander: Einige Tools legen ihre Konfigurationen in /etc/sysconfig ab, andere Programme in /etc/default.
Von Mandriva hat sich UHU-Linux den Klub abgeschaut. Für rund 25 Euro (6000 HUF) pro Jahr bekommen Klubmitglieder vergünstigten Zugang zu den Produkten im UHU-Shop, ein E-Mail-Postfach mit 100 MByte Speicherplatz, 150 MByte Online-Speicher für Fotos und weitere 750 MByte auf einem FTP-Server.
Steckbrief UHU-Linux
| Name | UHU-Linux |
| Aktuelle Version/Codename | 2.1/Bumm |
| Land | Ungarn |
| Basiert auf | Eigenentwicklung |
| Medien | 1 CD oder 1 DVD |
| Paketmanager | Synaptic (DEB) |
| Primärer Desktop | Gnome |
| Alternative Desktops | KDE, XFCE und andere |
| Kernel | 2.6.23.9 |
| Entwicklerteam | 5 Personen |
| Relase-Zyklus | Jährlich |
| Stärken | Einfache und schnelle Installation, guter Multimedia-Support |
| Schwächen | Kleine Fangemeinde, außerhalb Ungarns kaum bekannt |
Installation
Das UHU-eigene Installationsprogramm spielt die Distribution auch auf älteren Rechnern in rund 15 Minuten problemlos ein. Sprechen Sie kein Ungarisch, sollten Sie im Bootmenü über [F9] die Sprache von Magyarul auf Englisch wechseln, sonst kann es während der Installation zu Sprachproblemen kommen. Im ersten Dialog müssen Sie der ungarischen UHU-Lizenz zustimmen (Abbildung 1). Sie entspricht weitgehend der GPL. Mit einem Klick auf Go! starten Sie die Installation.
Das grafische Partitionierungsmodul bietet zwei Punkte zur Auswahl: Die Installation auf einer ganzen Festplatte oder auf bestehenden Partitionen. Wählen Sie letztere Möglichkeit, ordnen Sie im nächsten Dialog den Partitionen Einhängepunkte zu und legen fest, welche Festplattenabschnitte der Installer formatieren soll (Abbildung 2). Eine Swap-Partition benötigt UHU zur Installation nicht zwingend, Sie sollten aber trotzdem eine einrichten. In unseren Tests hatte die Distribution in der Version 2.1 Probleme mit bestehenden Swap-Partitionen. Sie müssen deshalb nach der Installation die Swap-Partition mit mkswap Gerätedatei
neu formatieren, bevor Sie sie mit swapon Gerätedatei
nutzen können.
Einen Resizer für Windows-Partitionen bringt UHU-Linux nicht mit, Sie müssen dazu fips auf der Kommandozeile benutzen. Unterstützung für LVM oder Software-RAID fehlt ebenfalls.
Für die manuelle Partitionierung wechselt UHU nach einem Klick auf Partition manipulator in den Textmodus und startet cfdisk. Hier können Sie Partitionen löschen und neue anlegen. Beenden Sie cfdisk, landen Sie automatisch wieder im grafischen Installer.
Im dritten Schritt (Abbildung 3) wählen Sie das zu installierende System aus. Hier bietet UHU-Linux neben dem typischen grafischen Desktopsystem auch eine textbasierte Variante an. Die Unterschiede zwischen Full Installation und Recommended packages machen sich nur bei der DVD-Version bemerkbar, auf der CD erzeugen die beiden Einträge das selbe Resultat. Über die Suchfunktion oder per Liste können Sie die Paketauswahl bearbeiten. Erfahrene Nutzer genießen hier einen Vorteil, da die Paketbeschreibungen vollständig in Ungarisch vorliegen – Nicht-Magyaren müssen also am Paketnamen erkennen, was sie installieren oder abwählen.
Nach diesen drei Schritten startet UHU-Linux das Einspielen der Pakete (Abbildung 4). Keine zehn Minuten später können Sie die Installation mit der Konfiguration des Bootloaders fortsetzen, danach richten Sie den Root- und einen Benutzeraccount ein. Mit dem Setup der grafischen Oberfläche schließen Sie die Installation ab.
Zum Test versuchten wir auch ein Update von UHU-Linux 2.0 auf Version 2.1. Der Weg über apt-cdrom add und apt-get dist-upgrade scheiterte jedoch an unlösbaren Abhängigkeitskonflikten und endete mit einer Kernel-Panik nach dem Reboot. Auch die Upgrade-Funktion aus dem Bootmenü brachte keinen Erfolg. Haben Sie die Version 2.0 installiert und möchten auf 2.1 aktualisieren, sollten Sie deshalb die Neuinstallation wählen.



