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Ungarische Eule

UHU-Linux aus Ungarn

01.03.2008
Hinter den großen Linux-Distributionen steht in der Regel ein internationales Team von über hundert Entwicklern. Es gibt jedoch auch viele interessante lokale Distributionen, die über die Landesgrenzen hinaus kaum bekannt sind. LinuxUser stellt einige davon vor.

Den Anfang unserer Serie "Tux International" macht UHU-Linux aus Ungarn. Die Distribution wurde 2001 komplett from Scratch entwickelt und kombiniert das Debian-Paketmanagement mit den Vorteilen von Red-Hat-basierten Distributionen. Details zur Entstehung von UHU-Linux finden Sie im Kasten "Kleine UHU-Geschichte". Während der Vorbereitung zu diesem Artikel stellten die UHU-Entwickler Version 2.1 fertiggestellt, für die Heft-DVD reichte es allerdings nicht mehr. Deshalb finden Sie auf der DVD Version 2.0, obwohl der Artikel das aktuelle Release 2.1 beschreibt.

Kleine UHU-Geschichte

UHU-Linux entstand um 2001 als Ergebnis eines Projekts zwischen der damaligen ungarischen Regierung (als Geldgeber) und der der UHU-Linux Kft (GmbH). Im Projekt verpflichtete sich die UHU-Linux Kft, für 40 Millionen Forint (rund 150 000 Euro) eine Distribution auf die Beine zu stellen, die die Regierung mit vergünstigten Rechnern vorinstalliert verkaufen wollte. Nach dem Regierungswechsel im April 2003 erhielt das Projekt keine größeren finanziellen Zuschüsse mehr, UHU-Linux kam aber trotzdem noch in einigen staatlich geförderten Projekten zum Einsatz.

Die größte Verbreitung erreichte die Distribution 2003 bis 2005 über das Regierungsprogramm "Sulinet Expressz". Es ermöglichte Schülern und Eltern mit Schulkindern, vergünstigt an Hardware zu kommen, darunter auch Rechner mit vorinstalliertem UHU-Linux. Die erste offizielle Version 1.0 mit dem Codenamen "Juhhu" erschien im April 2003 mit Kernel 2.4.20 und Gnome 2.2.1 auf zwei CDs. Es folgten die Versionen 1.1 ("Kamion") im März 2004, 1.2 ("Rajt") im Februar 2005 und 2.0 ("Igen") im August 2006. Aktuell arbeiten die Entwickler an Version 2.1 ("Bumm"), die am 18. Januar 2008 erschienen ist.

Trotz der sehr guten Lokalisierung ist UHU-Linux nicht die beliebteste Distribution Ungarns, sondern landet laut einer aktuellen Umfrage des Ungarischen Unix-Portals HUP [3] nur noch auf Platz 4 hinter Ubuntu, Debian und Gentoo. Vor allem Ubuntu macht UHU-Linux den Rang als einfache Debian-Distribution strittig.

Alles neu

Die Entwickler haben sich das Ziel gesetzt, die besten Features aus der Debian- und der RPM-Welt zu übernehmen. Das UHU-Paketmanagement basiert zwar auf Debian, in Teilen entspricht es jedoch weitgehend RPM-Distributionen: So setzt UHU beim Runlevel-System auf die für Red-Hat-Ableger typischen Init-Befehle: Ein init 3 wechselt in den Textmodus und init 5 startet die grafische Oberfläche. Auch entspricht das Paketformat von UHU nicht komplett den Debian-Richtlinien – das erkennt man unter anderem daran, dass die Pakete die Endung .uhu tragen. Bei den Konfigurationsdateien unter /etc/ herrscht ein buntes Nebeneinander: Einige Tools legen ihre Konfigurationen in /etc/sysconfig ab, andere Programme in /etc/default.

Von Mandriva hat sich UHU-Linux den Klub abgeschaut. Für rund 25 Euro (6000 HUF) pro Jahr bekommen Klubmitglieder vergünstigten Zugang zu den Produkten im UHU-Shop, ein E-Mail-Postfach mit 100 MByte Speicherplatz, 150 MByte Online-Speicher für Fotos und weitere 750 MByte auf einem FTP-Server.

Steckbrief UHU-Linux

Name UHU-Linux
Aktuelle Version/Codename 2.1/Bumm
Land Ungarn
Basiert auf Eigenentwicklung
Medien 1 CD oder 1 DVD
Paketmanager Synaptic (DEB)
Primärer Desktop Gnome
Alternative Desktops KDE, XFCE und andere
Kernel 2.6.23.9
Entwicklerteam 5 Personen
Relase-Zyklus Jährlich
Stärken Einfache und schnelle Installation, guter Multimedia-Support
Schwächen Kleine Fangemeinde, außerhalb Ungarns kaum bekannt

Installation

Das UHU-eigene Installationsprogramm spielt die Distribution auch auf älteren Rechnern in rund 15 Minuten problemlos ein. Sprechen Sie kein Ungarisch, sollten Sie im Bootmenü über [F9] die Sprache von Magyarul auf Englisch wechseln, sonst kann es während der Installation zu Sprachproblemen kommen. Im ersten Dialog müssen Sie der ungarischen UHU-Lizenz zustimmen (Abbildung 1). Sie entspricht weitgehend der GPL. Mit einem Klick auf Go! starten Sie die Installation.

Abbildung 1: Software-Lizenzen sind allgemein schwer zu verstehen – das trifft auch auf die ungarische UHU-Lizenz zu.

Das grafische Partitionierungsmodul bietet zwei Punkte zur Auswahl: Die Installation auf einer ganzen Festplatte oder auf bestehenden Partitionen. Wählen Sie letztere Möglichkeit, ordnen Sie im nächsten Dialog den Partitionen Einhängepunkte zu und legen fest, welche Festplattenabschnitte der Installer formatieren soll (Abbildung 2). Eine Swap-Partition benötigt UHU zur Installation nicht zwingend, Sie sollten aber trotzdem eine einrichten. In unseren Tests hatte die Distribution in der Version 2.1 Probleme mit bestehenden Swap-Partitionen. Sie müssen deshalb nach der Installation die Swap-Partition mit mkswap Gerätedatei neu formatieren, bevor Sie sie mit swapon Gerätedatei nutzen können.

Einen Resizer für Windows-Partitionen bringt UHU-Linux nicht mit, Sie müssen dazu fips auf der Kommandozeile benutzen. Unterstützung für LVM oder Software-RAID fehlt ebenfalls.

Abbildung 2: Minimalistisch aber gut erklärt: Im Partitionierungstool legen Sie fest, was wo mit welchem Dateisystem eingehängt wird.

Für die manuelle Partitionierung wechselt UHU nach einem Klick auf Partition manipulator in den Textmodus und startet cfdisk. Hier können Sie Partitionen löschen und neue anlegen. Beenden Sie cfdisk, landen Sie automatisch wieder im grafischen Installer.

Im dritten Schritt (Abbildung 3) wählen Sie das zu installierende System aus. Hier bietet UHU-Linux neben dem typischen grafischen Desktopsystem auch eine textbasierte Variante an. Die Unterschiede zwischen Full Installation und Recommended packages machen sich nur bei der DVD-Version bemerkbar, auf der CD erzeugen die beiden Einträge das selbe Resultat. Über die Suchfunktion oder per Liste können Sie die Paketauswahl bearbeiten. Erfahrene Nutzer genießen hier einen Vorteil, da die Paketbeschreibungen vollständig in Ungarisch vorliegen – Nicht-Magyaren müssen also am Paketnamen erkennen, was sie installieren oder abwählen.

Abbildung 3: UHU-Linux bietet drei Systeme zur Auswahl an: Textsystem, empfohlenes System und volle Installation.

Nach diesen drei Schritten startet UHU-Linux das Einspielen der Pakete (Abbildung 4). Keine zehn Minuten später können Sie die Installation mit der Konfiguration des Bootloaders fortsetzen, danach richten Sie den Root- und einen Benutzeraccount ein. Mit dem Setup der grafischen Oberfläche schließen Sie die Installation ab.

Abbildung 4: Während der Installation haben Sie Zeit, über die Paketbeschreibungen Ihre Ungarischkenntnisse etwas aufzufrischen.

Zum Test versuchten wir auch ein Update von UHU-Linux 2.0 auf Version 2.1. Der Weg über apt-cdrom add und apt-get dist-upgrade scheiterte jedoch an unlösbaren Abhängigkeitskonflikten und endete mit einer Kernel-Panik nach dem Reboot. Auch die Upgrade-Funktion aus dem Bootmenü brachte keinen Erfolg. Haben Sie die Version 2.0 installiert und möchten auf 2.1 aktualisieren, sollten Sie deshalb die Neuinstallation wählen.

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