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Schön verpackt

Linpus Linux 9.4 "Lite" im Test

Inhalte

Eine schnelle Übersicht zu den wichtigsten Anwendungen liefert Ihnen die Tabelle "Linpus Linux im Überblick". Neben den Programm-Icons bietet der Bereich Internet auch Links zu beliebten Online-Anwendungen. Der unerfahrene Anwender erhält so schnellen Zugriff auf Wikipedia, Google Maps und fataler Weise auch auf Microsofts Portal Windows Live!, um an kostenlosen Web-Space zu kommen oder eine Online-Identität aufzubauen. Als Standardbrowser dient hierzu Firefox, welcher auch bereits über das Flash- und das MPlayer-Plugin verfügt. Unerklärlicherweise legten die Entwickler jedoch keine Java-Umgebung bei.

Bei allen Bemühungen, den Anwender vom eigentlichen System fernzuhalten, verwirren die Programmierer Ihre Klientel gerne mal: So lenkt Firefox heruntergeladene Dateien in den Ordner ~/Desktop, statt den bereits vorhandenen Ordner ~/My Documents/My Internet zu verwenden. Zu allem Überdruss erscheint die Datei nicht einmal auf dem Desktop, weil der Anwender diesen ja nicht verändern darf.

Erst ein Umschalten auf den Advanced-Desktop gibt den Blick auf die Datei frei. Das Icon Messenger befindet sich gleich zweimal in der Rubrik Internet. Dahinter verbergen sich die Instant-Messenger Pidgin und AMSN. Auch das stellt den Neuling vor unnötige Fragen, zumal Pidgin das MSN-Protokoll durchaus unterstützt.

Linpus Linux im Überblick

Internet

Browser Firefox
E-Mail Thunderbird
IRC Pidgin, AMSN
VoIP Ekiga
FTP GFTP
RSS-Feeds Liferea

Office

Büropaket OpenOffice 2.2
CDs/DVDs brennen GnomeBaker
PDF-Viewer Evince
Grafik/Foto Mtpaint, F-Spot

Multimedia

Video MPlayer
Audio Banshee

Der Abschnitt Work enthält neben den großen Icons für die diversen OpenOffice-Komponenten ähnliche Probleme. Das Linpus-Team erstellte mit viel Liebe zum Detail ein Link-Icon für den Ordner ~/My Work, versäumt es jedoch, OpenOffice auf den Ordner voreinzustellen. Die Kalendersoftware Orage fällt etwas dürftig aus und eignet sich für die Zielgruppe eher schlecht. Ein Link zu Googles Online-Office komplettiert den Büroabschnitt.

Der Abschnitt für Lernprogramme bietet neben einem Tipptrainer und einer spielerischen Mathematik-Software den PDF-Reader Evince sowie den FBReader an, der als Ebook-Leseprogramm unter anderem mit Dateien der Handheld-Software Plucker umzugehen weiß.

Als Malprogramm für Kinder dient das allseits beliebte Tuxpaint, welches Linpus Linux dem Arbeitsbereich Play zuordnet. Für anspruchsvollere Aufgaben installierten die taiwanesischen Entwickler zwar Mtpaint, spendierten diesem Programm aber keinen großen Schalter. Mtpaint starten Sie im Advanced-Modus über das XFCE-Menü. Auch in diesem Arbeitsbereich finden Sie einen Ordnerlink namens My Play. Hier speichern Sie aber nicht etwa Zwischenstände der zahlreichen kleinen Spiele, sondern finden die Unterordner Music, Photos und Video.

Alltagstauglichkeit

Die Programmierer entwickelten Linpus Lite in erster Linie für kleine Endgeräte mit Bildschirmdiagonalen zwischen vier und sieben Zoll. Als Anwenderkreis peilen sie Kinder an, die einen Computer vielleicht schon einmal gesehen, aber noch nie benutzt haben. Für diese Zielgruppe gelang dem Linpus-Team eine durchaus ansprechende Benutzerführung in einem kindgerechten Layout.

Leider beschränkt sich dieser positive Ansatz auf die schöne Hülle und setzt sich im Inneren nicht fort. So folgen die einzelnen Programme nicht nur unterschiedlichen Bedienkonzepten, sondern verwenden teilweise eigene Dateidialoge zum Navigieren im Verzeichnisbaum. Das verwirrt Einsteiger ungemein. Die nutzlosen Ordner mit dem Prefix My tragen ihren Teil dazu bei.

Bei der Softwareauswahl mussten die Entwickler neben dem qualitativen Anspruch der Programme auch deren Ressourcenhunger beachten. OpenOffice deckt sicher alle Bedürfnisse der Anwender mehr als ab. Alternativ käme das Gespann Abiword und Gnumeric in Frage. Mtpaint als Foto/Grafik-Hauptanwendung oder auch die Kalendersoftware zeigte sich jedoch für die Bedürfnisse von Einsteigern sehr ungeeignet. Für alle anderen Bereich liegt ein mehr oder weniger gutes Programm bei. Der Advanced-Modus bringt keinen großen Mehrwert, außer dass Sie eventuell lernen, mit einem normalen Desktop umzugehen.

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Infos zum Autor

Mirko Albrecht

Mirko Albrecht schreibt seit Ende 2004 regelmäßig Beiträge für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Wenn er nicht gerade eine neue Distribution ausprobiert, spielt er gern Schach oder fotografiert die Welt.
Seine Rechner werden meist von Xubuntu oder Opensuse bevölkert.


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LinuxUser 06/2012

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