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Rundum ausgewogen

OpenOffice im Produktiveinsatz

Vektorgrafik: Draw

Wer von Microsoft Office kommt, wundert sich vielleicht über die Leistungsfähigkeit von Draw, dem Vektorzeichenprogramm von OpenOffice. Zwar hat auch Microsoft seinem Office-Paket Zeichenwerkzeuge mitgegeben; allerdings gibt es in keiner der vielen Office-Varianten ein explizites Programm zum Erstellen von Vektorgrafiken.

Im Unterschied zu Pixelgrafiken, die aus einzelnen Punkten bestehen, zum Beispiel Digitalfotos, basieren Vektorgrafiken auf mathematisch beschreibbaren Linien und Kurven. Dadurch lassen sich solche Grafiken verlustfrei skalieren; zudem belegen Vektorgrafiken wesentlich weniger Speicherplatz im Rechner. Gerade im Illustrationsbereich, zum Beispiel beim Design von Wort- und Bildmarken, spielen Vektorgrafiken eine wichtige Rolle (Abbildung 5).

Abbildung 5: Mit Draw bringt OpenOffice ein Vektorzeichenprogramm mit, das im Büroalltag gerade mit seinen überschaubaren Funktionen punktet.

Im Büroalltag benötigen Sie solche Grafiken für Briefköpfe und Visitenkarten, aber auch für Präsentationen. Insofern erfüllt Draw im Office eine durchaus wichtige Rolle. Allerdings muss sich das Programm in Linux-Umgebungen mit dem ebenfalls unter der GPL-Lizenz segelnden Inkscape [4] messen lassen, das als Spezialist dann doch wesentlich mehr Funktionen zu bieten hat.

Das spricht allerdings nicht unbedingt gegen Draw, denn die OpenOffice-Anwendung punktet mit ihrer überschaubaren Bedienung. So fällt es hier wesentlich leichter, Organigramme oder Flussdiagramme aus einigen wenigen Grundformen und Verbindungslinien zu schaffen. Überhaupt eignet sich Draw viel mehr für das schnelle Erstellen von Standardgrafiken als das wesentlich kreativere Inkscape.

Wenngleich Draw mit den Spezialisten in Bezug auf Funktionsumfang und Flexibilität nicht mithalten kann, zeigt es seine Stärken besonders im Büro-Umfeld. Dort drängt es sich für das Erstellen von Grafiken und Schaubildern geradezu auf, weil es dort weniger um Kreativität als um Schnelligkeit und einfache Handhabung geht.

OpenOffice: In engem Kontakt mit der Außenwelt

Um ein mit dem einen Programm erstelltes Dokument mit einem anderen bearbeiten zu können, bedurfte es in der Vergangenheit entweder eines Dateifilters zum Im- und Export oder eines Austauschformats. OpenOffice beherrscht beide Formen in beide Richtungen: Die Anwendungen des Pakets können gängige Microsoft-Office- und StarOffice-Formate sowohl lesen als auch schreiben (Abbildung 6). Diese Kompatibilität besitzt Microsoft Office nicht.

Abbildung 6: Wenn alle Officepakete sich so weltoffen und flexibel zeigten wie OpenOffice, gehörten alle Kompatibilitätsprobleme der Vergangenheit an.

Das Rich Text Format (RTF) dient dem Austausch von Daten auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Damit können Sie auch Dokumente vom Mac oder aus wenig verbreiteten Office-Anwendungen verarbeiten. Allerdings "unterschlagen" RTF-Dokumente zahlreiche Formatierungen der Originale und sind also nur ein Kompromiss, wenn sonst nichts geht.

Mit der neuen Version Office 2003 setzt Microsoft nicht nur auf ein komplett anderes Benutzerinterface, das nur wenig mit den Vorversionen gemein hat. Auch das Dokumentformat hat sich geändert. Das führt unter anderem dazu, dass aktuelle Versionen von OpenOffice Dokumente aus Office 2003 nicht mehr lesen können. Inwieweit sich das mit der kommenden OOo-Version 2.4 ändert, lässt sich derzeit noch nicht absehen.

Dieser missliche Umstand ist einer der Gründe dafür, dass man sich in der Office-Welt zunehmend um offene Standards bemüht, bei denen jeder alles verarbeiten kann. Mit dem Open Document Format (ODF) existiert bereits ein solcher offener und durch internationale Normen abgesicherter Standard [5]. OpenOffice hält sich daran, Microsoft nicht. Da es – so öde der Streit um Normen und Standards auch auf den ersten Blick wirken mag – hier um strategische Entscheidungen mit langfristiger Wirkung geht, setzt Microsoft mit Office Open XML auf ein eigenes Format, das allerdings international nicht im gleichen Maß anerkannt ist wie ODF. Den Schaden haben die Anwender von Bürosoftware, die sich für eine der Welten entscheiden müssen – was wohl auch von Microsoft so beabsichtigt ist.

Ein anderes Problem der Zusammenarbeit zwischen den Suiten löst aber auch ODF nicht: Makros oder mit den Basic-Varianten der Office-Pakete erstellte Skripte werden nicht mit dem ODF-Dokument gespeichert, so dass automatisierte Befehlsfolgen zwischen den Applikationen überhaupt nicht funktionieren. Das gilt auch für die Formeln in Tabellen. Die entziehen sich ebenfalls einer Standardisierung, so dass die Funktion in der einen Anwendung nicht notwendigerweise in der anderen funktioniert.

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