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Recherche-Künstler

Drei Desktop-Suchmaschinen im Vergleich

… fertig, los!

Beagle benötigte zum Erstellen des Index rund sieben Stunden (siehe auch Kasten "Beagle beschleunigen"). Dies erscheint zunächst enorm. Allerdings erlaubt das Programm während des Indizierens ein normales Arbeiten: Die CPU war zu keiner Zeit über 10 Prozent ausgelastet. An Arbeitsspeicher beanspruchte der Beagle-Daemon um die 40 MByte, der Beagle-Helper knapp 30 MByte. Mehr als 70 MByte konnten wir zu keinem Zeitpunkt messen.

Interessant dabei ist die Vorgehensweise: Zunächst indizierte Beagle die E-Mails, erst später alle übrigen Dateien. Der Protokolldatei, die Sie unter ~/.beagle/Log/current-Beagle finden, entnehmen Sie, was der Dämon in der Vergangenheit erledigte. Der erzeugte Index belegte auf der Festplatte 297 MByte.

Beagle beschleunigen

Beagle hält sich beim Erzeugen des Index eher zurück, weswegen er dafür länger braucht als die Konkurrenz. Falls die Prozedur beschleunigen möchten, exportieren Sie die Umgebungsvariable: export BEAGLE_EXERCISE_THE_DOG=1. Allerdings müssen Sie damit rechnen, dass Beagle dann wesentlich mehr Ressourcen benötigt.

Tracker starteten wir im normalen Modus: Weder den RAM-Verbrauch noch die Indizierungsgeschwindigkeit drosselten wir in den Einstellungen. Das Programm erledigte die Aufgabe in dieser Konfiguration wesentlich flinker als Beagle und war bereits nach 80 Minuten fertig. Die CPU lastete der Dämon durchschnittlich zu 25 Prozent aus, der Speicherverbrauch stieg im Verlauf von 12 bis auf knapp 40 MByte. Nach einem Neustart des Dämons pendelte er sich wieder bei 12 MByte ein, was unter Umständen auf Speicherlecks deutet. Tracker indizierte rund eine Stunde lang Dateien, optimierte den Index im Anschluss für weitere zehn Minuten und verbrachte die restliche Zeit mit dem Indizieren der E-Mails. Nach Abschluss umfasste der Index 299 MByte.

Der Strigi-Dämon arbeitete beinahe so schnell wie Tracker: Er benötigte etwas mehr als 90 Minuten. Der Ressourcenverbrauch war, wie bereits angedeutet, allerdings um einiges höher als bei den beiden Mitstreitern: Nicht selten stieg die CPU-Last auf über 90 % und ließ den Lüfter des Laptops laut aufheulen. Bei der Belegung des Arbeitsspeichers bewegte sich Strigi ungefähr gleichauf mit der Konkurrenz: Während der Indexerzeugung stieg der Verbrauch von anfangs etwa 28 MByte auf schließlich durchschnittlich 34 MByte. Im Leerlauf benötigte Strigi immer noch 32 MByte – etwa so viel wie Beagle.

Einen echten Ausreißer erlaubt sich das Programm allerdings bei der Belegung des Festplattenplatzes. Mit knapp 760 MByte setzte sich Strigi an die "Spitze" aller Testkandidaten. Der Index wuchs bei einem erneuten Start zusätzlich auf über das Doppelte. Der recht laxe Umgang mit den Ressourcen spricht daher nicht gerade für Strigi. Umso verwunderlicher erscheint, dass KDE 4 auf die Speicherschleuder setzt, soll die neue Major-Version des Desktops doch das alte Vorurteil des "Ressourcenmonsters" ausräumen. Hier sollte man allerdings der Fairness halber anmerken ist, dass auch Googles Desktop-Suche nicht gerade sorgsam mit dem Arbeitsspeicher umgeht: Bei der Indexerzeugung, die wesentlich länger als bei Beagle dauert, belegen alle beteiligten Prozesse zusammen über 80 MByte.

Die Tabelle "Ergebnisse der Indizierung" enthält alle ermittelten Werte der Desktop-Suchprogramme, darunter auch die indizierten Dateien, E-Mails und Instant-Messaging-Konversationen.

Ergebnisse der Indizierung

Programm

Indizierungszeit

CPU-Last (Durchschnitt)

RAM-Verbrauch (Indizierung)

RAM-Verbrauch (Idle)

Festplattenbelegung

Indizierte Dateien

Indizierte E-Mails

Indizierte Konversationen

Beagle 420 Minuten <= 10% 40 MByte (beagled) + 30 MByte (beagled-helper) 35 MByte (beagled) + 25 MByte (beagled-helper) 297 MByte 71634 104808 1446
Tracker 80 Minuten 10% – 50% 37 MByte 37 MByte (12 MByte nach Neustart) 299 MByte 70648 111449 1446
Strigi 90 Minuten 20% – 90% 20 – 38 MByte 35 MByte 758 MByte nicht ermittelbar nicht ermittelbar nicht verfügbar

Wer suchet, der findet

Für den Anwender zählen in erster Linie die Suchergebnisse der Programme. Durch das Verwenden von nicht weniger als 28 Schlüsselwörtern ermöglicht Beagle, Suchanfragen zu verfeinern. Eine Übersicht erhalten Sie mit dem Befehl beagle-query --keywords oder im Beagle-Wiki unter [8].

Für Tracker scheint es ähnliche Schlüsselwörter zu geben: Zum Beispiel fördert txt:linux nur Textdateien zu Tage. Jedoch ist das Feature im Tracker-Frontend bei weitem nicht so durchgängig implementiert wie bei Beagle. Nicht selten kommt es daher zu sogenannten "false positives", also Treffern, die eigentlich keine sind.

Außerdem scheint das Tracker-Frontend lange nicht so mächtig auszufallen wie das Äquivalent tracker-search in einem Befehlsfenster. Durch tracker-search -s Emails gnome (siehe Abbildung 4) grenzen Sie die Suchanfrage auf E-Mails ein, was mit dem Frontend nicht gelang. tracker-search --help gibt gültige Schlüsselwörter aus (die bei Tracker "Dienste" heißen). Die Option -l Anzahl limitiert die Anzahl auf eine bestimmte Zahl von Treffer.

Abbildung 4: Mit dem Konsolenprogramm tracker-search stellen Sie Anfragen detaillierter, als es mit dem Tracker-Frontend möglich ist.

Das Strigi-Frontend zeigt die Suchergebnisse sehr unübersichtlich, weswegen es sich für den produktiven Einsatz weniger eignet. Die Genauigkeit der Ergebnisse ist somit sehr schwer zu ermitteln. Es bleibt zu hoffen, dass es bald einen besseren Ersatz gibt. Die Tatsache, dass Strigi einen integralen Bestandteil von KDE 4.0 bildet und es auch eine Deskbar-Applet-Anbindung gibt, trösten etwas über die Schwächen hinweg.

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Infos zum Autor

Christian Meyer

Linux-Nutzer seit 1996, aktiv bei Gnome zwischen 2000 und 2006.


Infos zur Publikation

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LinuxUser 03/2012

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