Klein und günstig
Entwicklerset für Green-OS von Via
Powermanagement
Die ersten Strommessungen mit dem Board fielen ziemlich ernüchternd aus. Obwohl Via mit einem maximalen Verbrauch von 20 Watt für die CPU wirbt, beanspruchte unser Testsystem bereits im Leerlauf 55 Watt. Um den Stromverbrauch des Boards tatsächlich zu senken, benötigen Sie ein spezielles Netzteil: zum Beispiel die PicoPSU 90 von Minibox [4]. Ein Komplettsystem verbraucht damit im Leerlauf nur rund 30 Watt – also gleich viel, wie der ebenfalls in dieser Ausgabe getestete Esprimo Q5020 mit Core-2-Duo-Prozessor.
Laut Via unterstützt das Board die ACPI-Zustände S0, S1, S4 und S5, die Ausgabe des Befehls
dmesg | grep ACPI | grep support
bestätigt dies auch. Schalten Sie allerdings im BIOS die Option ACPI Enhanced Efficiency ein, unterstützt das Board mit S0, S3, S4 und S5 auch Suspend-to-RAM. In den Tests ließ sich das System allerdings weder im S1- noch im S3-Zustand wirklich stromsparend betreiben und zog je nach Einstellungen und Netzteil zwischen 22 und 40 Watt (siehe Tabelle "Stromverbrauch") – deutlich zu viel für einen Stromsparmodus. Das Powermanagement schaltet lediglich die Festplatte ab, die CPU und der Lüfter verrichten weiter ihren Dienst.
Die englische Wikipedia-Seite spricht zwar davon, dass gOS 2.0 ("Rocket") das Powermanagement des Via-Boards vollständig unterstützen soll [5], an den Mängeln änderte jedoch das Update von gOS auf Version 2.0.0 nichts. In unseren Tests litt die Beta-Version unter den gleichen Problemen wie gOS 1.1. Die Redaktion hat bereits Kontakt mit Via aufgenommen, bis zum Redaktionsschluss ging jedoch keine Antwort ein.
Stromverbrauch
|
| S1/S3 | Leerlauf | DVD-Playback | Unter Last |
|---|---|---|---|---|
| Normales Netzteil | 40 W | 55 W | 60 W | 70 W |
| PicoPSU | 25 W | 35 W | 42 W | 55 W |
Bei der aktuellen Linux-Unterstützung kann man somit nicht wirklich von einem stromsparenden Board sprechen. Ein modernes Notebook benötigt zum Beispiel im Leerlauf unter 20 Watt, und selbst beim DVD-Playback steigt der Verbrauch nicht über 25 Watt.
Fazit
Wer keine 3D-Performance braucht, bekommt mit dem Via PC2500E inklusive C7-Prozessor für rund 60 US-Dollar ein günstiges und trotzdem relativ schnelles Board. Mangels Unterstützung für das Powermanagement eignet es sich nicht perfekt für den Wohnzimmerrechner, obwohl die MPEG-Beschleunigung mit dem freien Openchrome-Treiber gut funktioniert. Als Grundlage für einen günstigen Heimserver macht das Board mit einem durchschnittlichen Stromverbrauch von unter 40 Watt hingegen eine gute Figur.
Trotz anderslautender Ansprüche der Marketingkampagne kann man den auf dem Board aufsetzenden Walmart-Rechner von Everex aber nicht als Green-PC bezeichnen, weil dieser ein konventionelles Netzteil einsetzt und somit unnötig viel Strom verbraucht.
[1] Green-OS: Marcel Hilzinger, "Etwas grünes", LinuxUser 01/2008, DVD-Teil S. VIII
[2] Günstigste Bezugsquelle: http://clubit.com/product_detail.cfm?itemno=A4842001
[3] Offizieller Treiber von Via: http://www.viaarena.com/Driver/cle266cn400cn-cx700cn800xorg40072-kernel-src_20071213d.rar
[4] PicoPSU: http://www.mini-box.com/picoPSU-90
[5] Link auf Wikipedia-Eintrag: http://en.wikipedia.org/wiki/GOS_Rocket_(Linux_distribution)



