Das Via-Mainboard PC2500E bildet den Kern des von Walmart angebotenen Everex-Rechners mit gOS als Betriebssystem [1]. Das Board verbraucht mit einem C7-Prozessor und integrierter Grafik selbst beim DVD-Playback nur 40 Watt – das sind rund 20 Watt weniger als bei einem handelsüblichen Rechner. Performance-Einbußen müssen man dafür allerdings bei der Grafik und bei CPU-intensiven Rechenvorgängen in Kauf nehmen.
Das offiziell als gOS Development Kit beworbene Mainboard inklusive der auf 1,5 GHz getakteten Esther-CPU kostet keine 100 Euro. Bei den aktuellen Dollar-Preisen können Sie das Mainboard in amerikanischen Internetshops sogar schon für 50 Euro erwerben [2], allerdings kommen dann noch die Versandkosten hinzu.
Via PC-1 2500E
| Prozessor | Via C7 (Esther) 1.5GHz |
| Chipsatz | Via CN700 + VT8237R Plus |
| Speicher | 2 x DDR2-533 (2GByte max.) |
| Grafik | Via Unichrome Pro IGP (max. 128MByte, shared memory) |
| Interne Anschlüsse | 2 x RAM (DDR2, 533), 2 x PATA133, 1 x FDD, 2 x SATA, 2 x PCI, 4 x USB 2.0, |
| Anschlüsse Rückseite | 4 x USB 2.0, 5.1-Audio, Fast Ethernet, VGA, serieller + paralleler Port, 2 x PS/2 (Maus + Tastatur) |
| Formfaktor | Mini-ATX (19 x 22,8 cm) |
| Preis | ab 60 US-Dollar |
Erster Eindruck
Die Installation aktueller Linux-Distributionen bereitet keine Probleme, Fedora 8, OpenSuse 10.3 und Ubuntu 7.10 lassen sich problemlos aufspielen und nutzen. Möchten Sie das Board als Grundlage für einen Datei- oder Druckserver nutzen, gibt es nicht viel zu berichten: Die Via-CPU hält von der Leistung her durchaus mit ähnlich getakteten Intel- oder AMD-Prozessoren mit, die Kernelquellen von Ubuntu 7.10 übersetzte unser System in 140 Minuten.
Dank 5.1-Soundausgang und beschleunigter Videowiedergabe eignet sich das PC2500E auch als Basis für einen Multimedia-PC. Die aktive Kühlung des C7-Prozessors durch einen kleinen lärmigen Ventilator stört allerdings das Vergnügen, einen passiven Kühler bietet Via nicht an. Auch müssen Sie den Treiber für den Grafikprozessor erst installieren, da zurzeit keine Distribution entsprechende Pakete mitbringt, welche auch tatsächlich funktionieren.
Treiberprobleme
Das Via-Board bring neben dem hauseigenen Esther-Prozessor auch einen eigenen Grafikchip der Unichrome-Familie mit. Dabei handelt es sich um den Unichrome Pro IGP (CN700). Für den Chipsatz offeriert Via auf seinem Support-Portal Linux-Treiber zum Download [3], die auch 3D-Unterstützung bieten. Die Treiber sind jedoch trotz Aktualisierungen Ende Dezember 2007 in einem eher schlechten Zustand und lassen sich auf den neuesten Distributionen nur über Umwege kompilieren. Eine Anleitung für Ubuntu finden Sie im deutschen Ubuntu-Wiki [1].
Unter OpenSuse müssen Sie über YaST neben dem Schema Grundlegende Entwicklung auch die zwei Pakete libdrm-devel und xorg-x11-server-sdk installieren. Das SDK-Paket gibt es nur online im OSS-Repository. Nach dem Kompiliervorgang suchen Sie nach den Dateien via_drv.so sowie libddmpeg.so und kopieren die Via-Treiberdatei mit Adminrechten nach /usr/lib/xorg/modules/drivers.
Die Library für die beschleunigte MPEG-Wiedergabe kopieren Sie nach /usr/lib. Unter Ubuntu müssen Sie anschließend den X-Server mit dpkg-reconfigure xserver-xorg neu einrichten und als Treiber via auswählen, unter OpenSuse starten Sie SaX2 im Runlevel 3 mit dem Befehl sax2 -m 0=via. In beiden Fällen müssen Sie für die 3D-Beschleunigung noch die Kernelmodule via und drm laden.
Die 3D-Fähigkeiten des Grafikchips vermögen aber selbst mit dem Original-Treiber von Via nicht sonderlich zu überzeugen. Tests mit Beryl und Compiz endeten in der Regel in einem Absturz des X-Servers. Auch Tuxracer alias Planetpenguinracer brachte den X-Server mehrmals zum Absturz. Lediglich Glxgears drehte seine Runden konstant – quasi zum Beweis, dass es tatsächlich funktioniert (Abbildung 3).
Unter aktuellen Distributionen installieren Sie deshalb am besten den Via-Treiber des Openchrome-Projekts. Er liefert zwar in der aktuellen SVN-Version (Revision 507) keinen 3D-Support mehr, das hardwarebeschleunigte Videoplayback für MPEG2- und MPEG4-Filme klappt hingegen problemlos. Der Code lässt sich mit dem Dreischritt autogen.sh, make und make install anstandslos übersetzen und installieren. Details zur Installation entnehmen Sie dem Artikel zum Brunen-PC in dieser Ausgabe.



