Webbasierte Anwendungen sprießen aus gutem Grund beinahe wie Pilze aus dem Boden: Die Programme lassen sich plattformunabhängig von jedem beliebigen Computer starten und bieten einen ähnlichen Funktionsumfang wie ihre lokalen Pendants. Zudem sparen Sie sich die Installation, verringern damit die Codebasis auf dem eigenen Rechner und umgehen so die Gefahr von Programmfehlern und Sicherheitslücken. Desweiteren haben die Webanwendungen in der Regel keinen Zugriff auf lokal gespeicherte Dateien. Da die Verarbeitungsprozesse meist auf dem Server ausgeführt werden, schonen Webapplikationen darüber hinaus die Systemressourcen des eigenen PCs.
Die Webapplikationen haben aber auch einen Nachteil: Die Ausführung im Webbrowser bringt die Gefahr von Übergriffen mit sich, bei denen Schadcode die Inhalte von Seiten anderer Tabs ausliest. Hier kommt Prism [1] ins Spiel: Es bricht Webanwendungen aus der Browseroberfläche heraus und stellt sie jeweils in einer eigenen Instanz wie eine lokale Applikation in einem normalen Fenster (Abbildung 1) dar. So lassen sich die Anwendungen sogar via Desktop-Shortcut jederzeit erreichen.
Funktionsweise
Prism, früher als Webrunner bekannt, bettet Webapplikationen mit der Rendering-Engine von Firefox [2] in Fenster ein. Dabei blendet es aber alle Funktionselemente aus, die man für die Arbeit mit der Webanwendung nicht braucht. Das Programm bringt alle notwendigen Bestandteile selbst mit und arbeitet damit unabhängig von anderen Anwendungen. Allerdings verzichtet Prism auch auf eine Schnittstelle zum Nachinstallieren von Firefox-Plugins, was die Installation selbst sinnvoller Erweiterungen (etwa dem Adblocker oder Wörterbüchern zur Rechtschreibkorrektur) ausschließt. Auch das funktionsreiche Kontextmenü von Firefox reduzierten die Entwickler auf bloßes Cut & Paste (Abbildung 2).
Anders als Firefox, der per se nur eine gestartete Instanz erlaubt, lädt Prism jede Webapplikation in einem eigenen Prozess. So betreffen Abstürze nur die aktuelle Anwendung. Allerdings trennt Prism lediglich die Prozesse. Von Anwendungen heruntergeladene Informationen wie Cookies oder temporäre Dateien stehen auch den anderen Webapplikationen zur Verfügung, die Sie mit Prism verwenden. Starten Sie als Beispiel Google Mail und melden sich dort an, gilt die Authentifizierung auch für alle übrigen Online-Anwendungen von Google.
Einrichten
Um mit Prism zu arbeiten genügt es, das auf der Projektseite [1] angebotene Paket herunterzuladen und an beliebiger Stelle zu entpacken. Leser der LinuxUser Media-Edition verwenden das auf der Heft-CD im Verzeichnis LinuxUser/prism/ enthaltene Paket. Nach dem Entpacken klicken Sie auf die Datei prism. Daraufhin öffnet sich zunächst ein Konfigurationsfenster (Abbildung 3)
Im oberen Bereich legen Sie die URL sowie den Namen der Anwendung fest, darunter geben Sie an, ob Prism die Adressleiste, Statusmeldungen und Navigationspfeile anzeigen soll. Mit dem Aktivieren des Letzten Buttons Desktop Icon im Feld Create Shortcuts veranlassen Sie die Applikation, einen Link auf dem Desktop zu erzeugen.
Hier bietet die Windows-Variante der Software allerdings deutlich mehr: Sie erlaubt nicht nur das Erstellen des Desktop-Icons sondern darüber hinaus Anlegen von Verknüpfungen im Startmenü und der Schnellstartleiste. Ein Klick auf das Desktop-Icon genügt zukünftig, um die eingestellte Online-Applikation zu starten. Eine Möglichkeit, die Einstellungen nachträglich zu ändern, bietet Prism nicht. Hier hilft nur, den Link zu löschen und neu zu erstellen.
Am rechten unteren Ende eines jeden Fensters finden Sie ein Icon in Zahnradform. Ein Klick darauf öffnet ein Menü, über das Sie die angezeigte Seite ausdrucken, die Error Console oder den DOM-Inspector starten. Letzterer erlaubt Ihnen, die Struktur von Webseiten zu analysieren.
TIPP
Achten Sie darauf, im Namen von Applikationen keine Umlaute oder Sonderzeichen zu verwenden. Die bringen Prism aus dem Tritt: Zumindest zeigt es den Namen und das Icon auf dem Desktop falsch an, je nach System kann es oft auch die Anwendung nicht mehr starten.



