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Bunte Vielfalt

Office-Suiten im Test

Gnome-Office

Bei der Gnome-Office-Suite [3] handelt es sich nicht um ein Büropaket im eigentlichen Sinn, sondern um eine Sammlung einzelner Anwendungen. Zum Kernpaket zählen die Textverarbeitung Abiword [4], die Tabellenkalkulation Gnumeric [5] und die Datenbankanbindung Gnome-DB. Ein Programm für das Erstellen von Präsentationen fehlt. Abiword und Gnumeric zeigen sich hinsichtlich des Ressourcenverbrauchs als sehr genügsam. Daher machen sie auf schlanken oder älteren Systemen durchweg eine gute Figur und ermöglichen flüssiges Arbeiten.

Abiword startet im Handumdrehen und präsentiert sich angenehm übersichtlich. Das Programm bewältigt dennoch fast alle Aufgaben, die der Büroalltag stellt. Die Textverarbeitung lässt sich mit Plugins erweitern und verfügt danach über nützliche Zusatzfunktionen wie eine integrierte Unterstützung durch Wikipedia, Babelfish oder Google. Die Hilfe und Dokumentation fallen bei weitem nicht so umfangreich aus wie bei OpenOffice und Softmaker, sodass sich manche Probleme nur nach Konsultation einer Suchmaschine lösen lassen. Das Projekt One Laptop Per Child (OLPC, [6]) setzt Abiword als Standardtextverarbeitung ein, was dem Programm in Zukunft zu hoher Verbreitung verhelfen könnte.

Abiword unterstützt bei Im- und Export alle wichtigen Dateiformate. Allerdings hat das Textprogramm mit komplexen Dokumenten Schwierigkeiten. So unterschlug es in unserem importierten ODT-Testdokument Bild und Bildunterschrift (Abbildung 2). Auch beim Import einer Microsoft-DOC-Datei kam es zu erheblichen Verschiebungen – die Bildunterschrift fiel hier ebenfalls unter den Tisch. Beim Exportieren traten die selben Probleme zutage wie beim Importieren, nur dass in der Open-Document-Datei zusätzlich zum Bild auch noch die Liste und die Tabelle verschwanden.

Abbildung 2: Importschwächen: Bei Abiword sind beim Öffnen der Referenzdatei Bild und Bildunterschrift verlorengegangen.

Das Kalkulationsprogramm Gnumeric hat sich das bescheidene Ziel gesetzt, die beste Tabellenkalkulation zu sein, ohne etablierte Produkte dafür nachzuahmen. Das Programm ist nach dem Start immerhin fix geladen. Auch der Funktionsumfang lässt nichts zu wünschen übrig und kann es – was die Anzahl der Rechenfunktionen angeht – durchaus mit Openoffice aufnehmen: Satte 519 Funktionen stellt das Programm für die Arbeit mit Tabellen zur Verfügung.

Gnumeric spielte anstandslos mit, als wir unsere Stundenliste im Excel-Format importierten (Abbildung 3). Fast alle Einträge übernahm das Programm sauber. Allerdings ließen sich die Visual-Basic-Makros nicht nutzen. Beim Import von OpenOffice-Tabellen gingen zudem aus unbekanntem Grunde einige Tabellenverknüpfungen verloren. Diese ließen sich mit moderaten Zeitaufwand aber manuell rekonstruieren. Gnumeric exportiert Tabellen problemlos ins Excel-Format. Das funktionierende Exportieren moderner ODS-Dateien beherrscht Gnumeric derzeit noch nicht. Die angebotene, fairerweise als "unvollständig" deklarierte Funktion, das Dokument im OpenOffice-Format zu speichern, erledigte ihre Aufgabe zwar, verlor aber unterwegs alle Tabellen.

Abbildung 3: Testsieger beim Import aus OpenOffice: Gnumeric machte beim Lesen der Fremdtabelle den besten Eindruck aller Testkandidaten.

KOffice

Die Office-Suite KOffice [7] gehört zum KDE-Projekt und findet sich in den Repositories praktisch aller Distributionen, die den KDE-Desktop unterstützen. Dementsprechend schnell und bequem lässt sie sich installieren. Das Paket selbst aus den Quellen zu übersetzen, gestaltet sich aufgrund der zahlreichen Abhängigkeiten recht zeitraubend.

KOffice bringt eine Vielzahl an Anwendungen mit, sodass die Suite es mit OpenOffice durchaus aufnehmen und dieses in einigen Bereichen sogar übertrumpfen kann. Neben der Textverarbeitung KWord, der Tabellenkalkulation KSpread, dem Präsentationseditor KPresenter und der Datenbankanwendung Kexi verfügt das Paket mit Krita auch über eine Bildbearbeitung. Die fällt zwar nicht so umfangreich aus wie die Linux-Referenz Gimp, bietet dennoch eine breite Fülle an Möglichkeiten. Zusätzlich enthält KOffice noch Kivio, ein Programm zum Zeichnen von Flussdiagrammen (Abbildung 4), sowie Kugar, eine Anwendung zum Erstellen von Geschäftsberichten inklusive Datenbankanbindung, und den Formeleditor KOffica mit, ein Pendant zu OpenOffice Math.

Abbildung 4: Nützlicher Exot im Office: Mit Kivio erstellen Anwender schnell und einfach Flussdiagramme und Organisationspläne.

Auf unseren Testsystemen startete KWord flott und belegte deutlich weniger Speicher mit Beschlag als OpenOffice Writer, jedoch mehr als das schlanke Abiword. Der Import des Referenzdokuments im odt-Format bereitete wenig Probleme: KWord zeigt Bild, Bildunterschrift, Aufzählung und Tabelle zwar an, allerdings nicht an den erwarteten Positionen; in der Bildunterschrift überlagern sich die Zeichen, der letzte Absatz findet sich auf Seite Zwei. Der Grund für das verschobene Layout offenbart sich beim genaueren Blick auf das Dokument (Abbildung 5): Die Abstände zwischen den einzelnen Zeichen fallen in KWord ein wenig größer aus als in OpenOffice, weswegen weniger Text pro Zeile Platz findet. Durch die größere Anzahl von Textzeilen kommt es zu den besagten Verschiebungen. Beim Import des Dokuments im Microsoft-Format fehlten Bild und Unterzeile völlig.

Abbildung 5: Die größeren Abstände zwischen den Zeichen zerschießen bei KWord das Layout des Referenzdokuments.

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Infos zum Autor

Falko Benthin

Falko Benthin studiert Gesundheitsinformatik und engagiert sich in verschiedenen gemeinnützigen Vereinen. In seiner Freizeit verschlingt er leidenschaftlich gern Bücher und bloggt auf www.e-leseratte.de zu E-Book-Readern und verwandten Themen.

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