Im Zeitalter der Digitalkamera rückt der heimische PC immer stärker zum Bearbeiten und Archivieren von Fotos in den Vordergrund. Dabei löst er Schritt für Schritt auch das gute alte Fotoalbum ab. Nicht jeder Bilderfreund möchte jedoch mit Funktions-Boliden wie Gimp seine Urlaubs- oder Familienfotos bearbeiten. Zudem gestaltet sich die Archivierung von Fotos in Verzeichnissen mit hierarchischer Struktur umständlich. Hier setzt das freie Programm Albumshaper [1] an: Es ermöglicht auch ungeübten Anwendern, in wenigen Schritten ein digitales Fotoalbum anzulegen. Darüber hinaus bietet die Software auch einfache Bildbearbeitungsfunktionen, die in aller Regel den Einsatz eines zusätzlichen Grafikprogramms überflüssig machen.

Installation

Als KDE-Anwendung setzt Albumshaper die Qt-Bibliotheken voraus. Unter Gnome und anderen Arbeitsumgebungen benötigen Sie zum Einrichten der Software zusätzlich die Qt-Laufzeitumgebung. Am einfachsten spielen Sie die Anwendung aus dem Repository Ihrer Distribution ein. So umgehen Sie die manuelle Installation der Qt-Bibliotheken und weiterer Abhängigkeiten. Sollten die Software nicht zum Inventar Ihrer bevorzugten Distribution gehören, finden Sie möglicherweise unter [2] das passende Paket.

Während im KDE-Startmenü unter Multimedia | Grafik automatisch ein Icon für das Programm bereitsteht, müssen Sie unter Gnome erst einen Starter einrichten, um die Software bequem aus dem Menü heraus zu starten.

Sammelleidenschaft

Nach dem Start erscheint das Programm mit einer zwar aufgeräumten, aber auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich wirkenden Oberfläche. Albumshaper unterscheidet zwischen Alben und Sammlungen. Diese Trennung orientiert sich an der Realität, in der ein einziges Fotoalbum auch Urlaubsbilder mehrerer Jahre beinhalten kann. Im oberen Fensterbereich geben Sie zunächst den Namen und die Beschreibung des Albums (links) und der Sammlung (rechts) ein. Der Hauptbereich darunter gliedert sich ebenfalls in zwei Spalten. In der kleinen Spalte links sehen Sie die verschiedenen Sammlungen untereinander aufgeführt. Der große Bereich rechts bleibt den Bildern vorbehalten: Die zeigt Albumshaper verkleinert als Vorschau an.

Um die Fotos in einer Sammlung zusammenzufassen, wechseln Sie in den Reiter Organisieren. Im unteren Bereich des Programmfensters klicken Sie jetzt auf den Schalter Bilder hinzufügen. Wählen Sie im sich öffnenden Dateidialog die gewünschten Bilder aus, anschließend stellt Ihnen Albumshaper die Fotos verkleinert im Programmfenster dar. Alternativ ziehen Sie einzelne Fotos per Drag & Drop aus anderen Anwendungen in das Organisationsfenster.

Berühren Sie mit dem Mauszeiger eines der Bilder und klicken auf kleinen Buchstaben i, hebt das Programm dieses von den anderen heraus – es erscheint leicht vergrößert. Bei Bedarf schreiben Sie jetzt einen Kommentar unter das Bild (Abbildung 1). Ein Mausklick mit der rechten Taste öffnet einen Dialog, mit dem Sie das Bild als Titelbild für Ihr ganzes Album oder die aktive Sammlung festlegen.

Abbildung 1: Kommentare zu Bildern geben Sie in Form einer Bildunterschrift an.

Wechseln Sie auf den Reiter Bearbeiten, so gelangen Sie in den Bildbearbeitungsmodus. Hier stellt der Albumshaper Grundfunktionen zur Bildmanipulation bereit: Größe und Qualität ändern, Drehen und Spiegeln. Dabei unterstützt Sie die Software mit intelligenten Funktionen, die selbst professionelle Bildbearbeitungssoftware nicht bietet. Vergrößert sich ein Bildausschnitt beim Zuschneiden so stark, dass die Bildqualität darunter leidet, umrandet das Programm den Ausschnitt mit roter Farbe.

Fotos aufpolieren

Bemerkenswert arbeiten auch die Funktionen Farbe und Kontrast im Bereich Qualität. Ein Klick auf die entsprechenden Symbole aktiviert die automatische Korrektur von Farbe, Helligkeit und Kontrast. Dabei verbessert ein Algorithmus die Bilder vollautomatisch. Im Test zeigte diese Funktion durchaus annehmbare Ergebnisse. Eine ebenfalls selten anzutreffende Sonderfunktion stellt die Rote-Augen-Korrektur dar: Selbst Gimp benötigt hier weitere Angaben, um die roten Augen auf Porträtaufnahmen zu bearbeiten. Albumshaper erledigt diese Aufgabe dagegen souverän und nahezu ohne Mitwirkung des Anwenders. Im Test korrigierte die Software den Rote-Augen-Effekt, auch ohne die entsprechenden Bildbereiche vorher zu markieren. Als weitere Features berichtigt Albumshaper Unschärfen und bietet manuelle Farbmodifikationen an.

Ein Klick auf die Symbole Pegel oder Körnung öffnet ein Fenster, in dem das aktuelle Foto zweigeteilt erscheint. In der linken Bildhälfte sehen Sie das Original. Auf der rechten Seite kontrollieren Sie das Ergebnis Ihrer Änderungen sofort (Abbildung 2).

Abbildung 2: Bildbearbeitungsfunktionen werden im zweigeteilten Fenster ausgeführt.

Im Bereich Effekte haben Sie die Möglichkeit, spezielle Veränderungen am Foto vorzunehmen. Wandeln Sie beispielsweise ein Farbfoto in ein Schwarzweißbild um oder lassen Sie Bilder mit dem Sepia-Effekt künstlich altern. So sehen die Aufnahmen aus wie Abzüge aus der Frühzeit der Fotografie. Die Auswahl nehmen Sie über das Dropdownmenü in diesem Bereich vor. Eine verkleinerte Vorschau hilft auch hier, das Ergebnis vor dem Anwenden zu begutachten.

Haben Sie alle Bilder einer Sammlung entsprechend modifiziert und Ihren Wünschen gemäß ausgewählt, speichern Sie die Kollektion. Albumshaper bietet kein eigenes Vorführprogramm, sondern legt die Fotos als verkleinerte Abbilder (Thumbnails) in einem eigenen Verzeichnis ab. Im übergeordneten Ordner finden Sie zudem eine HTML- und eine XML-Datei. Damit lassen sich die Fotos in praktisch jedem Webbrowser anzeigen. In Firefox etwa rufen Sie die HTML-Datei auf (Abbildung 3).

Abbildung 3: Fotosammlungen können in jedem Webbrowser angezeigt werden.

Auf diese Weise lassen sich die mit Albumshaper angelegten Fotosammlungen und -alben plattformunabhängig nutzen. Damit Sie Ihre Fotos in einem optisch ansprechenden Rahmen vorführen können, bietet die Software einen detaillierten Dialog zum Speichern. Hier wählen Sie eine Präsentationvorlage in Form eines Themas, in das Albumshaper die Bilder einbettet. Abschließend geben Sie den Speicherort für die HTML-Datei an (Abbildung 4). 2.88

Abbildung 4: Zur optischen Verschönerung stehen verschiedene Themen bereit.

Die Themen erleichtern durch vorgefertigte Navigationselemente das Blättern innerhalb der Fotosammlung. Beachten Sie bei der Vorführung, dass der Webbrowser das Ausführen von Skripten zulassen muss – sonst bleibt der Bildschirm leer.

Fazit

Mit Albumshaper eröffnen sich für den Fotofreund ganz neue Möglichkeiten, digitale Bilder in ansprechendem Rahmen zu archivieren und vorzuführen. Das Programm orientiert sich beim Bedienkonzept an herkömmlichen Fotoalben, erweitert dieses Konzept jedoch um die Möglichkeiten des PCs. Einerseits bietet es an, Bilder wie im Papieralbum in Sammlungen mit thematischen Schwerpunkten zusammenzufassen, andererseits stellt es ausgereifte Funktionen bereit, um Fotos zu verbessern oder mit speziellen Effekten zu versehen.

Die Features der Bildbearbeitung nehmen Sie dabei mit einem einzigen Mausklick vor, ohne dass Sie sich zuvor mit der digitalen Bildmanipulation befassen müssen. Albumshaper bietet zudem eine einfach zu bedienende, durchdachte Oberfläche, die sich auch ohne tiefere PC-Kenntnisse nutzen lässt. So sortieren auch ungeübte Nutzer unter Linux ihre Bildersammlungen und präsentieren sie in ansprechender Form.

Infos

[1] Webseite Albumshaper mit Quellcode und Binärpaketen http://albumshaper.sourceforge.net/

[2] Binärpakete für verschiedene Distributionen http://www.rpmseek.com

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