Aufmacher

Videoserver selber basteln

TV aus dem Keller

Mit wenigen Handgriffen machen Sie Linux zum vollwertigen Videoserver, der TV-Sendungen aufzeichnet, lagert und verteilt.

Videokassetten waren gestern – heute archiviert der Cineast die flimmernden Bilder auf DVDs oder einem Festplatten-Recorder. Letzterer rückt die Daten jedoch nur selten problemlos wieder heraus. DVDs taugen mitunter nicht für längere Aufnahmen: Eine "Herr-der-Ringe"-Verfilmung passt mitsamt Werbung nur unter starken Qualitätsverlusten auf einen handelsüblichen Rohling.

Einen preiswerten Ausweg bietet ein selbstgebastelter Videoserver. Alles, was Sie dazu benötigen, sind ein (ausgemusterter) PC, eine TV-Karte und die Software MythTV [1]. Diese kostenlose Media-Center-Software erweitern Sie bei Bedarf unkompliziert über zusätzliche Plugins.

Bastelstunde

Die Funktionsweise des gesamten Aufbaus verdeutlicht Abbildung 1: Als Basis dient ein herkömmlicher Linux-PC, der unter der Regie von MythTV zum digitalen Videorecorder mutiert. Über die eingebaute TV-Karte scannt die Software die Fernsehprogramme und legt sie auf der eingebauten Festplatte ab. Im Vergleich mit Festplatten-Recordern reicht hier der Plattenplatz praktisch unbegrenzt: Bei knappem Speicher ergänzen Sie eine weitere Festplatte oder tauschen die vorhandene gegen ein größeres Modell aus. Sie erhalten so genug Platz, um die Aufzeichnungen auch im Urlaub nicht stoppen zu müssen.

Abbildung 1: Auf dem Videoserver im Keller läuft das MythTV-Backend, welches das Frontend auf dem Wohnzimmer-PC mit Inhalten versorgt.

Den Server stöpseln Sie an das Hausnetzwerk und verbannen ihn in den Keller. Von dort aus versorgt er nun den kleinen Media-Center-PC im Wohnzimmer mit Video- und Fernsehmaterial. Auf ihm läuft wiederum die MythTV-Oberfläche, die Kontakt mit dem Server im Untergeschoss hält. Sie kramen bequem von der Couch aus im Videoarchiv oder wählen aus dem elektronischen Programmführer, welche Sendung der Server im Keller als nächstes aufnehmen soll. Doch zuvor wird ein prüfender Blick auf die Hardware fällig.

Ab in den Keller

Bis auf wenige Ausnahmen empfängt Deutschland mittlerweile digitales Fernsehen. Das Empfangsgerät muss den Datenstrom somit nur noch auffangen und auf der Festplatte ablegen. Die Hardware-Anforderungen an den Videoserver bleiben so erfreulich niedrig, ein drei Jahre alter Computer genügt bereits.

Zum Empfang des Fernsehprogramms benötigen Sie eine TV-Karte, die unbedingt zum existierenden Anschluss passen muss. Zur Auswahl stehen derzeit die gute alte Antenne (DVB-T), das Kabel (DVB-C) und der Satellit (DVB-S). Bevor Sie jetzt in den nächstgelegenen Elektronikmarkt eilen, werfen Sie einen Blick auf die Seite Linuxtv.org [2]. Im dortigen DVB Wiki finden Sie eine Datenbank mit allen TV-Karten, die derzeit unter Linux laufen. Zudem gab es gerade einen Test von DVB-T-Empfängern im LinuxUser 12/2007 [3]. Ob die TV-Karte funktioniert, überprüfen Sie am einfachsten mittels Kaffeine. Erscheint dort kein Bild oder fehlt gar die Option Digitales Fernsehen im Eingangsmenü, werfen Sie einen Blick in die Ausgabe von dmesg. Meist verlangen die TV-Karten nach einer so genannten Firmware. In diesem Fall gilt es, die zugehörige Datei aus dem Internet zu fischen und in das entsprechende Verzeichnis zu kopieren (meist /lib/firmware). Bei Problemen und Fragen hilft das Wiki unter Linuxtv.org weiter.

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