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Linux auf dem Esprimo Q5020 von Fujitsu Siemens

01.02.2008
Unter der gefälligen Schale steckt ein widerspenstiger Kern: Den Esprimo Q5020 von FSC gilt es zur Kooperation mit Linux zu überreden.

Beim Esprimo Q5020 handelt es sich um einen handelsüblichen PC im Mac-Mini-Format (siehe Tabelle "Das Testgerät"). Sie bekommen ihn mit einer 1,8 GHz schnellen Celeron-CPU, 512 MByte Hauptspeicher und einer 80 GByte-Harddisk bereits für unter 600 Euro. Unsere Testkonfiguration mit einem auf 2 GHz getakteten Intel-Core2-Duo-Prozessor, 2 GByte RAM und einer 160-GByte-Festplatte kostet rund 950 Euro.

Das Testgerät

Hersteller Fujitsu Siemens
Modell Esprimo Q5020
CPU Intel T7250 (Core 2 Duo), 2 GHz
Grafik Intel GM965 (shared memory)
Festplatte Western Digital WD1600BEVS-0, 160 GByte
Optisches Laufwerk Matshita DVD-RAM UJ-85JS
Speicher 2 GByte (4 GByte max)
Anschlüsse 4 x USB 2.0 (zwei an der Front), 1 x Firewire 400, Sound, DVI, S-Video
Netzwerkschnittstellen Intel 82566MM Gigabit Ethernet, Atheros AR5006EG 802.11 b/g
Speedstepping Ja
Suspend-to-RAM Ja
Stromverbrauch (Norm./Max./Susp.) 30W / 55W / 5W
Preis ca. (Testkonfiguration) 950 Euro

Hardwareprobleme

Im Minigehäuse befinden sich zwei kritische Komponenten: Der Grafikchip von Intel funktioniert bei allen getesteten Linux-Distributionen nicht ohne Nacharbeit, das WLAN-Modul mit Atheros-Chipsatz lässt sich zurzeit gar nicht nutzen.

Alle getesteten Distributionen hatten Probleme mit dem Grafikchip, die sich je nach benutztem Display (VGA/DVI, 4:3/16:9) mehr oder minder bemerkbar machen. Unter Ubuntu 7.10 müssen Sie die Installation über die Alternate-CD/DVD vornehmen, falls Sie einen Bildschirm über den VGA-Adapter betreiben möchten, da die Live-Version nach dem Start des X-Servers nur noch einen schwarzen Bildschirm anzeigt. Auch beim so installierten System bleibt nach dem Start der Bildschirm leer, Sie können aber mit [Strg]+ [Alt]+ [F2] auf eine Konsole wechseln und die xorg.conf-Datei anpassen. Als schnelle Lösung empfiehlt es sich, den Treiber von intel nach vesa zu ändern.

Nutzen Sie Ubuntu mit einem neuen TFT-Bildschirm über das DVI-Kabel, kann es ebenfalls zu Problemen kommen. So konnten wir zwar auf unserem Test-LCD 1280x1024 Bildpunkte einstellen und Ubuntu übernahm dieses Setup auch, beim nächsten Login waren die Einstellungen aber wieder auf 1024x768 gesetzt. Dieses Spiel ließ sich unendlich fortführen. Zum Glück unterstützt der Rechner Suspend-to-RAM via ACPI. Solange Sie sich nicht abmelden oder Ubuntu neu starten, bleibt die Auflösung bestehen.

Benutzen Sie einen Breitbildschirm oder eine Auflösung über 1024x768, sollten Sie auch OpenSuse auf dem Esprimo meiden. Die Novell-Distributon hat Probleme mit sämtlichen Auflösungen oberhalb XGA. SaX bietet zwar alle Auflösungen zur Auswahl an und es scheint auch, dass alles bestens sei, jedoch startet OpenSuse 10.3 stets mit 1024x768 Bildpunkten – egal welchen Monitor und welche Anschlussart Sie nutzen.

Auch Fedora wollte zusammen mit dem DVI-Monitor keine höhere Auflösung als 1024x768 produzieren, hatte jedoch – im Unterschied zu OpenSuse – keine Schwierigkeiten, unseren Breitbildschirm mit 1440x900 Bildpunkten anzusteuern. Alle drei Distributionen nutzen den relativ neuen Intel-Treiber, da der GM965-Chipsatz mit dem alten i810-Treiber nicht mehr funktioniert. Können Sie auf 3D-Beschleunigung verzichten, arbeitet die Grafikkarte auch mit dem Vesa-Treiber.

WLAN-Treiber

Das WLAN-Modul des Esprimo-Rechners funktioniert zurzeit weder mit den alten Madwifi-Treibern noch mit dem unter Fedora 8 bereits aktiven Nachfolger ath5k[1]. Der Chipsatz wird zwar grundlegend unterstützt, und Fedora 8 zeigt mit iwconfig ein wlan0-Gerät an (Abbildung 1). Allerdings lässt sich dieses nicht nutzen. Auch ein Update über die Linuxdriverless-Seite [2] bringt nicht den gewünschten Erfolg. Ein Versuch mit den traditionellen Madwifi-Treibern scheiterte ebenso.

Abbildung 1: Das Kernelmodul ath5k bringt zwar generelle Unterstützung für die WLAN-Karte mit, das Interface lässt sich aber nicht aktivieren.

Als Ausweg bleibt die Installation des Windows-Treibers über den Ndiswrapper oder ein Kernelupdate. Die Aktualisierung fällt an, weil Kernel 2.6.23 den WLAN-Chipsatz fälschlicherweise als AR5006EG identifiziert, obwohl es sich dabei um einen AR5007EG-Chip handelt. So vermeldet das zumindest das Ubuntu-Bugtracking-System [3] und empfiehlt als Workaround, einen "Hardy"-Kernel zu installieren. In unseren Tests mit der aktuellen "Hardy"-Alpha brachte der neue Kernel jedoch keine Besserung. Möchten Sie den Betriebssystemkern selbst kompilieren, benötigen Sie neben dem Vanilla-Kernel auch die von Andrew Morton gepflegten Patches aus dem mm-Zweig [4].

Ansonsten bleibt nur der Umweg über Ndiswrapper. Die meisten Treiberdateien gibt es nur als Binaries für Windows XP oder Vista. Mit ein wenig googeln fanden wir auf der tschechischen Atheros-Seite [5] eine passende ZIP-Datei. Entpacken Sie diese und installieren Sie den Treiber anschließend mit administrativen Rechten über ndiswrapper -i net5122.inf. Fedora 8 fror allerdings beim Laden des Ndiswrapper-Moduls reproduzierbar ein.

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