Kalligraphie mit Inkscape

So widersinnig es klingt: Auch Ihr Computer beherrscht Kalligraphie, die Kunst des Schönschreibens von Hand [6]. Das Werkzeug dafür erreichen Sie über [Strg]+[F6]. Die Parameter, die die Form und das Verhalten der Linie beim Abbiegen definieren, sehen Sie in den Werkzeugeinstellungen unterhalb der Menüleiste. Ausdünnung zum Beispiel ist für unterschiedlich dicke Linien zuständig. Die entstehen, indem Sie die Maus in unterschiedlicher Geschwindigkeit über das "Blatt" bewegen. Winkel definiert den Ansatzwinkel des (virtuellen) Stifts und stellt einen der wichtigsten Parameter beim kalligrafischen Arbeiten dar. Die Fixierung legt fest, wie sich der Stift beim Malen verhält: Ein Wert von 1,00 bedeutet, dass er seinen Winkel beibehält, der Wert 0,00 dagegen heißt, dass er sich mit der Linie mitdreht. Für den Verlauf der Linie hat das deutlich sichtbare Auswirkungen, wie Abbildung 3 zeigt.

Abbildung 3: Zweimal Kalligraphie: Oben mit einer Fixierung von 1, unten mit dem Fixierungswert 0.

Einer besonders natürlichen Pinselführung dient der Parameter Zittern, der eine unruhige Armbewegung simuliert. Setzen Sie ihn aber sparsam ein, sonst sieht Ihre "Schönschrift" aus wie der Ausschlag eines Erdbebenmessgeräts.

Wirklich neu ist beim Kalligraphie-Werkzeug nur die Einstellung für die Linienenden. Ein Wert von 0 bedeutet, dass die Linie flach endet. Der Wert 1 setzt am Anfang und Ende der Linie eine kleine, halbkreisförmige Kappe auf; der Maximalwert 5 schließlich macht aus dem Halbkreis eine langgezogene Ellipse.

Auch die Möglichkeiten der Dateneingabe haben sich verändert: So ändern Sie Werte nicht mehr nur über Pfeiltasten und Tastatur; klicken Sie mit der rechten Maustaste in ein Wertefeld, schlägt Ihnen Inkscape nun auch über diesen Weg unterschiedliche Standardwerte für die Strichgestaltung vor.

Umrisse anzeigen

Normalerweise haben Sie es bei Objekten in Inkscape mit sichtbaren Linien und Füllungen zu tun – ganz einfach deshalb, weil Sie dann direkt sehen, was Sie machen. Arbeiten Sie mit vielen Objekten, behindert diese Ansicht aber mitunter, weil Sie die Grenzen der Formen nicht mehr erkennen. Für diesen Fall bietet Inkscape einen Anzeigemodus namens Umriss an, den Sie über das Menü Ansicht oder die Tastenkombination [Strg]+[Num-5] erreichen. Dann stellt Inkscape Objekte ungeachtet der tatsächlichen Eigenschaften als Umrisse dar. Haben Sie beispielsweise ein Objekt ohne Füllung und Linienattribute definiert, um einen bestimmten Bereich Ihres Bildes abzudecken, sehen Sie es über diese Funktion wieder und können es leichter verschieben oder weiterbearbeiten. Die Umrisse bieten aber noch einen weiteren Vorteil: Arbeiten Sie mit komplexen Grafiken und Farbverläufen, beschleunigt diese Ansicht den Bildaufbau.

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