Erleuchtung

Ubuntu mit Enlightenment

Ubuntu zählt zweifellos zu den weltweit erfolgreichsten Linux-Distributionen. Um das vom südafrikanischen Milliardär Mark Shuttleworth ins Leben gerufene und gepflegte Betriebssystem hat sich in nur etwa drei Jahren eine komplette und immer noch wachsende Familie gebildet, wobei die Palette der Derivate vom speziell auf Multimedia-Bedürfnisse zugeschnittenen System über ein für den Serverbetrieb optimiertes Ubuntu bis hin zur Ausgabe für Moslems reicht.

Als bislang letzter Spross im Ubuntu-Biotop hört Geubuntu [1] auf den wohlklingenden Namen "Luna Nuova". Das aus Italien stammende Derivat basiert auf Ubuntu 7.10 "Gutsy Gibbon" und sticht gegenüber anderen Ubuntu-Abkömmlingen durch den Windowmanager Enlightenment E17 hervor, der augenblicklich noch als Exote unter den Linux-Oberflächen gilt. Da sich Enlightenment noch in der Entwicklungsphase befindet und daher bei weitem noch nicht über seine volle Funktionalität verfügt, brachten die Entwickler des Geubuntu-Projektes quasi das Beste aus verschiedenen Welten zusammen: Sie ergänzten noch fehlende Funktionen in Enlightenment aus dem Fundus von Gnome, und auch Elemente aus XFCE finden sich in Geubuntu wieder.

Installation

Der Start der Live-CD von "Luna Nuova" weist bis auf den durch das Geubuntu-Logo veränderten Splashscreen zunächst keine Unterschiede zum südafrikanischen Original auf. Sobald jedoch der Windowmanager startet, enden die äußerlichen Gemeinsamkeiten. Enlightenment begrüßt den Anwender in der Voreinstellung mit sanften Rundungen und einem warmen Braunton vor sonnigem Hintergrund.

Die Oberfläche erinnert in Farbe und Formen etwas an das Echtzeit-Betriebssystem QNX Neutrino. Dass es sich bei Enlightenment nicht lediglich um eine modifizierte Neuauflage einer beliebigen Oberfläche mit anders gestalteten Icons und aufgepeppten Farben handelt, sticht dem Anwender spätestens dann ins Auge, wenn das Hintergrundbild durch animierte Sonnenstrahlen Bewegung auf den Bildschirm bringt. Im Gegensatz zu allen anderen Oberflächen können bei Enlightenment Hintergründe auch aus animierten Grafiken bestehen. Eine weitere Neuerung zeigt sich bei den beiden am unteren und oberen Bildschirmrand angeordneten Panelleisten: Während die obere Leiste standardseitig eingeklappt bleibt und erst bei Berührung mit dem Mauszeiger in den sichtbaren Bereich herunterklappt, laufen die in der unteren Leiste angeordneten Symbole bei Berührung vergrößert unter dem Mauszeiger hindurch.

Auf der Arbeitsoberfläche finden sich neben dem Install-Icon nur noch die Symbole für die verschiedenen im System befindlichen Speicherlaufwerke. Ein Klick auf das Install-Icon startet den Ubuntu-Installer, der wie üblich in wenigen Schritten das Betriebssystem auf die Festplatte packt. Bequemer als bisher löst Geubuntu dabei die Konfiguration des Bootloaders: Grub lässt sich nun – sofern bereits mehrere Partitionen mit anderen Betriebssystemen auf der heimischen Festplatte residieren – in einer wahlfreien Partition installieren.

Alternativ kann man auch ganz von einer Installation des Bootloaders absehen. In einem solchen Fall gilt es dann die bisher aktive Grub-Installation durch manuelles Editieren der Datei /boot/grub/menu.lst für Geubuntu anzupassen.

Gediegene Ausstattung

Der anschließende Neustart des Rechners verläuft für uns etwas enttäuschend: Im Gegensatz zu den Versprechen der Entwickler bootet das System nicht spürbar schneller als ein generisches Ubuntu. Ein Blick in die Werte der von Gnome adaptierten grafischen Systemüberwachung fördert dann auch zutage, dass Geubuntu mit Enlightenment einen nur unwesentlich niedrigeren Ressourcenverbrauch hat als Ubuntu mit Gnome oder XFCE.

In Sachen Aktualität erlaubt sich Geubuntu keine Schwächen: Neben dem Kernel 2.6.22 findet sich GCC in der Version 4.1.3 Pre-Release, während bei den Standardprogrammen Firefox 2.0.0.11, Thunderbird 2.0.0.6 sowie die Bildbearbeitung Gimp in Version 2.4.0-rc3 mit an Bord sind. Für die Büroarbeit dienen die schlanken Gnome-Anwendungen Abiword 2.4.6 und Gnumeric 1.7.11. Da der Enlightenment-Dateimanager noch nicht voll funktionstüchtig ist, integrierten die Entwickler hier Thunar, den wieselflinken Filemanager von XFCE.

Ein kleines Manko fällt insbesondere bei höheren Auflösungen als XGA ins Gewicht: Die Symbole in der grafisch zwar ansprechend gestalteten, aber auch etwas verspielt wirkenden Panelleiste am unteren Rand des Monitors lassen sich kaum unterscheiden. Hier empfiehlt es sich, die Panelleiste auf Displaybreite zu vergrößern und auch große Symbole zu verwenden.

Einstellungssache

Im Startermenü der unteren Leiste finden sich neben den meisten Applikationen auch die wichtigsten Einstellmöglichkeiten zu Enlightenment. Letztere residieren im Untermenü Konfiguration | Konfigurationskonsole. Die entsprechenden Fenster gestalten sich übersichtlich zweigeteilt, wobei die linken Spalte stets die Einstellungskategorien aufführt, die in der rechten Spalte dann in die einzelnen Optionen verzweigen (Abbildung 1).

Abbildung 1

Abbildung 1: Enlightenment bietet übersichtliche Konfigurationsmöglichkeiten.

Per Mausklick verändert man hier beispielsweise die Monitorauflösung, die Änderungen werden nach einer entsprechenden Bestätigung auch ohne Neustart des Windowmanagers sofort aktiv. Ähnliches gilt auch für die Lokalisierung: Enlightenment hat hier fünf Sprachen bereits fest hinterlegt, jede Änderung durch den Anwender setzt es ebenfalls ohne Neustart sofort um. Bemerkenswert: Auch die Applikationsprogramme arbeiten danach in der neuen Sprache.

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal von Enlightenment zeigt sich im Untermenü Erweitert | Leistung: Hier verändert man verschiedene Optionen, die die Leistung des Windowmanagers und damit die Geschwindigkeit des Gesamtsystems beeinflussen. So lassen sich in diesem Abschnitt beispielsweise Frameraten und Cachespeichergrößen modifizieren (Abbildung 2).

Abbildung 2

Abbildung 2: Das Tuning von Enlightenment findet in diesem Menü statt.

Ein solches Feature im laufenden Betrieb bietet in dieser anwenderfreundlichen Form bislang keine andere Arbeitsoberfläche. Zudem versehen in der unteren Panelleiste rechts bereits verschiedene Hardwaresensoren ihren Dienst, die Informationen über den Systemzustand vermitteln: Hier arbeiten neben einem CPU-Temperaturfühler auch eine Akkuladeanzeige und ein CPU-Meter. Allerdings sind diese Sensoren mit Vorsicht zu genießen: Die Akkuladeanzeige funktionierte im Test mit zwei verschiedenen IBM-Thinkpad-Notebooks nicht, und das CPU-Meter zeigt teilweise falsche Werte an. Dieses Problem tritt leider aufgrund fehlerhafter Einstellungen der Ubuntu-Basis immer noch bei allen Nicht-Centrino-Notebooks auf, so dass für den Fall des Dauereinsatzes von Geubuntu auf IBM-Notebooks unbedingt die Installation des tp-fancontrol-Skriptes angeraten ist [2].

In der oberen, meist eingeklappten Panelleiste finden sich neben Datums- und Uhrzeitangaben, Papierkorb und Dateimanager auch zwei Menüs mit weiteren verschiedenen hard- und softwarespezifischen Einstellmöglichkeiten. Hierbei handelt es sich primär um alte Bekannte aus der Gnome-Welt. Es finden sich jedoch auch distributionsübergreifende Tools wie Synaptic. An dieser Stelle lässt sich on the fly ohne Neustart von Enlightenment per Mausklick das Thema wechseln – etwa vom Standardthema "Sunshine" zum kühleren "Moonlight" (Abbildung 3).

Abbildung 3

Abbildung 3: Aus Sonnenschein wird Mondlicht – bei Geubuntu mit nur einem Mausklick.

Fazit

Geubuntu präsentiert sich dank des Windowmanagers Enlightenment als interessantes und innovatives System, das in vielen Bereichen neue Wege bei der Bedienung und Konfiguration der Arbeitsoberfläche beschreitet. Hervorzuheben sind vor allem die sehr nutzerorientierten Konfigurationsmöglichkeiten und die vielen Animationen – vom Sonnenschein auf der Arbeitsoberfläche über laufende, sich vergrößernde Programmsymbole in der Panelleiste bis hin zu blinkenden Fensterleisten und Schattierungen reichen.

Dass sich Enlightenment derzeit noch im Stadium heftiger Entwicklung befindet und dessen Entwicklern es daher als noch nicht als geeignet für Produktivumgebungen deklarieren, tut da dem Bedienkomfort keinen Abbruch. Wer bereits eine Ahnung davon gewinnen möchte, wie in einigen Jahren eine Arbeitsoberfläche funktionieren könnte, sollte auf jeden Fall einen Blick auf das System werfen. Dank Live-CD ist dazu noch nicht einmal eine Änderung der heimischen Festplatten- und Rechnerkonfiguration nötig.

Infos

[1] Geubuntu-Homepage: http://geubuntu.intilinux.com

[2] IBM-Notebooks kühlen: Erik Bärwaldt, "Hitzefrei", LinuxUser 09/2007, S. 80, http://www.linux-user.de/ausgabe/2007/09/080-tp-fancontrol/

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