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Blattwerk

Briefe schreiben mit LaTeX

01.02.2008 Briefe mit LaTeX? Zu kompliziert, heißt es in der Regel – das stimmt aber nicht.

Für die Diplomarbeit eignet sich LaTeX ganz ausgezeichnet. Briefe mit LaTeX zu erstellen, halten die meisten aber für zu kompliziert und greifen wohl oder übel zum Office-Programm. Das muss aber nicht sein. Dieser Workshop zeigt, wie Sie mit der Klasse Scrlttr2 aus dem Koma-Paket Briefe mit LaTeX erstellen. Das gestaltet sich weniger kompliziert, als Sie vielleicht denken, und das Ergebnis überzeugt durch ein ansprechendes Druckbild.

Das Grundgerüst

Nehmen wir zum Beispiel an, Sie möchten ein kleines Begleitschreiben verfassen. Sie nutzen die Gelegenheit, um einen ersten Brief mit LaTeX zu erstellen. Listing 1 zeigt die Eingabedatei ihres Briefes.

Listing 1
\documentclass{scrlttr2}             %Dokumentenklasse für Briefe: scrlttr2
\usepackage[T1]{fontenc}             %Umlaute korrekt ausgeben
\usepackage[latin9]{inputenc}        %Umlaute und ß direkt eingeben
\usepackage{ngerman}                 %Sprache: deutsch
\begin{document}
\begin{letter}{%                     %letter-Umgebung: Briefinhalt
Herrn\\                              %Empfängeradresse
Wilhelm von Ormstein\\
Lange Straße 42\\
42424 Neustadt}
\opening{Lieber Wilhelm,}            %Anrede
anbei das Foto, das Du gesucht hast. %Brieftext
\closing{Mit herzlichen Grüßen}      %Schlussformel
\end{letter}
\end{document}

Wie alle LaTeX-Dokumente gliedert sich auch ein Brief in Präambel und Hauptteil. Die Dokumentenklasse heißt Scrlttr2. Im Hauptteil steht der Inhalt des Briefes zwischen den Befehlen \begin{letter}{Empfängeradresse } und \end{letter}. Die Anrede geben Sie mit dem Befehl \opening{Anrede } an. Es folgt der Text des Briefes. Die Grußformel verpacken Sie in den Befehl \closing{Grußformel }.

Damit steht das Grundgerüst des Briefs, Abbildung 1 zeigt das Ergebnis. Aber Scrlttr2 leistet noch viel mehr. Schritt für Schritt gehen Sie nun daran, das Schreiben an Ihre Zwecke anzupassen. Über die Anleitung in diesem Artikel hinaus finden Sie im Web weitere Hinweise [1].

Abbildung 1: Einen einfachen Brief stellen Sie mit wenigen Zeilen LaTeX-Code zusammen.

Layout erstellen

Fürs Briefpapier kommen Formaten der DIN-Reihen A, B, C und D in Frage. Voreingestellt ist DIN A4, das DIN 676 für Geschäftsbriefe als Norm festlegt (siehe Kasten "DIN-Normen für Geschäftsbriefe"). Üblicherweise kommt es auch bei Privatbriefen zum Einsatz. Möchten für Ihre persönlichen Briefe das DIN-A4-Format beibehalten, brauchen Sie also an den Standardeinstellungen nichts zu verändern. Anderenfalls geben Sie mit der Klassenoption paper=Format eine andere Blattgröße an – etwa paper=a5 für DIN A5.

DIN-Normen für Geschäftsbriefe

Für das Gestalten von Geschäftsbriefen sind zwei DIN-Normen maßgebend: DIN 676 regelt die Aufteilung eines DIN-A4-Bogens, DIN 5008 gibt inhaltliche Richtlinien vor [2]. Die Dokumentenklasse scrlttr2 setzt das Layout Ihrer Briefe entsprechend diesen Normen.

Mit einem weiteren Befehl steuern Sie, was ab der zweiten Briefseite im Kopf oder Fuß des Briefs steht. Dazu dient das Kommando \pagestyle={Wert }. Mit dem Wert empty bleiben Kopf- und Fußzeile leer. Voreingestellt ist plain, das LaTeX veranlasst, nur die Seitenzahl zu setzen. Wählen Sie als Wert headings, gibt LaTeX neben der Seitenzahl auch Absendernamen und Betreff aus. Wo diese Angaben stehen, bestimmen Sie mit der Klassenoption pagenumber recht detailliert. Angenommen, Sie möchten neben der Seitenzahl auch Ihren Namen und den Betreff setzen, dann ergänzen Sie den Befehl \pagestyle={headings} in der Präambel.

Mit der Klassenoption pagenumber=Position bestimmen Sie, ob LaTeX ab der zweiten Briefseite eine Seitenzahl ausgibt, und wenn ja, wo sie steht. Mögliche Werte sind no, wenn Sie keine Seitenzahlen setzen möchten, respektive botleft, botcenter oder botright, damit LaTeX die Seitenzahl im Fuß links, zentriert oder rechts setzt. Analog dazu setzen headleft, headcenter und headright die Seitenzahl im Kopf der Seite. Voreingestellt ist botcenter. Für das Beispiel stellen Sie die Seitenzahl zentriert in den Kopf. Ergänzen Sie dazu den Befehl \documentclass wie folgt:

\documentclass[pagenumber=headcenter]{scrlttr2}

Absätze kennzeichnet LaTeX in Briefen nicht durch Einrücken eines neuen Absatzes, sondern durch einen vergrößerten Zwischenraum zum vorhergehenden Absatz. Mit der Klassenoption parskip=Wert verändern Sie den Standard. Voreingestellt kommt der Wert full zum Einsatz, der LaTeX veranlasst, neue Absätze nicht einzurücken und eine Zeile zwischen zwei Absätzen freizulassen.

Mit der Option half weisen Sie LaTeX an, nur eine halbe Zeile Abstand zu setzen. Mit false rückt das Programm einen neuen Absatz ein, ohne einen Abstand zwischen zwei Absätzen zu setzen. Um das Schreiben etwas eleganter zu gestalten, setzen Sie eine halbe Zeile Abstand zwischen zwei Absätzen. Ergänzen Sie dazu den Befehl \documentclass wie folgt:

\documentclass[pagenumber=headcenter,parskip=half]{scrlttr2}

Die Schriftgröße legen Sie mit der Klassenoption fontsize=n pt fest. Theoretisch dürfen Sie die Schriftgröße frei einstellen. Allerdings setzt das voraus, dass das System die Klassenoptionsdatei der entsprechenden Schriftgröße vorhält. Für Briefe im DIN-A4-Format sollten Sie 10pt, 11pt oder 12pt nutzen, damit der Brief leserlich bleibt. Voreingestellt ist 12pt. Ändern Sie dies auf 11pt ab, indem Sie die Klassenoptionen ergänzen:

\documentclass[pagenumber=headcenter,parskip=half,fontsize=11pt]{scrlttr2}

Damit haben Sie fast alle grundlegenden Optionen für Ihren Brief definiert.

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LinuxUser 06/2012

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