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Bewegte Bilder

2D-Vektor-Animationen basteln

01.02.2008 Ende 2005 wurde das 2D-Animations-Tool Synfig in die Freiheit entlassen – oder vielmehr: unter die GPL gestellt. Wir schauen, wie es ihm in der freien Wildbahn geht.

Während die Linux-Entwickler zurzeit versuchen, den Desktop in die dritte Dimension zu erweitern, übersehen sie, dass Linux auch in zwei Dimensionen recht viel bietet – etwa durch Synfig [1]. Die ursprünglich kommerzielle 2D-Animationssoftware programmierte Robert B. Quattlebaum für seine Firma "Voria Studios". Das Unternehmen warf jedoch keinen Gewinn ab – Quattlebaum entschied, die Software unter die GPL zu stellen, und zog sich aus der Entwicklung zurück. Die damalige Entwickler-Version 0.61.03 unterzogen wir einem Test, der in unserem Online-Archiv kostenlos zur Verfügung steht [2].

Nach der Umlizenzierung zu Open Source passierte in Sachen Synfig eine ganze Weile nichts. Erst Anfang 2007 nahm das Projekt langsam wieder Fahrt auf, es kam Leben in die eigens eingerichtete Mailingliste. Mittlerweile bügeln die Entwickler regelmäßig Fehler aus und bringen hilfreiche Features der Software zum Laufen. Grund genug für uns, einen weiteren Blick auf Synfig zu werfen.

Dass Sie mit der Animationssoftware nicht bloß ein paar Bälle zum Hüpfen bringen, zeigen einige rechte beeindruckende Demos in der Galerie auf der Webseite von Synfig [3] – etwa der Kurzfilm "Prologue" [4]. Geben Sie auf YouTube das Stichwort "Synfig" ein, erscheinen weitere Animationen. Die weisen zwar eher experimentelle Qualitäten auf, aber Plattformen wie YouTube bieten generell ein passendes Forum, um selbstgemachte Animationen vorzustellen.

Installation

War es vor rund zwei Jahren noch recht problematisch, Synfig zu installieren, bringen OpenSuse 10.3 und Ubuntu 7.10 neue Versionen der Software in ihren Paketquellen mit. Unter OpenSuse genügt es, über YaST das Packman-Repository freizuschalten, um an die aktuelle Version 0.61.07 zu kommen. Als Ubuntu-Nutzer installieren Sie über Synaptic oder Adept die Version 0.61.06 auf Ihrem Rechner. Unter beiden Distributionen benötigen Sie die Pakete synfig und synfigstudio. Das Kommandozeilenwerkzeug Synfig erledigt das Umwandeln der Animation in ein anderes Format, Synfigstudio dient als grafische Oberfläche für die Software.

Fähigkeiten

Eine Anleitung, wie Sie mit Synfig eigene Animationen erstellen, finden Sie im erwähnten LinuxUser-Artikel im Netz [2]. Seit dem ersten Test im Jahr 2006 hat sich an der Bedienung recht wenig verändert, der Text hilft Ihnen nach wie vor bei den ersten Schritten.

Was aber kann Synfig? Zum Beispiel Tweening. Beim Animieren brauchen Sie pro Sekunde 25 gezeichnete Bilder. Beim Tweening konzipieren Sie nur noch zwei Bilder und Synfig erledigt den Rest. Nehmen Sie die Situation, in der ein Fisch sein Maul öffnet und Bläschen ausstößt. In Sekunde 0 steht der Fisch einfach träge im Wasser (Abbildung 1), in Sekunde 1 öffnet er sein Maul und in Sekunde 2 steigen Blasen zur Wasseroberfläche auf. Sie brauchen für die schlichte Animation nur drei Schlüsselbilder (Keyframe). Da Synfig Vektorgrafik einsetzt, besteht jede Grafik aus geometrischen Figuren. Das heißt, alle Grafiken lassen sich mit mathematischen Formeln errechnen. Synfig kalkuliert also einfach jeweils die Differenz zwischen dem ersten und dem zweiten sowie dem zweiten und dem dritten Keyframe und generiert selbstständig sämtliche Zwischenbilder. Um sehr feine Bewegungen darzustellen, müssen Sie die Abstände zwischen den Keyframes aber verringern und mehr Einzelbilder zeichnen.

Abbildung 1: Für die kurze Animation müssen Sie nur drei Keyframes erstellen. Die Zwischenbilder errechnet Synfig automatisch.

Mit Synfigs Ebenenmodell und den Kapselungen bekommen Sie auch komplexe Figuren in den Griff. Der Fisch besteht zum Beispiel aus seinem Körper und den Augen (Abbildung 2). Im Ebenendialog kapseln Sie die einzelnen Teile über Encapsulate. Das bedeutet, Sie schieben sämtliche Teile in einen Unterordner (Inline Canvas), den Sie dann wie eine gewöhnliche Ebene markieren (Abbildung 2). Einmal angewählt, bewegen Sie sämtliche Teile auf einen Schlag.

Abbildung 2: Der Fisch besteht aus seinem Körper ( NewBLine003) und den Augen ( Circle003/Circle004).

Die gekapselten Elemente versehen Sie zusätzlich mit verschiedenen Filtern und Effekten. Im Beispiel erzeugen Sie über der geometrischen Form des Fisches einen grau-weißen Farbverlauf (Gradient010 in Abbildung 2). Das Vorgehen hat sich gegenüber der zuletzt getesteten Version nicht verändert. Anschließend kapseln Sie Figur und Farbverlauf wieder in einer eigenen Box. Verschieben Sie nun die Figur, wandert der Farbverlauf mit.

Um flexible Umrisse zu gestalten, nutzen Sie das Bline-Tool. Setzen Sie einfach Punkte, die ungefähr den Umrissen Ihrer Figur entsprechen. Diese Punkte heißen Ducks ("Enten"). Klicken Sie auf eine "Ente" und ziehen Sie mit der gedrückten linken Maustaste daran, erscheinen rechts und links davon zwei weitere Punkte, von einer Tangente verbunden (Abbildung 3). Über das Verschieben der Tangente bringen Sie Kurven in die ursprünglich eckige Grundfigur und schaffen so perfekte gerundete Körper. Über einen Rechtsklick auf die Figur und Insert Item ergänzen Sie zusätzliche Punkte, falls Sie eine weitere Rundung des Körpers benötigen.

Abbildung 3: Eckiger Fisch aus "Enten": Zunächst erzeugen Sie über das Bline-Tool eine eckige Figur. Mit den "Enten" verwandeln Sie diese in eine gerundete Form.

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Infos zum Autor

Kristian Kißling

Kristian Kißling

Wenn Kristian Kißling nicht gerade für die LinuxCommunity schreibt, arbeitet er als Redakteur bei der Zeitschrift EasyLinux und als Chefredakteur für den Ubuntu User. Am liebsten beschäftigt er sich mit Multimedia- und Unterhaltungssoftware im weiteren Sinne und mit neuer Open-Source-Software, die überraschende Fähigkeiten zeigt.

Zum Blog von Kristian Kißling →


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