Installation

Grundsätzlich installiert Unetbootin ein normales Linux in einer eigenen Partition und mit einem eigenen Bootloader auf dem Rechner. Es verwendet als Grundlage die regulären Netboot-Images verschiedener Distributoren. Unetbootin selbst beschränkt sich darauf, den Rechner auf eine Installation mit einem Netboot-Image vorzubereiten. Alles weitere übernimmt dann nach einem Neustart das jeweilige Image. Zur Auswahl stehen derzeit 15 verschiedene Distributionen, darunter Mandriva, OpenSuse, Fedora und Debian.

Die Windows-basierte Installation (Abbildung 5) bietet keinerlei Einflussmöglichkeiten seitens des Benutzers – was aber auch nicht nötig ist, da sie lediglich einige Dateien wie den Bootloader Grub4DOS, einige Hilfsskripte und das Netboot-Image in die Verzeichnisse C:\unetbootin und C:\ extrahiert.

Abbildung 5: Der Windows-basierte Teil der Unetbootin-Installation beschränkt sich darauf, einige Dateien zu entpacken und die boot.ini von Windows zu modifizieren.

Wie auch Wubi ergänzt Unetbootin die Windows-Bootkonfiguration boot.ini: Nach Abschluss der Windows-basierten Installation fordert Unetbootin direkt zum Neustart auf. Im Bootmenü erscheint dann ein zusätzlicher Eintrag, der das Netboot-Image der gewählten Distribution startet.

OpenSuse reagiert beim Einspielen nach dem Initialisieren des Ncurses-basierten YaST zunächst mit der Meldung Could not find the openSUSE repository. Nach der Auswahl der Sprache erscheint das Konfigurationsmenü, in dem Sie unter Installation | System starten | Installation/Update starten | Netzwerk die Online-Installationsquelle und dazu zu verwendende Downloadprotokoll einrichten. Zur Auswahl stehen neben HTTP und FTP auch SMB und TFTP. Da das Installationsprogramm keinerlei direkte Einwahlverbindungen (Modem, ISDN oder PPPoE) unterstützt, benötigen Sie ein anderes Gerät, das den Zugang ins Internet herstellt – etwa einen Router.

Die Entwickler von OpenSuse haben es versäumt, eine vordefinierte Auswahl an Online-Repositories bereitzustellen. Deswegen müssen Sie hier die Installationsquelle manuell angeben. Um das Standard-Repository von OpenSuse zu verwenden, tragen Sie folgende Einstellungen ein:

  • Protokoll: HTTP
  • Server: download.opensuse.org
  • Pfad: /distribution/10.3/repo/oss

Da das Original-Repository jedoch nicht selten an akuter Atemnot leidet, verwenden Sie alternativ einen Spiegelserver, etwa den von Hosteurope:

  • Protokoll: HTTP
  • Server: ftp.hosteurope.de
  • Pfad: /mirror/ftp.opensuse.org/distribution/10.3/repo/oss

Weitere OpenSuse-Mirrors finden Sie unter [6]. Hat der Installer das Repository als Installationsquelle akzeptiert, lädt er zunächst die zum vollständigen Einrichten notwendigen Quellen wie den grafischen YaST-Installer herunter und installiert sie. Sollte es zu Problemen beim Verbindungsaufbau kommen, öffnen Sie mit [Alt]+[F3] eine neue Konsole, in der Sie die Anfragen von YaST an den Server sowie eventuelle Fehlermeldungen einsehen. Danach läuft die Installation ohne Unterschiede zum Datenträgerpendant durch, wenngleich sie durch die Downloads etwas länger dauert.

Wie bei OpenSuse fehlen auch dem Installer von Fedora die Online-Quellen, die es entsprechend von Hand einzugeben gilt:

  • Server: ftp-stud.hs-esslingen.de
  • Verzeichnis: /pub/fedora/linux/releases/8/Fedora/i386/os/

Die Liste aller Fedora-Spiegelserver finden Sie unter [7]. Zunächst lädt Fedoras Netinstaller ein 93 MByte großes Stage2-Image nach, das unter anderem die grafische Installationsroutine enthält. Danach läuft auch hier die Installation ohne Unterschiede zur DVD durch.

Ubuntu stellt nach Auswahl der Länderkennung eine Downloadquelle zur Verfügung. Möchten Sie eine andere verwenden, scrollen Sie im Fenster Spiegelserver für das Ubuntu-Archiv wählen ganz nach oben und wählen Sie Daten von Hand eingeben aus. Alternative Protokolle oder gar Einwahlverbindungen kennt allerdings auch die netzwerkbasierte Installation von Ubuntu nicht.

Als einzige der getesteten Unetbootin-Distributionen verfügt Mandriva über eine Einwahlmöglichkeit via ADSL. Es bringt darüber hinaus eine große Anzahl voreingetragener Spiegelserver mit, die eine Suche danach überflüssig machen.

Nach dem erneuten Booten von Windows fragt der Unetbootin-Installer automatisch, ob er sich deinstallieren soll. Diese Frage bezieht sich jedoch lediglich auf den nicht mehr benötigten Windows-basierten Teil, nicht jedoch auf die Linux-Installation selbst. Bejahen Sie die Abfrage, so entfernt sich das Programm komplett aus dem System.

Fazit

So smart die Idee anmutet, ein für Windows völlig ungefährliches Linux als Zweitsystem zu installieren, so ernüchternd sieht die Realität aus. Wubi-Ubuntu verhält sich im Betrieb einfach zu träge, um echten Spaß aufkommen zu lassen. Selbst wer Linux nur gelegentlich nutzt, ist hier entweder mit einem Live-System oder einem virtualisierten Linux via VirtualBox oder VMware Server besser bedient.

Unetbootins Konzept wirkt hier deutlich stringenter und richtet sich vor allem an Anwender, deren Rechner ein CD/DVD-Laufwerk fehlt. Über die Netboot-Images verschiedener Distributionen richtet das Programm ein normales Linux auf dem Rechner ein.

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