Wubi im Betrieb

Zunächst fällt auf, dass das Kompromiss-Systems ungewöhnlich lange zum Booten benötigt. Dauert das Hochfahren eines normalen Ubuntu etwa eine Minute bis zum Login, so benötigt Wubi-Ubuntu im Schnitt doppelt so lange. Ein Benchmark bestätigt den ersten Eindruck eines eher trägen Systems: Während die Schreibgeschwindigkeit auf dem Testsystem beim Kopieren von Dateien beim normalen Ubuntu etwa 16 MByte/s betrug, pendelte sich das Ubuntu auf NTFS bei etwa 8 MByte/s ein.

Die Entwicklerangabe, das System sei nur minimal langsamer als ein Standard-Ubuntu-System, trifft also zwar auf die Hauptspeicher- und CPU-Performance zu, gilt aber nicht bei Festplattenzugriffen. Der Start des Prozessmonitors top bringt Licht ins Dunkel: Bei jedem Zugriff auf das Dateisystem startet der Userspace-NTFS-Treiber ntfs-3g als rechenintensiver Task mit einer CPU-Auslastung zwischen 65 und 80 Prozent (Abbildung 3), der das System für die Dauer der Schreib- und Lesezyklen erheblich verlangsamt.

Abbildung 3: Dem Übeltäter auf der Spur: NTFS-3G benötigt für Schreiboperationen auf die Festplatte einen gehörigen Ressourcenbedarf und verlangsamt damit das ganze System deutlich.

Im Betrieb stellt sich heraus, dass die Auswahl der deutschen Sprache beim Setup nur partiellen Einfluss auf das System hat: Die entsprechende Lokalisierung lädt Ubuntu nicht nach, was zu einer zweisprachigen Oberfläche führt. Auch das Tastaturlayout entspricht noch dem englischen Ursprungszustand, was speziell bei Passwörtern mit Sonderzeichen oder Umlauten für reichlich Verdruss sorgt.

Abgesehen von dieser Widrigkeit verhält sich das aufgestöpselte System wie ein normales Ubuntu. Der NTFS-Treibers erlaubt den Lese- und Schreibzugriff auf die Windows-Partitionen, was das System nicht nur als Anschauungsobjekt, sondern auch als Hilfs- und Rettungssystem interessant macht. So eliminieren Sie damit auf infizierten Windows-Systemen beispielsweise mühelos hartnäckige Malware und Trojaner, die sich nur im Ruhezustand entfernen lassen.

Ein Virenscanner dazu laden Sie mit dem Paketmanager Synaptic problemlos aus den Online-Repositories herunter. Derzeit steht der freie ClamAV allerdings als einzig funktionierender Scanner in den Repositories zur Verfügung, da der Hersteller des proprietären F-Prot die Pfade auf den Servern geändert hat. Im Bedarfsfall laden Sie die Software direkt von der Hersteller-Website [5] herunter.

Haben Sie genug experimentiert, so macht es Ihnen der Wubi Uninstaller sehr einfach, sowohl Ubuntu als auch Wubi praktisch rückstandlos aus dem System zu entfernen (Abbildung 4). Öffnen Sie dafür in der Systemsteuerung von Windows die Softwareverwaltung und klicken Sie auf den Eintrag Wubi. Einzig der Eintrag selbst bleibt Ihnen quasi als Andenken erhalten und lässt sich auch nicht mehr ohne weiteres entfernen.

Abbildung 4: Der Uninstaller von Wubi entfernt nicht nur das Setup-Modul, sondern auch die Ubuntu-Installation ohne Rückstände vom Rechner.

Unetbootin

Einen augenscheinlich ähnlichen, aber technisch komplett anderen Weg beschreitet Unetbootin mit seiner Windows-basierten Linux-Installation. Die einzigen Überschneidungen der beiden Programme stellen die initiale Installationsvorbereitung unter Windows und die netzwerkbasierte Installation dar, die kein CD- oder DVD-Laufwerk erfordert. Vor allem Anwender moderner kleiner Notebooks wissen das zu schätzen, da diese zwischenzeitlich nicht selten ohne optische Drives ausgeliefert werden.

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