Jeder Linux-Distributor kocht sein eigenes Süppchen. Die Zutaten hierzu sind nicht immer ganz ersichtlich. Selbst Minimalsysteme der Distributionen enthalten oft viele Komponenten, die Sie niemals benötigen. Möchten Sie wirklich die Kontrolle darüber haben, was auf Ihrem Linux-System läuft, bauen Sie es sich von Grund auf selbst. Das Projekt Linux From Scratch liefert dazu die richtige Anleitung. Dahinter verbirgt sich ein Dokument, das alle notwendigen Handgriffe erklärt.
Ein eigenes Linux Paket für Paket einschließlich Kernel und Shell komplett selbst aufzubauen, bietet nicht nur den Vorteil, dass Sie anschließend ein sehr schlankes und schnelles System erhalten. Sie gewinnen auch einen tiefen Einblick in den Aufbau und das Zusammenspiel aller Komponenten von Linux.
Arbeiten Sie das How-to "Linux From Scratch", das auch in Deutsch vorliegt, ganz einfach Schritt für Schritt durch. Seien Sie jedoch gewarnt: Auf diese Weise erstellen Sie das System sicher nicht in fünf Minuten. Es läuft eher auf einige Tage oder Wochen hinaus. Der Aufwand lohnt sich dennoch für jeden, der einen tiefen Blick hinter die Kulissen werfen beziehungsweise volle Kontrolle über die installierten Komponenten des Systems haben möchte. Im Laufe der Arbeitsschritte erkennen und verstehen Sie viele interessante Zusammenhänge und Konzepte. Dies hilft Ihnen im täglichen Umgang mit Linux.
Handwerkszeug ordnen
Das Handbuch "Linux From Scratch" laden Sie entweder von der Website des Projekts [1] als englisches Original oder in der deutschen Version von Thomas Reitelbach [2] als PDF, Textdatei oder in der HTML-Version herunter. Möchten Sie Ihr eigenes Linux erstellen, benötigen Sie zumindest solide Grundkenntnisse der Shell. Sie sollten wissen, wie Sie Dateien und Ordner erstellen, kopieren, verschieben und löschen. Grundkenntnisse über die Installation und den Einsatz von Linux-Software erweisen sich ebenfalls als hilfreich. Für den notwendigen Background empfiehlt sich auf das "Software-Building-HOWTO" [3], der "Linux Users' Guide" [4] und "The Essential Pre-Reading Hint" [5].
Sie erstellen das neue System innerhalb eines bestehenden Linux-Systems, dem Host-System. Das How-to definiert die Mindestanforderungen, die allerdings jede halbwegs aktuelle Distribution erfüllt. Vergleichen Sie diese aber in jedem Fall noch einmal mit Ihrem Host-System, um sicherzugehen. Im How-to finden Sie ein Shellskript, das diese Aufgabe elegant erledigt.
Möchten Sie kein eigenes Host-System erstellen, nutzen Sie stattdessen die LFS-Live-CD [6], die alle notwendigen Werkzeuge mitbringt. Zudem finden sich alle benötigten Quellpakete bereits auf der Disk. Allerdings arbeitet es sich mit der Live-CD nicht besonders komfortabel, und die Dokumentation liegt nur in Englisch vor. Eine Alternative hierzu bietet beispielsweise Knoppix. Dieser Artikel gibt im weiteren Verlauf Hinweise dazu, wie Sie mit der Live-CD arbeiten.
Noch ein wichtiger Punkt zum Einsatz des LFS-Buches: Konsultieren Sie in jedem Fall vorher die Errata-Webseite [7], um gegebenenfalls gefundene Fehler zu vermeiden. Zum Redaktionsschluss lag für die aktuelle Version 6.3 allerdings noch keine Errata-Liste vor.
Ein kurzer Überblick
Bevor Sie den Kochlöffel schwingen, um Ihr eigenes Linux-Süppchen zu kochen, lohnt es sich, einen kurzen Blick auf den Ablauf zu werfen. Zunächst legen Sie eine Partition an, laden gegebenenfalls die notwendigen Pakete herunter und kompilieren die temporären Werkzeuge, die Sie zum Erstellen des Linux-Systems benötigen. Diese Entwicklungssoftware nennt sich Toolchain. In ihr entsteht das neue Linux-System. Sie benötigen die Toolchain, um sich bezüglich der Abhängigkeiten der Pakete vom Host-System zu lösen.
Haben Sie die Basis des LFS-Systems erst einmal aufgebaut, wechseln Sie per Chroot in die neue Umgebung, um weitere Pakete zu installieren. Anschließend folgen die Bootskripte, der Kernel sowie der Bootloader. Schließlich starten Sie den Computer mit dem neuen LFS-System.



