Aufmacher

Etwas grünes

Green Operating System 1.0

01.01.2008
Die Gerüchteküche möchte so gerne, dass Google mit einem eigenen Betriebssystem den Kampf gegen Microsoft aufnimmt. Jetzt gibt es das angebliche Google-OS – doch es kommt gar nicht von Google.

Spätestens seit den letzten Berichten zur globalen Klimaerwärmung hat auch die PC-Branche die Zeichen der Zeit erkannt und bietet vermehrt Rechner an, die sehr wenig Strom verbrauchen. Einer dieser PC-Hersteller ist die US-amerikanische Firma Everex [1], die seit kurzem Desktop-Rechner und Notebooks mit vorinstalliertem Linux-Betriebssystem verkauft.

Ubuntu in Grün

Bei dem auf den Everex-Rechnern vorinstallierten Betriebssystem gOS handelt es sich nicht um eine Eigenentwicklung von Google, sondern um ein angepasstes Ubuntu Feisty mit Enlightenment als Desktop. Hinter gOS steht die Firma Thinkgos – ein Team aus ehemaligen oder aktiven Enlightenment-Entwicklern und Designern. Trotzdem sind die zahlreichen Links zu Google-Seiten auf dem Desktop kein Zufall, arbeiten die gOS-Entwickler doch eng mit Google zusammen. Der gOS-Desktop bringt aber weder Picasa noch Google Earth mit. Dass Thinkgos nicht direkt mit Google in Verbindung gebracht werden will, zeigt ein entsprechender Hinweis auf der Homepage. Zudem migrierten die Entwickler das gOS-Repository von http://packages.googlepc.com auf den Server http://packages.thinkgos.com.

Die gOS-Distribution gibt es zurzeit nur als 32-Bit-Version für die Intel-Plattform. Für unsere Tests nutzten wir Version 1.0.1 von der Thinkgos-Seite [2], auf der Heft-DVD befindet sich noch Version 1.0.0. Das erste ISO-Abbild von gOS war noch knapp 800 MByte groß und ließ sich nur auf DVD oder spezielle CDs brennen, die aktuelle Version passt hingegen auf herkömmliche 700-MByte-Scheiben. Die Distribution steht unter einer Creative-Commons-Lizenz [3], die den kommerziellen Vertrieb der Software ausschließt.

Erster Eindruck

Mit Enlightenment haben die Entwickler bewusst einen Desktop gewählt, der zwar sehr ressourcenschonend arbeitet, aber trotzdem visuelle Features mitbringt. So bewegen sich zum Beispiel die Icons auf der Kontrollleiste wellenförmig, sobald Sie den Mauszeiger darüberhalten, und scrollen automatisch nach links und rechts, falls das Panel nicht genügend Platz bietet. In Enlightenment Einstellungen zu ändern, gestaltet sich nicht immer trivial, viele Dialoge sind denn auch deaktiviert. Auch auf virtuelle Desktops verzichtet gOS.

Abbildung 1: Klicken Sie auf im Desktop der Live-CD auf das Install-Symbol, dann befördert der Ubuntu-Installer gOS auf die Festplatte.

Die Änderungen von gOS beschränken sich auf den ersten Blick nur auf die Enlightenment-Pakete, das Paketmanagement Apt und die Google-Toolbar von Firefox. Andere Pakete bietet das Thinkgos-Repository nicht an. Die Download-Version unterscheidet sich aber noch in weiteren Punkten von einem Standard-Ubuntu. So spielt gOS auch unverschlüsselte DVD-Filme und MP3-Dateien ab. Zudem bringt die Distribution deutlich weniger Anwendungen mit. So fehlt zum Beispiel ein Bildbetrachter und als CD/DVD-Brennprogramm kommt nicht Nautilus, sondern Gnome-Baker zum Einsatz. Auch findet sich im Kontextmenü zu externen Medien kein Eintrag zum Aushängen des Datenträgers. So ließ sich in den Tests eine CD nur auf der Kommandozeile auswerfen, was bestimmt nicht im Sinne der Erfinder von gOS ist. Das Enlightenment-Panel enthält in der Grundeinstellung zahlreiche nur Webanwendungen, jedoch kaum Desktop-Software. Ohne Breitband-Internetanschluss lässt sich gOS somit kaum sinnvoll betreiben.

gOS selbst gemacht

Auf einem Ubuntu-System probieren Sie gOS auch ohne große Downloads ausprobieren. Tragen Sie dazu einfach folgende Zeile in die Datei /etc/apt/sources.list ein:

deb http://packages.thinkgos.com/gos painful main

Danach installieren Sie über apt-get oder per Paketmanager das Metapaket greenos-desktop. Der Login-Manager zeigt nach der Installation einen Eintrag Enlightenment an, über den Sie gOS starten. Der Vorteil dieser Lösung: Der Desktop startet gleich in Deutsch. Der Nachteil: Sie erhalten sie nicht exakt das gleiche Look & Feel wie bei gOS.

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